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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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https://doi.org/10.11588/diglit.42536#0091

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Frührömische Terra Sigillata aus dem Alemannenfrieöhof von Herten

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zu erwähnen Gefäßreste verschiedener Art und eine Sigillatenscherbe, die von mir
im Frühjahr 1938 am „Hertener Loch", südlich vom Bahnhof Herten in einer
Kiesgrube an der Landstraße gefunden wurden, die in das 1. Jahrhundert zu setzen
sind, wobei der Sigillatenfund in dessen 1. Halste weist (Laur-Belart). Weiter lie-
gen vom „Burgseld" inHerten2 Sigillaten vor-st die in claudisch-neronische Zeit
zu setzen sind. Dann schließen sich die hier beschriebenen Funde aus dem Aleman-
nenfriedhof Herten an.
Die Annahme Barthels (Seite 131), daß die Funde bei Haltingen auf eine
frühe militärische Besetzung deuten, kann ich jedoch nicht teilen^. Auf der „Prit-
sche" der schon früher bekannten römischen Siedlungsstelle bei Efringen, fand
ich eine Nachahmung arretinischer Sigillata aus der Hälfte des 1. Jahrhunderts
(Laur-Belart und Vogt, Zürich) 2«. In Herbolzheim bei Emmendingen wurde
das Bodenstück eines Tellers mit Stempel des Töpfers (60—70 n.Chr.)
gefunden^. Von Riegel hat Fritsch eine große Zahl claudischer Sigillaten be-
schrieben^. Barthel (S. 130/31) zweifelt an der frühen Ansetzung, angesichts der
Menge der Stücke sicher zu Anrecht. Die Sigillatenforschung, die im Fahre 1913,
als Barthels Arbeit erschien, noch sehr im Fluß war (Barthel S. 115), steht heute
auf festem Boden. So sind auch seine Bedenken bezüglich der Sigillatenfunöe von
Baden-Baden hinfällig, die Fritsch ebenfalls in claudische Zeit setzt-st Schon
Fritsch konnte bei seiner Zeitstellung sich auf eine so wichtige Stimme wie die von
Knorr berufen^. Seine Ausfassung findet eine Bestätigung durch die neuesten
Beobachtungen, die Karl Gutmann in seinem Aufsatz in diesem Heft „Frührömi-
sches aus Baden-Baden" wiedergibt. Auch Gropengießer setzt den Beginn des
Badebetriebes in die Mitte des 1.-Jahrhunderts
Herrn Dr. Nierhaus verdanke ich einen wertvollen Hinweis auf Beobachtun-
gen Forrers^st Die älteste Mauer des Kastells in Straßburg besteht aus Basalt,
der nicht im Elsaß ansteht, sondern im badischen Kaiserstuhl. In der Frühzeit, da
die Steinbrüche der Vogesen noch nicht durch Straßen erschlossen waren, war es
einfacher, die Steine auf dem Wasserweg vom Kaiserstuhl zu holen, trotz der
erheblich weiteren Entfernung. Als Erbauer dieses Basaltkastells kommt nach Aus-
weis von Ziegelstempeln die XXI. Legion in Frage, die nach Ritterlings etwa
von 43/45 n.Chr. in Straßburg ein Detachement liegen hatte und zur selben Zeit
Vad.Fber. III, 1936, 376.
25 Die Haltinger Funde (Wagner I, 254) sind flavisch (Schüssel, Form Drag. 37) und
nicht clauöisch, wie Stähelin (Die Schweiz in röm. Zeit, 1931, 2. Ausl., 210, Fußnote 2)
anführt. Die römischen Funde, dabei gut erhaltenes Balkenwerk, lagen in einem Sumpf,
der nach meinen Beobachtungen bei umfangreichen Erdbewegungen im Spätsommer 1938
unzweifelhaft den Äberrest eines Altrheins darstellt, der zur römischen Zeit noch vor-
handen gewesen sein wird. Ich vermute, daß damals an der Fundstelle eine Drücke hinüber-
führte. Der Altrhein begann, wie ein Blick in das Gelände und auf die Karte unschwer
erkennen läßt, bei Weil, wo er die Wiese abfing und dann die Kander, den Feuerbach
und den Engebach aufnahm und sich bei Istein mit dem Hauptstrom vereinigte. Der
Krebsbach, der heute an der Fundstelle vorbeifließt und der oberhalb von Riehen noch
auf Lörrach-Stettener Gebiet von der Wiese abzweigt, ist nur noch ein kümmerlicher Rest
des alten Rheinarms.
2« Bad.Fber. 1938, 14, 20.
Bad.Fber. III, 1936, 378.
2^ Fritsch, Römische Gefäße aus Terra Sigillata von Riegel a.K., 1910.
2s Fritsch, Die Terra Sigillata-Funöe von Baden-Baden, 1910.
b" Ztschr. für die Gesch. des Oberrheins XXVI, 1911, 161 (Barthel, S. 130).
Bad. Heimat 1937. Der Afgau. BadenVBaöen in römischer Zeit, S. 100.
52 Anzeiger ^ür Elsässische Altertumskunde III, 1921, 1265/66.
»3 R.E. Bd. ^2, 2 (1925), Spalte 1783. Artikel „Legio".
 
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