Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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2l. Dauber

Ausgrabung von zwei Grabhügeln bei Huttenheim (Bruchsal)
Von 21. Dauber, Karlsruhe
Zwischen Graben und Philippsburg, 20 km. nördlich von Karlsruhe, erreicht die
Rheinaue westlich vom Abbruch des Hochgestades eine ansehnliche Breite. Beson-
dere, im einzelnen noch nicht geklärte Verlandungsvorgänge in den alten Rhein-
rinnen, sowie die Ausschotterung im Mündungsgebiet von Pfinz und Saalbach
ermöglichten hier in allen vorgeschichtlichen Zeitstufen eine Besiedlung der Rhein-
aue st wie sie anderwärts, z. B. in Oberbaden nicht zu beobachten ist. Schumacher?
erklärt sich diese Erscheinung in der Weise, daß die ackerbautreibenden Kulturen
auf dem Hochufer siedelten, während die Viehzüchter und Weidebauern, besonders
der Bronze- und Hallstattzeit,die Weidegründe der „Rheinniederung" Rheinaue.
d. Verf.) in den Nutzungsbereich einbezogen. Die Funde, mit denen sich die Besied-
lung der Rheinaue an dieser Stelle heute schon belegen läßt, scheinen indes diese
Erklärung nicht sonderlich zu stützen.
Nordwestlich von Huttenheim, 500 m westlich des Hochufers, das an dieser
Stelle das bekannte Arnengräberseld von Huttenheims trägt, liegen drei Gruppen
von Grabhügeln, für die Wagner^ folgende Zahlen gibt: Gruppe I im Waldteil
„Hintere Grube" 10 Hügel; Gruppe kl, südlich davon 4 Hügel; Gruppe III, ostw.
von I und II, im Waldteil „Erlen", 13 Hügel. Die Zahlenangaben Wagners stimmen
nur für die Gruppe II, während die Gruppe I weit mehr als 30 und die Gruppe HI
23 Hügel zählt.
Im Volksmund heißen die Hügel „Römerbückel", eine Bezeichnung, die sicher
nicht alt ist und Wohl nur einen vom Volk aufgenommenen gelehrten Deutungsver-
such aus dem vergangenen Jahrhundert darstellt. Nicht näher zu erkennen ist die
Herkunft der Sage, daß eines dieser Gräber eine silberne oder goldene Lade ent-
halten solle.
Die ersten Grabungen, die in den Iahren 1842-46 von den Philippsburger
Kaufleuten Gebrüder Murmann gemacht wurden, erstreckten sich ausschließlich auf
Gruppe fl! und erfaßten mindestens drei Hügel dieser Gruppe. In den Iahren 1877.
1881 und 1882 hat Wagner 5 Hügel der Gruppe I, 1 Hügel der Gruppe II und
2 Hügel der Gruppe III ausgegraben. Alle Grabungen ergaben Funde der Hallstatt-
und Frühlatenezeit.
In der Zeit vom 26. 6.-16. 7. und 1.-19. 8.1938 untersuchte der Berichterstatter
im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege 2 Grabhügel der Gruppe III. Die
Stadt Philippsburg, die im Sommer 1938 die 600jährige Wiederkehr der Erhe-
bung des Dorfes Abenheim zur Stadt — Philippsburg heißt die Stadt seit 1623
nach ihrem Besestiger, dem Speyerschen Fürstbischof Philipp von Sötern — feierte,
stellte aus diesem Anlaß die Mittel zur Grabung zur Verfügung. Herrn Bürger-
meister Kirchgeßner sei dafür an dieser Stelle besonderer Dank gesagt. In dankens-
werter Weise unterstützten ferner die Gemeinde Huttenheim, das Forstamt Phi-
1 Wir nennen außer unseren Grabhügeln: Steinzeit: Steinbeile von Rußheim,
Wagner ll, 82 und Bad.Fber. III, 356. Bronzezeit: Gräber von Rheinsheim, Bad.Fber. I,
125 und III, 360. Einzelfunde von Liedolsheim, Wagner II, 80 und Rußheim, Bad.Fber. II,
156. Römerzeit: Rheinsheim, Bad.Fber. II, 385. Frühgermanenzeit: Grab von Rußheim,
Bad.Fber. I, 16. Reihengräberzeit: Friedhof von Rheinsheim, Dad.Fber. III, 454ff. und
14, 1938, 27. Gräber von Liedolsheim, Wagner II, 80 und Ruhheim, Wagner II, 82.
2 K. Schumacher, Siedlungs-- und Kulturgeschichte der Rheinlande I, 1921, 200.
2 Wagner II, 166ff. Bad.Fber. I, 198; II, 50; III, 42; 14, 1938, 15.
Wagner II, 169 ff. mit Lageplan.
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