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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0233

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Römische Zunde von Melenhausen an der Pfinz
(Amlsberirk Pforzheim).

Don W. Fischer, Pforzheim.

2luf der linken Talseite der oberen Psinz, etwa 8 km nördlich von öeren
Llrsprung und etwa 10 km westlich von Pforzheim, liegt öas kleine Dorf
Dietenhausen. Es wird bald nach 900 n. Chr. als „Theotelenhusen" erwähnt
und hat bisher noch keine frühgeschichtlichen Funde geliefert.

Beim Ausheben der Fundamentgrube für ein neues Haus am Äoröein-
gang des Orts (Grunöstück 528/10, Desitzer K. W. Dürr) im 2uli 1933
stießen die Arbeiter auf ziegelrot gefärbt.e Erde mit Brandresten sowie auf
drei behauene Bruchstücke aus rotem Sandstein, die sich als zusammengehörig
erwiesen. 2hre Zusammensetzung ergab einen nicht vollständig erhaltenen rö-
mischen Altar von der üblichen Form, noch etwa 1,12 m hoch (s. Abb. 69).
Von der Basis ist ein etwa 33,5 cm hohes und 41 bis 42 cm breites Stück
erhalten, über diesem der eigentliche Aufbau noch etwa 7 cm hoch, 33,5 cm
breit und 23 cm tief. älnten wie oben ist öieses Stück abgehauen. Auch das
darüber gehörige zweite Stück ist nach unten zu gewaltsam abgehauen und
paßt deshalb nicht ganz auf das erste; es hat noch eine größte Höhe von etwa
29 cm, eine Breite von etwa 32 cm unö eine Tiefe von 23 cm. Endlich öas
dritte Stück schließt darüber annähernd an, hat eine Gesamthöhe von 52 cm.
eine Breite von 32 cm und eine Tiefe von 23 cm. Der obere Abschluß besteht
zunächst aus der 12 cm hohen, bis zu einer Breite von 42 cm vorspringenöen
Profilierung, über der sich außen die Voluten und in der Mitte die 8 cm hohe
dachartige Verzierung erheben. Auf der Vorderseite dieses Stücks befindet
sich folgende Jnschrift:

VL k O Vk I
! V ^ k I V 8
G ^ I I
V 8 dl

d. h. d4erc:url(o) / )3nu3riu8 / L3nri(ti!lU8)
v(orum) H(olvir) l(3etll8) l(iben8) m(erito).

Die Buchstabenhöhe ist durchschnittlich 4,8 cm, nur in Z. 2 4,2 cm.

Der Vame Januarius ist in den germanischen und gallischen Provinzen des
Römerreichs verbreitet, kommt u. a. in Mainz und Koln, bei Metz und Aven-
ches vor (Index zu S.I.d. XIII). Der hauptsächlich in Oberitalien und Süd-
frankreich vorkommende Äame Cantius ist keltisch, wie es der Bevölkerung
dieser Länder entspricht, s. Holöer, Altceltischer Sprachschatz l 751/2

Ss handelt sich also um einen öer zahlreichen Mercuraltäre des römischen
Rheinlandes, die längst zu der Vermutung Anlaß gegeben haben, öaß in
diesen Fällen die Verehrung eines einheimischen Gottes, nicht des römischen
Handelsgottes gemeint ist. Da der Vater des Weihenden noch einen keltischen
Ramen führt — während öer Sohn sich schon römisch benennt, ein interessantes
Zeugnis der Romanisierung —, so ist mit Mercur hier wohl der keltische
Hauptgott gemeint, gemäß den Worten Caesars: Oeorum msxime Ickerourium
oolunr (bell. Oalllo. VI 17,1).

Auf der vom Beschauer aus rechten Seite des Altars ist in Relief eine

i Herr Stadtarchivar Kern, der Leiter des Reuchlinmuseums in Pforzheim,
glaubte bei dem ersten Buchstaben von Cantius im Stein eine senkrechte Hasta
festzustellen. Deshalb ist beim Aachmalen öer 2nschrift öer Aame als Gantius
gegeben worden. Mir scheint aber nur ein C im Stein vorzuliegen. Auch
kommt ein Name Gantius sonst nicht vor, währenö Cantius ziemlich bekannt ist.

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