Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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F- Moog

Der Alamannenfriedhof von Wahlen (Amt Lörrach)
Von F. Moog, Grenzach
I. Lage des Friedhofs und Grabungsgeschichte.
Vor zwei Jahren gab ich in dieser Zeitschrift eine Zusammenstellung über die
topographische Lage der alamannischen Friedhöfe von Wyhlen und Grenzach.
Das Dorf Wyhlen hat auf seiner Gemarkung zwei getrenntliegende alamannische
Reihengräberfelder (Abb. 1). Der eine Friedhof liegt auf Flur „Baumgarten"
(Parzelle 150-151) auf einer schmalen Terrasse am Berghang, der andere im
Gewann „Steinboden" (Parzelle 2583-2588) auf einer alten Rheinterrasse in der
Ebene. Von beiden Gräberfeldern waren damals nur wenige Gräber bekannt, deren
Inventar und chronologische Stellung ich in dem genannten Aufsatz kurz erörterte.
Durch die rege Bautätigkeit im Gewann Steinboden und die damit zusammen-
hängende Zerstörung der Gräber erwuchs für die Ba¬
dische Denkmalpflege die dringende Rotwendigkeit, ret-
tend einzugreifen und die gefährdeten Zonen vorher
einer wissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen. Der
Friedhof im Gewann Steinboden wurde erstmals im No-
vember 1934 als solcher erkannt. Damals kamen beim
Neubau Tremmel an der Südwestecke der Flur einige
Gräber mit typischen merowingischen Beigaben zum
Vorschein. Da das Gelände als Bauland vorgesehen war
und eine Reihe von Bauplätzen bereits verkauft waren,
hat sich der Ausschuß für Ar- und Frühgeschichte in
Baden veranlaßt gesehen, beim Badischen Bezirksamt
Lörrach zu beantragen, daß künftighin ohne vorherige
archäologische ^Untersuchung keine Erdbewegungen mehr
stattfinden dürfen. Durch das verständnisvolle Entgegen-
kommen des Bürgermeisters H. Mutter von Wyhlen er-
hielt der Berfasser jedesmal vor Beginn der Bauarbeiten
durch das Bürgermeisteramt Nachricht. Es konnten so nach Mb. 1. Wyhlen. 1 : 20 000.
Rücksprache mit den betreffenden Bauherren und ohne
daß deren Arbeiten eine Verzögerung erfuhren, die Geländestreifen vorher auf
Gräber untersucht werden. Im Frühjahr 1935 wurde durch die Gemeinde Wyhlen
ein Wasserleitungsgraben Nord-Süd über das Gelände gezogen, wobei wiederum
7 Gräber angeschnitten wurden. Schon damals war die Denkmalpflege vor die
Notwendigkeit gestellt, durch eine Notgrabung einen größeren Geländestreifen in
dem gefährdeten Teil des Friedhofs zu untersuchen. Da aber das Bürgermeister-
amt Wyhlen versicherte, daß in absehbarer Zeit eine breite Straße im Westen quer
über das Gelände gebaut werden müsse, so konnte mit der Antersuchung bis zum
Beginn der Straßenarbeiten gewartet werden. Im Winter 1936/37 wurde beim
Fundamentgraben zu dem Neubau Schmid, aus Parzelle 2588, ein bereits früher
schon zerstörtes Grab gefunden. Die Knochen lagen wirr durcheinander; nach den
vielen Baumwurzeln zu schließen, muß das Grab beim Ausgraben einer Baum-
wurzel zerstört worden sein. Es handelte sich nach den Knochen um mindestens
2 Personen ohne Beigaben. Anfang März 1937 begann nun die Gemeinde Wyhlen


i Vad.Fber. 13, 1937, S. 119 ff.
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