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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0007

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Einleitung

3

in Tiengen (Breisgau) eine gemauerte alemannische Gruft, die vom Lehrer gemeldet
und vom Museum für Urgeschichte ausgegraben wurde, unter Anleitung ihrer
Lehrer ab- und im Schulhof wieder aufgebaut.
Fundstücke dagegen, das find also historische Urkunden, gehören nicht in die
Schulsammlung; soweit solche bestehen, sind sie nur selten so geordnet, wie es die
Funde als Dokumente beanspruchen müssen, und nie so anschaulich und lebendig
aufgemacht, wie es die schulischen Belange erfordern. Ein Steinbeil ist so, wie es
aus dem Boden kommt, für den Laien bestenfalls ein sonderbarer Stein, ein
Kuriosum; erst wenn es geschäftet ist, ist es ein menschliches, verständliches, sinn-
volles Gerät und ein Bildungsmittel. Vollends darf die Cxperimentierfreudigkeit
der Buben allenfalls an Nachbildungen, nicht aber an unersetzlichen Urkunden er-
probt werden. Fundstücke gehören in die ordnungsgemäß betreuten, anschaulich aus-
gestatteten Sammlungen. Das Reichswissenschaftsministerium hat, wie im Amts-
blatt bekanntgegeben, neuerdings wieder darauf hingewiesen, daß alle Heimat-
museen seiner besonderen unmittelbaren Fürsorge - und in seinem Auftrag dem
amtlich bestellten Museumspfleger, in Baden Direktor Dr. Rott vom Landes-
museum - unterstehen. Dort, im Heimatmuseum stehen die Funde jeder Schule des
Bezirks jederzeit zur Besichtigung zur Verfügung und sind mit archivmähiger Sorg-
falt aufbewahrt. Vor allem geht es hier darum, die Stücke für den Beschauer le-
bendig zu machen. Die Ausstellung des Ministeriums hat wohl jedem Besucher
gezeigt, was dazu an Arbeit notwendig ist, und welche Mittel der Veranschauli-
chung angewandt werden müssen, Karten, Bilder, Modelle. Gerade hier bietet sich
dem Lehrer ein besonders fruchtbares Feld der Mitarbeit: die Funde dem Volk und
der Fugend sinnfällig und verständlich zu machen. Herstellung von Modellen im
Anterricht ist sehr erwünscht und lehrreiche
Voraussetzung ist, daß der Betreuer des Heimatmuseums sich selber die ganze
Urgeschichte seines Bezirks verdeutlicht hat, also eine Fundkarte mit Nachweis der
einzelnen Funde und Fundstellen anlegt. Das Heimatmuseum darf nicht nur Schau-
sammlung sein, sondern muß Mittelpunkt der Erforschung des Bezirks werden, der
Lehrer nicht nur' Nutznießer, sondern tätiger Mitarbeiter der Denkmalpflege als
Melder, als Mithelfer bei Ausgrabungen und als Pfleger fein. Denkmalpflege und
Museumsarbeit sind aktive Landesforschung und Volkserziehung, und nicht weh-
leidige Romantik.
Waren schon bislang zahlreiche Lehrer - und gerade aus der Volksschule -
unsere Weg- und Kampfgenossen (24 unserer 45 Pfleger), so beruhte das zumeist
auf besonderem persönlichem Interesse, das sich trotz Mangels einer besonderen
Vorbildung Wissen und Wege angeeignet hat. Durch die Berufung eines Dozenten
für Urgeschichte an die Hochschule für Lehrerbildung, Karlsruhe, in Person
von Dr. P. H. Stemmermann wird nun diesem Äbelstand abgeholfen. And beson-
ders begrüßen wir es, daß schon in seinem ersten Semester sich der Weg in die
Praxis der Denkmalpflege erfolgreich finden lieh. Im Reichsberufswettkampf hat
eine Arbeitsgemeinschaft der Lehrerstudenten das Markgräfler Dorf Wintersweiler
bearbeitet und dabei die Frühgeschichte der Gemarkung, von der bisher nur ein
Hügelgrab bekannt war, mit großem Erfolg untersucht (f. den Aufsatz von
P. H. Stemmermann, und unter „Feuersteingeräte" in der „Fundschau"). Landes-
kunde, Heimatgeschichte erfordert die Zusammenarbeit aller beteiligten Fächer. Nun
muh sich jede Forschungsarbeit spezialisieren, um das zu leisten, was von ihr heute
gefordert wird. Es kommt daher alles darauf an, dah Wege gefunden werden, die

° s. „Germanenerbe" 3, 1938, 18 ff., 55 ff.
 
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