Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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R. Gießler

Drahtenden gefertigt. Zur Herstellung des Hakens wurde der Bronzeöraht parallel
um- und zurückgebogen und der Draht abschließend in 3 Windungen um das Ring-
ende zurückgewickelt. In gleicher Technik ist auch die Öse gebildet, nur ist hier der
Draht nicht parallel, sondern schlaufenartig umgebogen.

Es handelt sich also in vor-
liegenden Fall um ein gesüdetes
Kriegergrab mit einer Wasfen-
und einer Schmuckbeigabe.
Ein aus Baden stammendes
Gegenstück zu dem Cisenspieß
ist ein Fund aus Meßkirch
(Amt Stockach; Abb. 3, a) st Die
Länge dieses Spießes beträgt
48,9 ein; an der Spitze ist das
Stück abgebrochen. Die Tülle
hat einen Durchmesser von
22 irrnr. Die Gesamtsorm
stimmt mit der des Ihringer
Stücks im wesentlichen über-
ein. Aber die Fundum-
stände ist nichts näheres be-


Abb. 2. Ihringen a.K. sts.

kannt. Die einzigen bislang er¬
wähnten und faßbaren Parallelen zu diesen beiden Stücken sind einige Funde vom
Nhdam Moor, die dem 4. Jahrhundert n.Chr. angehören st Die durch ihre auffällig
langgezogene Form gekennzeichneten Eisenspieße, die als Wurfspeerspitzen Ver-
wendung sanden, sind als Vorläufer des Ango des 6. Jahrhunderts aufzufassen.
Lindenschmit^ führt die Ausbildung dieser Wassenart, des Ango, aus den Einfluß
des römischen Pilums zurück, so daß unsere Fundstücke eine Art Zwischenglieder in
dieser Entwicklung darstellen. Auch Iahn^ begründet das Auftreten der langen
Tüllensorm mit der Äbernahme römischer Elemente. Eine 45 cnr lange, Pilum-
artige Wurfspeerspitze, die einem wandalischen Kriegergrab von Nohwitz (Schle-
sien) aus hem 1. Iahrh.n.Ehr. entstammt, ist Wohl das frühest belegte Vorkommen
dieses Wasfenthps bei den Germanen st Sind unsere beiden oben beschriebenen
Stücke als Äbergangs- bzw. Frühformen zu erkennen, so darf die Bezeichnung
„Frühango" für den durch sie charakterisierten Typ durchaus berechtigt erscheinen.
Für den Bronzehalsring gibt es ein in Art und Technik entsprechendes Pa-
rallelstück in dem goldenen Halsring aus den wandalischen Fürstengräbern von
Sackrau (Schlesien), der an das Ende des 3. Jahrhunderts n.Chr. datiert wirbst
Weiterhin erwähnt Behrens aus dem Grabfeld von Mariamünster bei Worms
einen Brvnzehalsring „mit tordiertem Reis und kurzer Drahtumwicklung", der da-
mit auch die wesentlichen Merkmale des Ihringer Stückes besitzt. Die gedrehte

2 Rach einer freundlichen Mitteilung von Herrn Dr. Garscha, Karlsruhe, dem ich
auch für die ^Überlassung der Abbildungsvorlage (Fotografie) bestens danke.
3 Dgl. C. Engelhardt, Rhdam Mosefunö, Kopenhagen 1865, Tast XI, Abb. 23,26,
27; S. Müller, Ordning af Danmarks Oldsager, I, Leipzig, 1888—95, Taf. XXVII, Abb. 423.
Vaterländische Altertümer der Fürst!. Hohenzollerschen Sammlungen in Sigmarin-
gen, Mainz 1860, S. 21 ff.
5 Die Bewaffnung der Germanen, Würzburg 1916, S. 88f.
° Dgl. Altschlesifche Blätter, 11, 1936, S. 186 ff.; Ernst Petersen, Der ostelbische Raum
als germanisches Kraftfeld, Leipzig 1939, S. 173.
Dgl. Dr. Grempler, Der II. und III. Fund von Sackrau, Berlin 1888, Dafel VII,
Abb. 10; G. Behrens in Mainzer Zeitschrift, XVII-XIX, 1921-24, S. 72.
« a.a.O. S. 70.
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