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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0024

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22

Fundschau

die Germanen seien Nomaden gewesen. Dann die Frage: „Wo lag von Ariovist's Zeit
bis zu den Alamannenkriegen östlich vom Oberrhein die Volksgrenze zwischen Germanen
und Kelten?" Bisher hatte man angenommen, daß die volklichen Zustände seit Nriovist
und Caesar im wesentlichen gleich geblieben waren, so daß die Wohnsitze der Stämme, die
Tacitus und Ptolemaeus später nennen, auch sür die Frühzeit Geltung hätten. Demgegen-
über scheint es Arbeitsgrundlage von Steche zu sein, daß jeder Schriftsteller eine erschöp-
fende Beschreibung der Zustände zu seiner Zeit — und nur für diese — gibt: daraus fol-
gert er u. a., daß die Wohnsitze der Stämme (Triboker, Aemeter u. a.) noch im 1. und
2. Jahrhundert n. Chr. starke Veränderungen erlitten. Die Bodenfunde werden nur fall-
weise herangezogen. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden 12.
Das Werk von H. Nesselhauf wird unter „Alamannisch-fränkische Zeit" erörtert.
Bettingen (Tauberbischofsheim). Im Sandgrubengelände im Gewann „Strick"
1,1 km VO, fand R. Klüpfel im Februar 1939 ein germanisches Brandgrab der Spät-
latenezeit. Professor Wahle ermittelte durch Vachfrage, daß in den benachbarten Sand-
gruben in früheren Jahren mindestens 4 gleichartige Gräber zerstört worden waren
Im November 1939 untersuchte das Landesamt für Ar- und Frühgeschichte eine Fläche
von ca. 60 gm, wobei ein weiteres Grab gefunden wurde.
Grab 1 (Februar 1939): a) zusammengebogenes Schwert, b) Lanze, c) bandförmiger
Schildbuckel.
Gr ab 2 (November 1939): a) Schüssel mit eingezogenem Rand, darin b) Eisenfibel vom
Mittellatcne-Schema, c) Eisenfibel vom Spätlatene-Schema, ci) Reste eines dünnen Bronze-
kettchens, c) Leichenbrand.
Von früheren Funden konnten noch einige Glieder einer Bronzegürtelkette beigebracht
werden. Die Gräber sind kurz vor Beginn der Zeitrechnung anzusehen (Dauber).
Sandhofen (Mannheim). Nördlich des Ortes wurden in dein für die Anlage des
Fahrdammes der Reichsautobahn abgeöeckten Gelände westlich der „verlängerten Aus-
gasse" von Herrn K. Hormuth im Herbst nicht weit vom alten Rheinuferrand römische
Scherben gefunden, die ihn zur Nachforschung veranlaßten. So kam er auf römische
Mauern, die tiefer hinuntergingen und schließlich einen Keller ergaben. Dieser wurde
dann vom 18. bis 22. 12. vom Schloßmuseum freigelegt: die Maße betragen 3,73 auf
3,37 m; auf der Südseite liegt ein Lichtschacht, der von 1,78 m unten sich nach oben auf
0,75 in verengt, während auf den 3 anderen Seiten die sehr sorgfältig mit Fugenstrich
versehenen Wände gerade hochgehen: auf der W-Seite liegt der Eingang, ohne Stufen
herunterführend zur Tür, für deren Holzgewände Falzlücken in den Wänden und die
große Steinschwelle mit den entsprechenden Einarbeitungen noch vorhanden waren. Nicht
weit unter der Oberfläche lagen, im Einfüllschutt später versenkt, 3 große Steinblöcke, von
denen einer eine Einarbeitung für einen Pfosten aufwies. Sonst enthielt der Schutt neben
vielen Ziegelstücken und Holzkohlen und Scherben eine Anzahl gugerichteter Handquader.
An der O-Seite läuft auf dem Boden eine Bank von 60 am Breite aus Hausteinen durch,
deren unregelmäßige Oberfläche Wohl auf einen Holzbelag schließen läßt. Eine Äber-
raschung bildete an der N-Wand der Fund eines Skeletts auf einer 20—30 cm starken
Schuttschicht über dem Boden gebettet.
Wenige Meter nach Osten zu führte eine von K. Hormuth angeschnittene Ziegelschot-
terschicht in die Tiefe und ergab eine Anzahl zusammenhängender Grubenvertiefungen,
aus denen sich 2 rechteckig mit je einem Pfostenloch auf den Schmalseiten herausschälten,
Neben reichlichen Scherbenfunden kamen auch ein paar fast ganze Töpfe heraus, so daß
der ganze Formenbestand bei den Bewohnern anschaulich wird, und eine Mittelbronzs
des Marcus Aurelius. Die einsetzende Kälte zwang vor den Weihnachtsfeiertagen zum
Abbruch der Grabung (Gropengießer).
Wallstadt (Mannheim). 1.) Nördlich des Dorfes fanden am Waldrand im Mürz
größere Erdbewegungen zur Einebnung des Dünengelänbes statt. Dabei kamen im süd-
Wenn er (S. 426, ebenso in „Altgermanien im Erdkundebuch des Claudius Ptole-
mäus". 1937, 46 f.) die A b n o b a - Berge vom Odenwald an sich nach Norden erstrecken
läßt, so stehen dem die Altäre von Badenweiler und Mühlenbach entgegen. — T a r o-
dunum würde im Gebiet der Rauriker liegen.
 
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