Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

Page: 322
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badenia1859/0340
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
322

Während der Charakter, die Sitten, die Wohn- und Lebens-
weise der Bevölkerungen vom Murgflusse bis nach Basel und an
den Bodensee mit dem Boden, worauf sie wohnen, sehr häufig
wechseln, zeigen die Bewohnerschaften von der Pfinz an bis hinab
an die Tauber auf ihrem Keuper und Muschelkalke im Allge-
meinen ein ziemlich gleichförmiges, dem Landbaue zugethanes
Wesen, und wenn gefragt wird, warum man die Odenwälder
nicht zu der landwirtschaftlichen und Zndustriethätigkeit des
Schwarzwälders bringe, fo liegt die Antwort einfach in dem
Sandsteine, welcher dort das Urgebirge überkleidet.
Ebenso entspricht auch der farbenreichere Volkscharakter der
Bergstraßbewohner dem Wechsel der geologischen Verhält-
nisse am westlichen Abfalle des Odenwälder Gebirges. Er hat
Ähnlichkeit mit jenem, welcher sich vom Murgthale an aufwärts
kund gibt, wo der Granit und Porphyr die unerquickliche Decke
des Sandsteines ebenfalls durchbricht.
Diese bisherige so trockene geographisch-geologische Darstellung
habe ich dem Leser nicht erlassen können. Sie mußte einmal
gegeben werden, gleichsam als Netz und Folie für die folgende
historisch - ethnographische Schilderung, welche aber frei-
lich auch nur eine flüchtige Skizze ist.
Was nun die geschichtlichen Verhältnisse des badischen
Unterlandes betrifft, so hatten sie anfangs viel Gemeinschaftliches
mit jenen unseres Oberlandes, giengen aber frühe schon einen
verschiedenen Entwickelungsgang, welcher zu mancherlei eigentüm-
lichen Erscheinungen führte. Versuchen wir es, diesen Gang in
etlichen Linien hinzuzeichnen.
Das Terrain des badischen Unterlandes gehörte, gleich dem
obern Theile des Großherzogthums, zum rheinischen Vor-
lande der Römer, nur daß die Ost-Gränze dieser Quasiprovinz
mitten durch das Bauland (vom Maine bei Miltenberg über
Osterburken bis zur Zaxt bei Olnhausen) zog. Es blühte also
auch an der Alb und Pfinz, Salzach und Kraich, am Neckar,
an der Weschnitz und Steinach und bis hinüber zur Morre und
Seckach, römisch-gallisches Leben, wie in den Landschaften
oberhalb der Murg, und die Namen Ettlingen
loading ...