Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

Page: 78
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badische_fundberichte1939/0082
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
78

K. Gutmann

von der Form Hofheim, 1 A., dar. Die Mitte des Bodens ist innen kegelförmig auf-
gewölbt und zeigt dementsprechend auf der Unterseite eine leichte Delle.

Die wenigen, dafür aber sehr aufschlußreichen Funde der Schicht VI lassen
keinen Zweifel, daß mit der Grabung in der Apotheke Zinn die älteste römische
Siedlungsschicht von Baden-Baden angeschnitten worden ist. Der allgemeine Cha-
rakter weist deutlich in die Zeit des Hofheimer Lagers zurück. Jedenfalls ist kein
Scherben vorhanden, der ins zweite Jahrhundert herabreicht. Diese Tatsache, so
überraschend sie sein mag, bestätigt nur die Vermutungen, die schon aus den
früheren Sigillatasunden gewonnen werden konnten (Wagner: Fundstätten II, 41),
und die auch die Münzsunde nahelegen (Wagner II, 35). Die römische Besetzung von
Baden-Baden muß erhebliche Zeit vor dem Marsch des Cornelius Clemens an-
genommen werden. Die neuen Funde lassen aber auch einen Schluß zu auf die Art


der ersten Römerbauten in Baden-Baden.
Das massenweise Vorkommen von ge-
branntem Hüttenlehm mit dem bekannten
Tannenbäumchenmuster (2 cnr dick fvgl.
Hosheim, Abb. 13s), ebenso das vollkom-
mene Fehlen von Dachziegeln verraten
leichte Bauten mit Reisigwänden, mit
leichter Abdeckung und sestgestampftem
Lehmestrich, der beim Brand der Ba-
racken ebenso gehärtet wurde wie der
Wandbewurf. Die verkohlten Bretter der
Schicht VI sprechen gleichfalls für den
Charakter der Bauten. Ohne Zweifel dien-
ten diese Baracken militärischen Zwecken.
In ähnlicher Weise waren die Mann-
schastsbaracken im behelfsmäßigen Lager
von Hüfingen erstellt (ORL Hüfingen,
S. 12 ff.). Auf militärische Besetzung deu-
ten auch die Kochtöpfe und der Graf-
fito hin.
Die Fundstelle liegt am Ende der

Abb. 4. Baden-Baden. Hüttenlehm,
etwa V5.

Langen Straße, die den Anmarschweg vom
Rheintal her darstellte. Die älteren früh-
kaiserzeitlichen Funde von Baden haben

sich auch in unmittelbarer Nähe gefunden (Gernsbacher Straße, Kornhaus, Son-
nenplatz).
Der genaue Zeitpunkt für die Erstellung der Baracken läßt sich aus dem spär-
lichen Fundmaterial nicht ermitteln. Claudische oder neronische Zeit ist nicht un-
wahrscheinlich. Deutlich aber ist zu erkennen, daß diese älteste Siedlung noch vor
Ausgang des I.Iahrh. einem Brande zum Opfer fiel und daß erst nach geraumer
Zeit - nach Aufschüttung einer kräftigen Sandschicht durch die Oos - eine neue
Siedlung entstand. Es wäre verfrüht, über die Arsache der Zerstörung der Baracken
eine Vermutung zu äußern.
loading ...