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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0087

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Das alemannische Gräberfeld von Merishausen

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Grabungsbericht.
Die Funde sind auf Tas. XI und XII, 1 wiedergegeben.
Grab 3: Frauengrab', Tiefe 1,70 in. — 3 eiserne, silbertauchierte Schnallenbeschläge
mit je drei Bronzenieten in der Armgegend, 1 eiserne, silbertauschierte Riemenzunge
mit zwei Bronzenieten (XI, c, <1, c, 1 und XII, 1). - 12 Perlen (blaue, Weiße, z. T.
verziert und gerippelt) (XI, b). - Haarnadel aus Bronze, ornamentiert (Länge
14,8 ein) (XI, a).
Grab 8: Frauengrab; 1,40 in tief. - Eine vollständig erhaltene Zierscheibe in
Bronze (Dm. 8,5 ein) (XI, g). — 15 Perlen (blaugrün, gelb, rot) in Kopfgegend
(XI, b). - Kupfermünze (undef.) Dm. 2 cm) (XI, d').
Grab 9: Männergrab; Tiefe 1,40 na. — Scramasax (L. 35 cm) (XI, 1). - Pfeil-
spitze mit runder Tülle (L. 11,2 cm) (XI, Ich. — Eiserne Gürtelschnalle mit drei
Eisennieten (7,8: 5,1 ein) (XI, 1), dazu Gegenbeschlag (3,8 : 3,3 ein) (XI, I').
Grab 10: Frauengrab; 1,40 in tief. Perlenkette mit 79 Perlen, besonders zu nennen
drei gerippelte Perlen aus blauem Glasfluß (XI, na). Bohnerzkügelchen.
Grab 11: Frauengrab; 1,25 na tief. Diverse Perlen.
Grab 12: Tiefe 1,20 na, mit einschneidigem Cisenmesser (L. 10 ein) (XI, n).
Grab 13: Männergrab; 1,30-1,52 na tief. Da der Friedhof an einem (jetzt über-
bauten) Hang liegt, senken sich die Gräber z. T. nach Osten ab. - Sax (L. 45 cna)
(XI, ^). — Silbertauschierter eiserner Schnallenbeschlag (8,7 : 3,8 cna) mit Gegen-
beschlag (3,8: 3,5 cna) (XI, w und x). Von der Saxscheide: 5 Bronzeknöpfe (4 mit
Tierornament, Dm. 1,7 cna) (XI, o, p, g, o, s). - 3 Riemenhalter aus Bronze (L. 3,2
resp. 3,2 refp. 2,9 cna) (XI, t, u, v). - Einige Eisenstücke, darunter 1 Ragel.
Grab 14: Tiefe 1,60 na, mit Hufeisenrest.
Grab 15: Frauengrab; 1,45 na tief. - Defekte Zierscheibe aus Bronze (Dm. 8,5 cna)
(XI, H.
Die Gräber 1, 2, 4, 5, 6, 7, 16 enthielten nur Skelettreste, deren anthropologische
Auswertung zurzeit im Anthropologischen Institut der Universität Zürich (Prof.
Dr. O. Schlaginhaufen) im Gange ist.
Die Zierscheibe (XI, g) ist derjenigen von Mengen(Breisgau) sehr ähnlich.
Das Fundmaterial entspricht solchem aus Gräbern der 2. Hälfte des 7. Jahrhun-
derts. Zu dieser Zeit war somit auch schon das Durachtal, als eigentliches größeres
Randental besiedelt.
Besonderer Beachtung wert erscheint das Auftreten der ein bis mehrere Dezi-
meter mächtigen Cisenschlackenschicht in der Höhenlage des alemannischen Grab-
feldes. Cs ließ sich leider stratigraphisch nicht eindeutig festlegen, ob die Grab-
stellen oder die Eisenschlackenschichten älter feien. Im nördlichen Teil der aus-
gehenden Gräberreihe fand sich 1,5 m vom letzten Grab entfernt, der Rest eines
vermutlichen Eisenschmelzofens (Abb. 2). Dieser hatte eine lichte Höhe von etwa
45 cna und einen inneren Durchmesser von 40 cm. Links und rechts stand eine aus-
geprägte Cisenschlackenschicht mit Eisenschlacken, Holzkohleresten und Resten von
gebranntem Lehm an. Die Gesteine des Ofens waren zum Teil stark angebrannt
und, da ausschließlich Kalke, auf der Innenseite rötlich verbrannt. Der Ofen war
mit demselben Cisenschlackenmaterial angefüllt. Es handelt sich wahrscheinlich um
den Fund eines äußerst primitiven und sehr kleinen Rennherdes. Im Rennprozeß
konnte dieser Herd ein teigförmiges Eisen liefern. Selbstverständlich war das Aus-
bringen sehr schlecht 4. Es sind lediglich Spuren von Erz gefunden worden; sicher-
s. diese Zeitschrift, Jahrgang 1937, S. 130.
Bgl. Fehlmann, H: Die schweizerische Eisenerzeugung, ihre Geschichte und wirt-
schaftliche Bedeutung, Bern 1932.
 
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