Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

Seite: 135
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Besprechungen

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Den Beschluß bildet S. 63ff. eine chronologische Zusammenstellung der im ersten
Abschnitt besprochenen, fest datierten Stücke. Es sei besonders darauf aufmerksam gemacht,
daß auch eine Reihe von Stücken badischer (meist nordbaöischer) Herkunft darunter sind.
Sie aufzuzählen, erübrigt sich. Wer sich mit der Geschichte und Entwicklung der provinzial-
römischen Plastik in unserem Gebiet befassen will, kann nicht an diesem Buch vorüber-
gehen, das eine wertvolle Grundlegung für weitere, ins einzelne dringende Forschung
darstellt. R. Rier Haus,
-b
Ernst Samesreuther, Römische Wasserleitungen in den Rheinlanden. Sonderabdruck
aus dem 26. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 1937. Berlin, Reichsverlags-
amt 1938. S. 24—157. 68 Abb. im Text, 12 Tafeln und 3 Karten.
Einleitend bemerkt der Berf. mit Recht, man dürfe sich keine allzu großartigen Bor-
stellungen von den römischen Wasserleitungen auf deutschem Boden machen. Wasser-
leitungsbauten großen Stils, wie wir sie aus den Mittelmeerländern kennen, fehlen- in
Deutschland annähernd ganz, wohl in erster Linie aus klimatischen Gründen. Die Frost-
gefahr unseres nordischen Klimas zwang fast ausschließlich dazu, die Leitungen unter-
irdisch zu legen. Daher kommt es Wohl auch, daß bisher noch keine Wasserleitung vom
Austritt des Wassers aus dem Boden bis zum Derteilerbecken restlos erforscht und zeich-
nerisch ausgenommen wurde. Die in der Literatur vorliegenden lückenhaften Ausnahmen
sind zudem technisch meist unzulänglich. So beschränkt sich S. darauf, die gesamten in der
Literatur bekanntgewordenen Angaben über Wasserleitungen — behandelt werden nur
die Frischwasserleitungen — und die in den Museen aufbewahrten Zubehörteile zu sammeln
und zu besprechen. Herangezogen sind außer den rheinischen Leitungen auch diejenigen
des württembergisch-bayrischen Donaugebietes. Den Hauptteil der Arbeit bildet (S. 26—135)
ein alphabetisch nach Ortschaften angelegter Katalog der Wasserleitungen mit sorgfältigen
Beschreibungen der bisher gemachten Befunde, unterstützt durch zahlreiche Profilzeich-
nungen, Planskizzen, Ausschnitte aus Meßtischblättern und Photographien. Sachlich in-
teressieren am meisten die großen Wasserleitungen der Rheinprovinz und Rheinhessens
(Ruwerleitung nach Trier; Eifelleitung in die Rähe von Köln und nach Köln; Mainzer
Leitung usw.)> bei denen in beschränktem Maße oberirdische Äbersührungen auf Bogen-
stellungen Vorkommen. Die Leitungen aus Baden, die sämtlich ohne großen Belang sind,
seien kurz angeführt (unter stillschweigender Verbesserung der Bezirksämter): Baden-
Baden S. 33; Bauschlott, A.Pforzheim S. 34; Bretten, A.Karlsruhe S. 42; Heidelberg
S. 62f.; Hhringen, A.Freiburg S. 65; Kastell Neckarburken, A.Mosbach S. 89; Obergrom-
bach, A.Bruchsal S. 92; Kastell Oberscheidental, A.Buchen S. 93; Pforzheim S. 94; Kastell
Schlossau, A.Buchen S. 103; Staufen, A.Müllheim S. 106.
In den Ergebnissen (S. 136—151) werden technische Einzelheiten besprochen, darunter
die Ausführung der verschiedenen Leitungsarten, wie Kanalleitungen und Ton-, Blei- und
Holzrchrleitungen, ferner die Frage, ob neben den reinen Fliehwasserleitungen, die immer
auf das erforderliche Gefälle des Wasserspiegels angewiesen sind, auf deutschem Boden
auch Druckwasserleitungen Vorkommen, die nach dem Prinzip der kommunizierenden Röh-
ren funktionieren. (Hm Mittelmeergebiet, besonders im hellenistischen Osten, sind Druck-
wasserleitungen nachgewiesen.) Die Frage läßt sich z. Z. noch nicht entscheiden.
Die auch für den in technischen Dingen weniger bewanderten Leser klar geschriebene
Arbeit wird hoffentlich dazu anregen, in Zukunft auch auf die technische Hinterlassenschaft
der Römer in Deutschland größere Aufmerksamkeit zu richten, als es bisher leider oft
geschehen ist. R. Rierhaus.
4-
Die Argeschichtsforschung und ihre historische Entwicklung in den Kulturstaaten der
Erde; herausgegeben von K. H. Hacob-Friesen. I:
Hans Gummel, Iorschungsgeschichte in Deutschland. 4 Textabb., 16 Tafeln, 483 S.
Berlin, W. de Gruyter. 1938. Pxeis RM. 20.—.
Eine Lebensbeschreibung, vollends eine Autobiographie spiegelt die Wesensart eines
Menschen, wie er sich in seinem Werdegang, in seinen Werken wie in seiner Auseinander-
setzung mit der Amwelt ausdrückt. Ansere Wissenschaft, die eben ihrer selbst mächtig und
bewuht geworden und im Begriff ist, nun die zuständigen organisatorischen und geistigen
Formen zu finden, begrüßt daher das Unternehmen von K. H. Jacob-Friesen und greift
mit größten Erwartungen nach dem vorliegenden ersten Band von H. Gummel über die
Forschungsgeschichte in Deutschland. Hn einzelnen deutschen Ländern ist hin und wieder
schon die Entwicklung der Argeschichtsforschung im ganz,en oder an einzelnen Persönlich-
keiten verfolgt worden; hier aber wird diese Enge überwunden. Das bedeutet um so mehr,
als unser Fach weder über ein Handbuch verfügt noch über ein Reichsinstitut. Am den
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