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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0247

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öie ich keine genane Analogie beizubringen weiß. Es ist jeöoch öie auf öem
Gulshof am meiften gebrauchte Schüsselform.

12. Fuhlose Teller. Sie sinö öurch zahlreiche Druchstücke zu belegen. Tlnter
allen Geschirrformen ist es öie am häufigsten vertretene.

13. Bruchstück eines Gefähes aus öunkelgelbem Ton mit rotem, sigillata-
ähnlichem äleberzug, verziert öurch Kerbbänder. Der größte Durchmesser be-
trug 14 cm. Bergleichbar sind Gefähe aus Faimingen, Cannstatt unö Rott-
weil, bei denen jedoch öie Derzierung fehlt und öer Schulterknick weniger aus-
geprägt ist als bei dem vorliegenden Stück (Der Obergermanisch-rätische Limes
Abt. 6 Nr. 66 c Kastell Faimingen. S. 79).

14. Bon einer Amphora der abgebildeten, frei ergänzten Form ist etwo
das untere Drittel erhalten. Amphoren öieses Typus sinö um 2O0 n. Chr. nicht
selten, vgl. Oelmann a. a. O. S. 64,76.

Metallsunöe.

Von Eisensachen wuröen auher Aägeln in jeöer Gröhe unö Resten von
Beschlägen der vordere Teil eines trapezförmigen Spatens (gröht-e Breite
noch 11 cm) gefunden. — Ein Stück öünnes Bronzeblech gehört seiner Bie-
gung nach wohl zu einem beckenartigen Gefäh.

Stein.

Die oben S. 212 erwähnten und aus Abb. 94 öargestellten Sanöstein-
blöcke lagen zu beiden Seiten öes inneren Eingangs. Ihre Oberfläche befand
sich ursprünglich etwa 1,20 m über öer untersten Fundamentlage. Diese Höhe
scheint mir nach den sonstigen Deobachtungen über öie Lage von Schutt unö
Fundgegenständen die Derwendung öer Steine als älnterlage für öie Tür-
schwelle auszuschließen. Bermutlich öienten sie als Auflager öes Türgewänöes.
welches von oben in die Rinnen eingezapft war. Außeröem ist zu erwähnen
ein rechteckiges 4 mm öickes Steinplättchen, öas wohl zum Salbenreiben v-er-
wendet worden war.

Knoch en.

Dach freundlicher Bestimmung durch Herrn Dr. Tobien wuröen Reste
von Schwein unö Ziege (oder Schaf) festgestellt.

Wie sich aus der Ginzelbeschreibung ergibt, gehören die datierbaren
Funde fast sämtlich öer Regierungszeit öer Antoninischen Dhnastie oöer etwa
der zweiten Hälfte öes 2. Jahrhunöerts unserer Zeitrechnung an. Der kleine
Sigillatasplitter Ar. 2 unö öie unter Ar. 9 erwähnte Kragenschüsfel, welche
allein noch in öie Zeit Haörians hinaufreichen können, geben für die Er-
bauungszeit des Gehöftes keinen genügenöen Anhaltspunkt. Man wird öa-
her die Erbauung um die Mitte öes Jahrhunöerts anzüsetzen haben. Hns
3. Jahrhunöert hinein weist mit Bestimmtheit nur öas kleine Becherbruch-
stück 7 k, bei einer Reihe von anöeren Scherben läßt sich öie Entstehungs-
zeit zwischen 2. und 3. Jahrhunöert nicht sicher abgrenzen. Die Desieölung
öes Gehöfts wird wohl schon in der ersten Hälfte öes 3. Jahrhunöerts ein
Enöe gefunden haben. Llnwahrscheinlich ist, dah sie bis zum Fall öes oberger-
manisch-rätischen Limes geöauert hat. Eine Reihe von Anhaltspunkten spre-
chen dasür, öaß die „römische" Besieölung im rechtsrheinischen Obergermanien
nicht allenthalben zugleich mit öem Fall öes Limes zu Enöe ging, sonöern an
einzelnen Stellen schon einige Jahrzehnte früher, an anöeren aber erst später
ausgehört hat. Diese für öie Frühgeschichte unserer Heimat unö für öie
Kenntnis öer ersten alemannischen Besiedlung bedeutungsvolle Frage auf-
zuhellen, wird nur möglich sein durch weitgehenöe Einzelbeobachtung auch an-
scheinend bedeutungsloser Funöstellen und öurch eine sachgemähe Bearbei-
tung der in unseren Museen magazinierten älteven Funöe.

W. Schleiermacher, Freiburg i. Br.

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