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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0114

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übergehende Schichten. Dadurch wtrd aber bekanntlich eine un-
unterbrochene Sedimentation angezeigt, öie wir schon
aus demBau und Jnhalt öer Schichtenerkannt haben. 2n
der uferwärts gelegenen Abbauhälfte keilen sie jedoch alle mit 2lusnahme der
untersten Pflanzenlage aus. 2ch würde dieses durch eine solche nachlträgliche
Störung bei niederem Seestand verursacht halten, wenn nicht die oberste
Pflanzenschichte sich in 3 Zweige teilte, die bis 7 m lang werden unb völlig
ungestört im sandigen Seeschlick auslaufen. Dieses Auskeilen sagt
aber wieder aus, dah vor, während unbnach der Ablagerung
dieser Pflanzen am Llser sich im See sandiger Schlick ab-
setzte, so dah öas älfer weiter landeinwärts lag.

Die volle Llebereinstimmung öes Schichtenbaues und ihre Lage mit öer
heutigen Llfergestaltung machen jebe 2lnnahmeeineranberenSpie->
gelhöhe unnötig und geben dem schon von den ersten Pfahlbauunter-
suchern gezogenen Schlusse Bsrichtigung, dah bie Pfahlbauten bei
einem von bem heutigen Seestand kaum abweichenben
Wasserspiegelerrichtet wurden.

Auch Herrn Reinerth sind diese 2>erhältnisse nicht entgangen. Am seine
Theorie Ler trocken liegeaden Dauien ausrecht zu halten, zwingen sie ihn, hier
eine Jnsel zu konstruieren, die durch einen etwa 60 in brei-
ten Seearm von der heutigen Llferböschung getrennt war.
Es entstehen daöurch ganz eigenartige Verhältnisse. 2luf einer am Llfer sich
hinziehenden bloh 100 m breiten Jnsel aus Schlamm und Schlick entsteht eine
„ausgedehntes!)" Moorfläche, bie den jüngeren Pfahlbau trägt! Vergebens
fragen wir uns, wie öas aus so schmalem Gelänbe möglich war, wie eine solche
Insel zu Stande kam, unb wie sie sich bei bem Wellenschlage halten konnte!

VI.

Schliehlich ist die Frage zu beantworten: „Jst die geschilberte Llferbil-
dung nach ben 2lnnahmen Reinerths überhaupt möglich?"

2lach ihm war die heutige ilferböschung samt der darunter liegenden
Brandungsterrasse zur Pfahlbauzeit bereits vorhanben. Sie müssen also
von einem früheren Seestand gebildet sein, ber bemnach ungesähr bie gleiche
Höhe hatke wie das heutige. Dann sank Ler Spiegel nach Reinerth, sobaß
bie mitklere Spiegelhöhe 'in 3S2 m M.H.2l.2l. lag, öer mittlere Spiegel öes
Sommerwassers in 393,50, unb öer zur Winterszeit in 391,20 2luf der

wichtszustand dieser Llferbilbungen inbessen auch in
unserenTagennoch ist, zeigt der Amstanb, dah jebe tiefer eiügreisenbe
2lenderung im äserraum die Sebimente ber Dranbungsterrasse in Bewegung
bringt. 2ch konnte dieses bei Dodmann beobachten, wo ein Teil der Whsse
aufgefüllt und in Gartenland verwandelt wurbe. 2luf ein typisches Deispiel
machte mich Herr Dürgermeister Sulger in älnteruhldingen aufmerksam.
2lach dem 2lushub des dortigen Hafens änberte sich bas unterseeische Dild
Les dortigen Pfahlbaues völlig; es erschienen Pfähle, wo früher keine Waren,
und früher sichtbare wurben zugebeckt. Llnd^ dabei sollen, wie er versicherte,
die neu entstanöenen 2lnlagerungen nach ihrer Farbe (dunkel und hell)
wieder geschichtet gewesen sein-

Die Seespiegelsenkung soll nach 2leinerth und Gams durch ein
trockenes Klima zur neolithischen und Dronzezeit ver-
ursacht worden sein. 2lun hat aber die Pollenuntersuchung Dertsch'
ergeben, dah die Pfahlbauzeit in die stark ansteigende Duchen- und bie ab'fal-
lende Eichenmischwalbkurve fällt. Das trockene Klima des Eichenmischwaldes

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