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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0052

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P. H. Stemmermann und C. Koch

Hainsbachtal und dem Siebenmühlental liegt. Dort sind noch heute umfangreiche
Aufschüttungen und Vertiefungen zu sehen. Da Schmidt zu Beginn der Grabung
noch nicht beigezogen war, von Wippermann jedoch keine Aufzeichnungen vorhan-
den sind, ist es heute unmöglich festzustellen, welche der Aufwürfe etwa zur alten
Toranlage gehören und welche von der Grabung herstammen. Wir wissen nur, daß
man damals vergeblich Torkammern wie bei L, dem südlichen Tor im in-
neren Wall, suchte.
Zugleich setzte man beim eben erwähnten Tor L den Spaten an und fand hier
eine Torkonstruktion, deren Steine durch Mörtel verbunden und verputzt war.
Wippermann schloß aus diesem Befund mit Recht, daß diese „Torkammern" aus
dem Mittelalter stammten. Ein Grundriß und ein Aufriß dieser Stelle mit Maß-
angaben sind bei Wagner a.a.O. S. 271 wiedergegeben und danach hier abgebildet
(Abb. 4). Wippermann hielt die gemauerten Teile für Torkammern, doch muh in
Betracht gezogen werden, daß die Mauerungen auch Reste von Torbauten sein
könnten. Sie stammen aus karolingischer Zeit, was in den gesamtgeschichtlichen Be-
fund durchaus paßt. Anschließend legte man ein größeres Stück der noch gut er-
haltenen Mauer bei L frei. Man machte hier auch zwei Schnitte, den einen beim
Aussichtsturm, den andern südwestlich vom Heidenloch. Hier spricht Wippermann
einmal von einem Tor. Da dieses aber später nie mehr erwähnt wird, muß man
annehmen, daß das unweit gelegene Tor L gemeint ist oder daß es sich um einen
zeitweiligen Irrtum von Wippermann handelte. Die freigelegte Mauer hielt Wip-
permann wegen der gemauerten Tore für mittelalterlich. Erst im Herbst desselben
Iahres stellte Schmidt ihr wirkliches vorgeschichtliches Alter fest. Vor Abschluß der
Grabung wurde noch das zweite südliche Tor im äußeren Ringwall
gesucht und nach kurzer Zeit bei gesunden. Im wesentlichen dienten also Wip-
permanns Ausgrabungen der genauen Festlegung der Tore, die man bisher nur
auf Grund des Oberflächenbefundes vermuten konnte.
War somit das Äußere der Anlage einigermaßen geklärt, so wandte sich Ernst
Schmidt mit seiner Untersuchung hauptsächlich deren Innerem und der Mauerkon-
struktion zu. Er grub vom 1. bis 11. September mit ein bis drei Arbeitern. Die
Kräfte wurden bei dieser — an sich schon kleinen — Grabung noch dadurch zer-
splittert, daß man insgesamt an sieben Stellen arbeitete. Zur Bearbeitung dieser
Ausgrabung standen dem Verfasser zur Verfügung:
1. Das Grabungstagebuch Schmidts, das jeden Abend nach Beendigung der
Arbeiten eingetragen wurde,
2. ein Skizzenbuch mit an Ort und Stelle eingetragenen Notizen und Plänen, die
sich mit denen des Tagebuchs im wesentlichen decken,
3. das Manuskript zu einem von Schmidt sofort anschließend an die Grabung ge-
haltenen Vortrag vor der Versammlung des Gesamtverbands der deutschen
Geschichts- und Altertumsvereine im Iahre 1927,
4. der auszugsweise Abdruck dieses Vortrages im „Korrespondenzblatt des Ge-
samtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine" 1927, Seite 42.
5. ein kurzer Bericht von Schmidt im „Neuen Archiv für die Geschichte der Stadt
Heidelberg" 1927, Seite 127 ff.,
6. ein Bericht E. Schmidt im „Heidelberger Tageblatt" vom 21. September 1927.
4. und 5. decken sich inhaltlich meistens. Aus diesen Quellen ist der folgende Gra-
bungsbericht zusammengestellt.
Schmidt legte etwas nördlich vom Tor E einen Schnitt durch den Wall (Abb. 3)
und stieß nach kurzer Zeit auf das Fundament einer Mauer. Diese konnte
vier Meter weit freigelegt werden. Es zeigen sich Lagen von zwei bis sieben Stei-
 
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