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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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https://doi.org/10.11588/diglit.42536#0124

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120

F- Moog

selben Friedhof hat später Graf Wilhelm von Württemberg durch einen Beauf-
tragten weitergraben lassen und dabei ebenfalls Leichenbrand festgestellt. Der
amtliche Bericht erwähnt, „daß auf dem Grabe ein Haufen verbrannter Menschen-
knochen gelegen habe". Der Berichterstatter schließt aus dem Befund, daß der
Verbrannte ein Leibeigener oder Sklave war, der seinem Herrn im Tode nach-
folgen muhte. W. Beeck" jedoch deutet den Befund als später wieder benützte
Brandgräber, wodurch seiner Ansicht nach der Leichenbrand über die Skelettgräber
gekommen sein soll. Diese Deutung Beecks ist m. E. verfehlt; nach dem Befunde
von Whhlen glaube ich, daß die Deutung als Leichenfeuer richtig fein wird. Wichtig
scheint mir hier auch der Befund von Kirchheim u.Teck zu sein, wo nach den An-
gaben von Hölder" in allen Gräbern Aschen- und Kohlenschichten vorhanden ge-
wesen sein sollen. Nach einer freundlichen Mitteilung von H. Stoll fand sich auch
auf dem alamannischen Gräberfeld von Hailfingen" in Grab 577 in 80 cra
Tiefe über der Bestattung eine Herdstelle aus rotgebranntem Lehm mit Holzkohlen
und Tierknochen. M. E. stellen sowohl Kirchheim mT. als auch Hailfingen, sowie
teilweise auch Alm Parallelen zu dem Befunde von Whhlen dar, die darauf Hin-
weisen, daß Totenfeiern von rituellen Handlungen begleitet waren, und daß dabei
Feuer eine Nolle gespielt hat. Vielleicht dürfen wir in dieser Sitte eine Erinnerung
an den ehemaligen Ritus der Feuerbestattung erblicken, den die Alamannen nach-
weislich noch auf süddeutschem Boden ausgeübt haben. Interessant ist darauf hin-
zuweisen, daß noch in der späten Merowingerzeit Brandgräber neben Körper-
gräbern auf ein und demselben Friedhof Vorkommen. So lieferte der hessische Fried-
hof auf dem Trieb östlich von Gießen" außer Körperbestattungen auch Brand-
gräber mit Beigaben, die Beziehungen zum langobardischen Italien aufweisen und
somit sicher in das 7. Iahrhundert gehören. In Krefeld-Stratum" wurde
ebenfalls ein gemischt belegter fränkischer Friedhof festgestellt. Die Formen der
Brandgräber sind einfache Knochenlager, Brandgrubengräber, Brandschüttungs-
gräber und Arnengräber. Es fanden sich auch Äbergänge von Brand- zu Skelett-
gräbern, insofern als der Leichenbrand in großen Grabschächten verstreut lag. Beide
Arten der Bestattungen sind auf den angeführten Gräberfeldern gleichzeitig und
somit innerhalb einer Sippe üblich gewesen. Zeitlich fallen die Gräber von Krefeld-
Stratum itt das 5.-7. Iahrhundert. Auch der spätfränkische Friedhof von Walsum
(Kr.Dinslaken) hat neben Körpergräbern auch Brandbestattungen in Arnen ge-
liefert, woraus R. Stampfuß" auf ein zähes Festhalten an alten Sitten schließt.
Stampfuß hält es für möglich, daß die Brandbestattungen für einen neu zuströmen-
den Einfluß sprechen könnten. Der Friedhof von Walsum soll nach Stampfuß An-
tersuchungen kurz vor 700 angelegt und bis in den Ausgang des 8. Iahrhunderts
belegt worden fein.
Die anormale Lage der über der Brandschicht im Grab 26 von Whhlen ge-
legenen 5. Körperbestattung zu deuten, ist nicht leicht. Wenn man schon Totenopfer
in Form von Leibeigenen oder Dienern annehmen will, kann man m. E. daran den-
ken, daß auch hier ein solches Menschenopfer vorliegt. Vielleicht hat man den
" W. Beeck, Die Alamannen in Württemberg, Berlin 1933, S. 8; Germania 7, 1923,
S.89ff. (W. Beeck).
" Beiträge zur Ethnographie von Württemberg, in Heft 7 der Schriften des württ.
Alt.Ber. 1867, S. 22 ff.
" Noch unpubliziert, freunöl. Mitteilung von Dr. H. Stoll, Freiburg.
" Germania 18, 1934, S. 279 ff. (H. Zeih).
" Nachrichtenblatt für Deutsche Vorzeit, 13, 1937, S. 122 (A. Steeger).
-" Forschungen und Fortschritte 12, 1936. R. Stampfuß, Der spätfränkifche Sippen-
friedhof von Walsum, Leipzig 1939.
 
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