Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0073

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Die Steinzeit im Schwarzwald

63

nur in den unteren Lagen und nur an einer Stelle sichere Anzeichen seines
Dasein gefunden worden sind, so kann in der mit zunehmender Höhe verschärften
Angunst des subarktischen Klimas die einzige Ar fache gesucht werden. Der
Mangel an natürlichen Höhlen entzog ihm jede Möglichkeit, der Kälte des sub-
arktischen Winters zu trotzen. Nirgends im Gebirge fand er den Feuerstein, der ihm
zur Herstellung seiner Geräte und Massen unentbehrlich war. Gestein und
Klima haben den Menschen des Magöaleniens von den höheren
Teilen des Schwarzwaldes ferngehalten.
Auch den Menschen des Mesolithikums band nichts an den Boden;
auch er war Jäger, Fischer und Sammler, der von den Gaben der Natur lebte. Als
er unsern Boden betrat, war die subarktische Kühle gewichen, die Wärme und
Trockenheit hatten sich bis zu einer später nie wieder erreichten Höhe gesteigert.
Das Gebirge war immer noch bis zu seinen Gipfeln leicht zugänglich und sein Wild-
reichtum nicht geringer geworden. Der üppig entfaltete Haselbusch lud im Herbst zur
Ernte ein. Auf freien Flächen oder in lichten Gehölzen, in denen er Schutz vor Wind
und sengender Sonne fand, konnte er rasten oder seine Hütten bauen. Natürlich be-
standen die Anterschiede des Klimas zwischen dem Tiefland und den Höhen des
Gebirges immer noch, aber sie hatten für das Leben des mesolithischen Menschen
keine entscheidende Bedeutung. Daher sehen wir das ganze Gebiet von den Afern
der Flüsse bis zu den Hochlagen des Hotzenwaldes besiedelt und finden Zeugen
seines Daseins auf den höchsten Bergen des Schwarzwaldes. Man weih, daß nur
innerhalb größerer Flächen die Ernährung durch die Iagd gesichert ist, und darin
mag der letzte Grund liegen, warum der Mesolithiker seinen Lebensraum auf das
Mittelgebirge ausgedehnt hat. Daß er seinen Bedarf an Feuerstein außerhalb des
Schwarzwaldes decken mußte, war Wohl der einzige Nachteil, den er in Kauf zu
nehmen hatte. Er wog allerdings nicht mehr so schwer als vordem, denn der meso-
lithische Mensch hatte auch die kleinsten Splitter auszunutzen gelernt.
Die jüngere Steinzeit bringt die entscheidende Änderung der
Wirtschaftsform, die Abkehr vom unsteten Jäger- und Sammlerdasein zum
Ackerbau, zu Heim und Scholle. Damit war der Mensch eine enge Bindung
an den Boden eingegangen. Wie er sich mit unvollkommenem Gerät zur Saat
und Pflanzung rüsten ließ, ob er fett oder unfruchtbar, feucht oder trocken war, sich
eben hinstreckte oder steil am Gehänge aufstieg, ob er an einer Sommer- oder
Winterhalde lag, in der warmen Ebene und den durchsonnten Hügelländern frühes
Reifen der Saaten verhieß oder Hoch im Gebirge lange Monate unter dem Schnee
begraben lag, diese Fragen entschieden jetzt die Auswahl des Siedlungslandes.
Daß die Viehhaltung mit Waldweide und Eichelmast auch in den Wäldern möglich
war, ändert daran ebensowenig etwas, wie die andere Tatsache, daß die Jagdbeute
zur Ergänzung des Nahrungsbedarss herangezogen wurde.
Ackerbau und Viehhaltung, ergänzt durch Fischfang und Jagd und das Sam-
meln von Wildfrüchten, waren mit wechselndem Gewicht die Lebensgrundlagen des
neolithischen Menschen; von der Frühzeit bis zum Ausgang, von einem Kulturkreis
zum andern, verschob sich ihre Bedeutung. Aber das ist sicher, daß dem seßhaften,
Ackerbau und Viehzucht treibenden Menschen der jüngeren Steinzeit der Schwarz-
wald das Gebiet nicht sein konnte, das ihn zur Siedlung lockte, mochte auch das
Klima am Ende des Neolithikums etwas trockener geworden sein, es blieb rauher
als in der Ebene und im Hügelland, das Gehänge war steiler als dort und der
Boden flachgründig und steinig, mit Grabstock, Hacke und Pflug nur mühsam zu
beackern. Daher kennen wir aus dem Schwarzwald,'und nur aus seinem untersten

s
 
Annotationen