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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0088

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Friedrich Garscha

16 und 19); Grab 16 ist ausgeraubt, von dem Bronzeschwert nur ein Met erhalten,
die Bronze von Grab 9 ist unkenntlich verbrannt. In 4 Gräbern wurden keramische
Funde gemacht (2, 9, 15 und 19), dreimal davon in Brandgräbern. Einzelne Scher-
ben begegneten in weiteren 4 Gräbern (3, 6, 20 und 22). Ferner wurden in 3 Grä-
bern kleine Schnecken, in Grab 1, 10, 15 und 16 Tierknochen, in Grab 7 und 22 je
1 Feuerstein und in Grab 20 ein Donnerkeil gesunden. Von zusammen 11 Gräbern
mit Funden spielen jedoch nur die Funde von 5 Gräbern (2, 5, 9, 15 und 19) in der
Frage nach der Zeitstellung unseres Gräberselöes (s. u.) eine Rolle.
Wie unser Planausschnitt (Abb. 4) zeigt, stellt das Gräberseld von Immen-
dingen - trotz einer nicht zu verleugnenden Auflockerung an den Rändern - eine ge-
schlossene Anlage dar. Die Belegung ist am dichtesten nordöstlich von Grab 21 und 22.
Eine besondere Anordnung der Brandgräber oder der Gräber mit Beigaben ist nicht
zu erkennen. Die Frage, ob unser Grabfeld der Rest eines Hügelseldes oder ein
Flachgräberseld ist, muh zugunsten des letzteren entschieden werden. In allen Fällen
handelt es sich um eingetieste Gräber, also Schachtgräber, wenn auch die Steinöecke
manchmal teilweise noch in Pslugtiefe begann.
Vergleich und Zeitstellung.
Ähnliche von der bekannten Grabhügelbestattung abweichende Grabanlagen
fanden sich 1933 in Singen a.H? und 1934/35 in Duchtlingen (A.KonstanzH. In
Singen handelte es sich um drei beobachtete und einige zerstörte Gräber, z. T. mit
guten und typischen Funden. Die Steinkisten liegen etwas tiefer im Boden (bei 0,60
bzw. 0,80 m Tiefe beginnend) und sind bei gleicher Bauart (große Randsteine mit
Decke, dazu zweimal höherer Steinblock auf dem Grab) größer (3,50 bzw. 2,50:1,80 ra)
und mächtiger als die Kisten von Immendingen. Die Richtung der Gräber 1 und 2
entspricht der von Immendingen, während Grab 3 davon abweicht.
Bei dem Grabfund von Duchtlingen wurde eine doppelte schwere Steindecke
über dem 1,85 nr tief liegenden (!) Skelett beobachtet. Die Richtung des Grabes
dürfte nach den Skelettresten der von Singen, Grab 3 entsprechen. Daß es sich um
Gräber der gleichen Zeit handelt, geht aus den gefundenen Bronzen (vgl. diese
Zeitschrift Bd. III Fig. 163) hervor.
In diesem Zusammenhang verdient vielleicht auch ein frühbronzezeit-
liches Grab Erwähnung, das 1934 in Immendingen ausgegraben wurde und in
dem die Hockerbestattung in gleicher Weise mit einer doppelten Kalksteineinfassung
umgeben war.
Von besonderer Bedeutung für Immendingen ist die gleiche Bauweise von
Skelett- und Brandgräbern, wenn wir dabei von der Unterteilung der letzteren in
zwei Teilkammern absehen. Wichtig ist ferner, daß unsere Brandgräber die Leichen-
brandreste nicht in der Arne, sondern in der Steinkiste beherbergen.
Das wesentlich kleinere Grab 17 von Immendingen führt uns - um zunächst
bei verwandten Erscheinungen im engeren Fundgebiet zu bleiben — zu einem ganz
ähnlich ausgebauten Brandgrab der älteren Arnenselderstufe von Singen a. H.
(Richard-Wagner-Straße 5H. Auch hier liegt der Leichenbrand außerhalb der
Gefäße.

» Bad. Fber. III, 1934, 145ff.
Bad. Fber. III, 1936, 359.
b Bad. Fber. III, 1936, 358.
« Bad. Fber. II, 1930, 155.
 
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