Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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Besprechungen

z. B. ich die „Bronzezeit in Württemberg" bearbeiten sollte, reduzierte sich diese Flä-
chenangabe auf einige Quadratkilometer der Alb, — denn von dorther stammte fast alles,
was als württembergische Bronzezeit bekannt,war. Funde und Vorarbeiten lagen daher
in großer Menge über Geologie nnd Vorgeschichte vor (R. R. Schmidt, Peters, Riek,
Kraft, Bittet, Paret, Beeck; zur Besiedlung ferner Stoll, Eith, Dreeg, Müller u. a.);
nicht aufgearbeitet ist bis jetzt das überreiche prächtige Fundmaterial der Albhallstatt.
Es mußte locken, nunmehr einen zusammenfafsenden Äberblick über Land und Vorge-
schichte zu geben, zumal der Verfasser durch eigene ergebnisreiche Studien im Gelände,
an der Töpferei, am Grabbau Wohl vorbereitet war, und sich Gößler's Rat erfreuen
durfte.
Rieth hat diese Aufgabe gut gelöst und unter vorsichtiger und behutsamer Benützung
der Vorarbeiten eine gut lesbare, nusgezeichnet illustrierte Darstellung des Gesamt-
gebiets von Land und Rasse durch die einzelnen Perioden -hindurch bis zu den Alamannen
gegeben. Behandelt ist nur die ^mittlere Alb; die Südwestalb hatte vorher schon
H. Stoll ausgenommen (im Druck), für die Ostalb mag man F. Hertlein, Altertümer des
Oberamts Heidenheim, einfehen. Der Grund für die Dünne der neolithischen und die
Dichte der hallstattzeitlichen Besiedlung liegt im Feuchterwerden des Klimas nach der
Jungsteinzeit. Die Sieölungsöünne der Latenezeit wird auf kriegerische Auseinander-
setzungen mit einem Latenestamm imNeckarlanö zurückgeführt, der auf die „kargen Hoch-
weiden der mittleren Alb" verzichtete (diese Zeit war aber niederschlagsreich!).
Erst eine solche Übersicht läßt.aber auch den Ortskenner richtig verstehen, was an
Material und an Problemen vorliegt. Je mehr vorgearbeitet ist, um so leichter ist die
Äbersicht; da z. B. ein Katalog der Hallstattfunde noch fehlt, sind hier Unsicherheiten zu
bemerken (Grab mit fußförmigem Anhänger ,Abb. 92B 4 auf S. 10-3 „späte Hallstattzeit",
S. 160: Frühlatanezeit. Der Abschnitt „Schmuck" S. 93 ist unklar; z. B. Hügel 20 ist nicht
Abb. 37 a, sondern 37b; Hügel 8 ist auf Abb. 37a nicht verzeichnet; die Zusammengehörig-
keit von Bogenfibel und Keramik in Zainingen ist ganz unsicher, und wo sind die „Kahn-
fibeln (wie Zainingen)"? S. 103 werden Fibeln Hal) zugeschrieben, S. 140 gesagt, daß
Abb. 91 und 92 — beide mit Fibeln — die Eigenart von Ha L und l) zeigen. Auch stört
es, daß Ha 6 S. 149 „Spätbronze-", S. 245 (Zwiefaltendorf) „ältere Hallstattzeit" ge-
nannt ist. Sollten die Schalenprofile S. 139 nicht zum Teil Latene sein? Aber solche und
andere Fragen setzen die monographische Verarbeitung des Stoffs voraus, die in einer
solchen Äbersicht nicht geleistet werden konnte. Daß die Grabkeramik — S. 81 — nicht bloß
Feinkeramik der Siedlungen sei, sondern allgemein „stark" von der Sieölungskeramik ab-
wiche, ist auf Grund meiner Grabung auf der Haid (und neuerdings der Funde vom
Mägdeberg) nicht richtig.
In der eigentlichen Siedlungsforschung tut R. keinen entscheidenden Schritt nach
vorwärts. Der Kalktuffbildung in den Tälern ist er inzwischen weiter nachgegangen
(Maunus 30, 1938, 562ff.; besonders Ha und alt. LT), nicht dagegen bisher den Sieö-
lungsstellen, die zu den Hügelgräbern — mindestens der Hallstattzeit — gehören müssen,
weder planmäßig absuchend (wie Stoll) noch mit Ausgrabungen (meins wchürfung auf
der Haid von 1925 ist immer noch ohne Nachfolge!); letztere gehen auch über die Kräfte
eines Einzelnen weit hinaus und find Aufgabe eines Instituts oder Landesamts. Auch die
Inventarisation der Grabhügel hätte mindestens dort, wo Steiner nicht vorgearbeitet hat,
ergänzt werden können. Äber die Lags der Siedlungen ist nichts Genaueres ausgesagt;
das Mesolithikum steht im ganzen noch aus. Änbefrieöigenö ist auch die Stellung zu den
Klimaperioden. Wenn man schon den Begriff „atlantisch" gebraucht (33), kann man ihn
nicht über Spätneolithikum und Bronzezeit Hinwegreichen und in der Hallstattzeit seinen
Höhepunkt erreichen lassen; dann liebsr ganz auf diese Terminologie verzichten! Auf den
Karten, die einen guten Äberblick geben, ist es so gut wie unmöglich, die einzelnen Ort-
schaften zu identifizieren. Das Ortsverzeichnis ist lückenhaft (z. B. zu „Hönau 47, 77,
165" noch: 218, 222, 242, 248). Druckfehler sind nicht selten, z. B. S. 93 Nagelhalter statt
Nadelhalter; S. 105: 5 statt 6.
Diese Bemerkungen, die mgn noch um viele Fragen vermehren könnte, zeigen, wie
groß und fruchtbar diese Aufgabe ist; Rieth's Äbersicht gibt einen Querschnitt durch unser
Wissen und regt, hoffen wir, zu planmäßigen Forschungen an. G. K.
Wandbilder für den Schulgebrauch.
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1. Handwerk der Germanen. Achtfarbiges Bild nach Originalen von Jung-Jlsenheim,
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2. Edle Germanen (Alamannen, 6. Jahrhundert). Nach W. Petersen, im Format
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