Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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Beim Abzüge der Sieger wurde an vielen Orten Feuer an-
gelegt „mit Prüfer und Zündstrick; im Kloster auf St. Agathen-
altar, im Emporkirchlejn, in der Conventstuben und an zwei
anderen Orten. Aus Gnad' Gottes und durch die Fürbitte St.
Agathen gieng keines auf. Aber in der Stadt brachere die
Flammen an mehreren Punkten aus, wurden jedoch, Gott Lob,
durch einen großen Wolkenbruch gelöscht. Es war ein Schrecken,
der nicht zu beschreiben ist."
Die Conventstube war voll Belten gelegt worden, auf
welche man verwundete Bürger und Soldaten verbrachte. Der
Ortsbarbier Gundelsheimer mußte sie verbinden, und weil
er selbst schon um all das Seinige gekommen, mit der Kloster-
salbe tractieren. Nachdem er die Meisten verbunden, wurde er
zum Dank für die bereitwillige Hilfe, „von den Schweden
bis auf das Hemd ausgezogen."
Um 6 Uhr, nach dem Abzüge des unmenschlichen Feindes,
schickte die Priorin in die Stadt, um nachsehen zu lassen, „wie
es stand." Der Ort lag beinahe verödet; die überlebenden Bürger
waren mit Weibern und Kindern auf Lohnfuhren nach Oehnin-
gen gezogen, und die Klosterfrauen sahen zu ihrem Schrecken,
daß sic die Fuhr versäumt hatten und nun allein daheim aus-
harren mußten. „Es war aber, schreibt die Chronistin, ein Glück,
denn waren wir selbige Nacht hinweg gezogen, so wäre das Klö-
sterlein noch mehr ausgeraubt worden. Es sind nämlich zwei
Tage hinter einander, die Hohentwiel er gekommen, zu rauben
und die hereingeschofsenen Stückkuglen wieder zu holen."
So abscheulich wurde eine kleineStadt behandelt, welche
Jahre lang die feindlichen Besatzungen zu Höwen und Hohentwiel
mit Lebensmitteln und Geld versehen; welche gegen die Kaiser-
lichen selbst mannhaft sich gewehrt und sie nur gezwungen ein-
gelassen, und die nach kaum dreistündiger Beschießung ohne große
Opfer eingenommen worden.
„Während des Wesens, erzählt uns Verena, hat die Prio-
rin wegen der Ranzion arge Mißhandlungen durch Kolbenstöße
erlitten, wovon sie den Rest ihres Lebens große Schmerzen ge-
habt. Die Schwester Agatha wurde am Kopfe verwundet und
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