Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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R. Nierhaus

und privaten Stellen, die zum glücklichen Gelingen der Grabung beigetragen ha-
ben, sei auch hier aufs beste gedankt.
Auf Grund von Beobachtungen, die anläßlich der Legung von Kanalisations-
röhren im Herbst 1932 gemacht wurden st wurde in den drei Straßen, die parallel
zueinander über den sich von Südosten nach Nordwesten längs des Rheines hin-
ziehenden Münsterberg führen, je ein Suchgraben niedergetrieben.
In diesen drei Schnitten kamen die Reste einer spätrömischen Befestigung zu-
tage (s. Plan): Quer über den Berg zog eine über 200 in lange, 3,30 rn breite
Mauer, deren Fundament in allen Schnitten gesichert werden konnte. Etwa 8 ni
nördlich der Mauer lief parallel zu ihr ein oben etwa 13 in breiter, bis zu 4,30 nr
tiefer, muldenförmig geböschter Graben, sowie etwa weitere 3 rn nördlich ein
zweiter derartiger Graben von rd. 13 in Breite und etwa 3,50 na Tiefe. In der
Radbrunnenstraße (s. Plan) wurde durch unseren Suchschnitt eine Torwange des
nördlichen Kastelltores freigelegt, während vor dem Tore die Kastellgräben be-
greiflicherweise aussetzten. In der Schloßplatzstraße zeigte sich das Fundament
eines rechteckigen Turmes, der nach spätrömischer Befestigungstechnik zur Verstär-
kung der Mauer in diese eingebaut war. Anter dem Mauerfundament staken über-
all, wo es geschnitten wurde, 1,10-1,30 na lange, etwa 10 crn dicke Holzpfähle im
Boden, jeweils etwa 20 cna voneinander entfernt, die zur Verstärkung des Fun-
damentes dienten.
Cinzelfunde, von denen einige Scherben aus den spätrömischen Töpfereien von
Mayen in der Eifel und ein beinerner Haarkamm besonders genannt seien, er-
lauben eine Datierung der Anlage in die zweite Hälfte des 4. Iahrhunderts n.Chr.
Das Kastell gehört in eine Reihe von ähnlichen Bauten, die der Kaiser Valen-
tinian l. (364-375) n.Chr.) gegen die Alemannen längs des Rheines anlegte. Am
30. August 369 erließ der Kaiser von Breisach — Lrim'acum — aus eine Ver-
ordnung, die älteste gesicherte Erwähnung Breisachs. Die durch die Grabung von
1938 festgestellte Nordmauer des Kastells riegelte mitsamt den beiden Gräben die
von Natur besser geschützte Südhälfte des Münsterberges gegen die leichter zu-
gängliche Nordhälfte ab. Wie man sich etwa den Verlauf der andern Mauern des
Kastells vorzustellen hat, geht aus der Planskizze hervor; die Rekonstruktion er-
gibt sich aus den Geländeverhältnissen.
Die beiden Grabungen hatten programmgemäß in erster Linie die spätrömische
Kastellanlage im Auge. Daneben konnte eine Reihe von Aufschlüssen über die vor-
und srühgeschichtliche Besiedlung des Breisacher Münsterberges gewonnen wer-
den?. Im Bereich der drei Suchschnitte waren in den Löß zahlreiche vorgeschicht-
liche Wohngruben eingetiest, die zum größten Teil der Arnenfelderzeit (ca. 1200
bis 850 v.Ehr.) angehörten, zum kleineren Teil der Späthallstattzeit (ca. 600-450
V.CHr.) und der Latsnezeit (ca. 450-50 v.Ehr.). Da in den engen Straßen keine
Flächenabdeckungen vorgenommen werden konnten, ergaben die Wohngruben außer
zahlreichen Einzelsunden keinen sonderlich ergiebigen Befund. Erwähnenswert sind
die folgenden Stellen: In der Radbrunnenstraße beginnt etwa unter dem Nordende
der festgestellten römischen Torwange eine Kulturschicht der Arnenfelderzeit, die
auf eine horizontale Strecke von etwa 12 in von 3,80 in Tiefe auf rd. 5,75 in
Tiefe unter dem heutigen Straßenniveau in Richtung von Süden nach Norden ab-
sinkt. Ihr Nordende wurde nicht erreicht. Die Schicht enthält eine aus 3,80 in Länge
angeschnittene Herdstelle in rd. 4,80^4,90 in Tiefe. — Eine ähnliche Kulturschicht
i s. Bad.Fber. III, 1933, 44 u. 56; vergl. auch III, 1934, 158 u. 164.
? Vergl. auch öle älteren Beobachtungen von K. S. Gutmann, Mitt. 5. Bad. Lanöes-
verb. f. Naturk. N.F. I, Heft 14/15, 1924, 328 f.; Bad.Fber. I, 1928, 375-380.
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