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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0055

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Die Steinzeit im Schwarzwald

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Aus dem Elsaß finden wir darüber zahlreiche Nachrichten bei Faudel und Blei-
cher (1883). Dort schrieb man diesen Geräten vorbeugende und heilende Wirkung
gegen Krankheiten des Menschen und der Haustiere zu und sah in ihnen Abwehr-
mittel gegen Blitz und Feuer. Aus Baden erwähnt Wagner (1908 und 1911) nur
weniges derartige, aber sicher hat hier der gleiche Aberglaube bestanden. Cs ist
daher sehr wohl möglich, daß gelegentlich Steinbeile und ähnliche geschlissene Ge-
räte wegen der ihnen zugeschriebenen günstigen Wirkungen in den Schwarzwald
verschleppt worden sind. De ecke macht bei der Nachricht über das Steinbeil von
der Ruine Lützelhart bei Seelbach (1932) auf diese Möglichkeit aufmerksam und
betont, daß dieser Fund keine neolithische Siedlung beweise. Für diesen Fall ist
das sicher richtig. Nachdem aber durch eine stattliche Zahl von Feuersteinfunden
erwiesen ist, daß der Mensch der jüngeren Steinzeit den Schwarzwald häufiger
durchstreift hat, wäre es falsch, kurzerhand alle Funde geschliffener Werkzeuge auf
späte Einschleppung zurückzusühren. Insbesondere ist dies da kaum möglich, wo
solche Funde abseits bestehender oder abgegangener Siedlungen gehoben wor-
den sind.
8. Äber die Feuersteinwerkzeuge.
In den Rahmen dieser Untersuchung sind auch die formlosen Feuersteinsplitter
und -stücke einbezogen, die nicht mit Sicherheit als Werkzeuge oder Bruchstücke und
Vorstufen von Werkzeugen angesprochen werden können. Solche Splitter entstehen
bekanntlich in großer Menge beim Schlagen von Klingen, aus denen im Iung-
palöolithikum, Mesolithikum und Neolithikum fast alle übrigen Silexwerkzeuge her-
gestellt wurden. Zusammen mit Werkzeugen im Boden steckend gewinnen sie dadurch
besondere Bedeutung, daß sie die Herstellung von Werkzeugen an Ort und Stelle,
also eine wenn auch vielleicht nur kurze Siedlung beweisen. Solche Feuersteinstück-
chen bilden sich aber auch in großen Mengen da im Ackerboden, wo Silex im Gestein
vorkommt. Sie im Schwarzwald mit dem Aufenthalt des Menschen in Verbindung
zu bringen, ist nur statthaft, wenn der Nachweis geliefert ist, daß an der Fundstelle
Feuerstein nicht im Boden steckt. Gneis, Granit, Porphyr und die übrigen kristal-
linen Gesteine des Schwarzwaldes sühren Feuerstein in keiner Form. Eine gewisse
Vorsicht ist nur geboten bei den Konglomeraten und Arkosen des Rotliegenden,
die manchmal Chalzedone, und im Buntsandstein, in dem ein ganzer Horizont
Stücke meist roten Karneols enthält. Auf derartiger Unterlage sind nur im Hotzen-
wald Feuersteinsplitter und Werkzeuge gefunden worden. Ihr Material ist aber
ortsfremder, aus dem Iura stammender Iaspis oder Hornstein des Muschelkalks,
so daß kein Zweifel darüber bestehen kann, daß der Mensch sie dorthin getragen hat.
Bei einzelnen Feuersteinsplittern kann es fraglich erscheinen, ob sie nicht vom
Menschen späterer Zeiten in den Schwarzwald verschleppt worden sind. Es ist noch
kein Iahrhunderl vergangen, seit die Schwarzwälder Feuerstein, Stahl und Zunder
zum Feuerschlagen benützten. Der dazu gebrauchte Feuerstein ist ein honigbrauner,
durchscheinender Kreidefeuerstein, der mit keiner vom Armenschen unseres Gebietes
verwendeten Silexart verwechselt werden kann. Wenn man gelegentlich derartige
Feuersteine auf den Äckern findet, verraten Form und Gestein den Ursprung. Aller-
dings scheinen auch manchmal einheimische Feuersteinarten, etwa roter oder gelber
Iaspis, auch Muschelkalkhornstein zum Feuerschlagen benutzt worden zu sein. Die
Bauern von Munzingen holten zu diesem Zweck die Iaspiswerkzeuge aus der be-
rühmten Rentierjägerstation unweit des Dorfes (Padtberg 1925). Derartige Feuer-
steine verraten ihren Gebrauch durch die Abnützungsspuren, die mit der Retusche
steinzeitlicher Geräte kaum verwechselt werden können.
 
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