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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0085

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Der Heilige Berg bei Heidelberg

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und ein Abrutschen der Mauer am Hang verhindern sollte. Nicht nur dicht hinter
der Mauer, sondern in dem ganzen umschlossenen Raum haben wir uns zahlreiche
Hütten vorzustellen, die der Bevölkerung in Notzeiten als Wohnung dienten. Der
Bitterbrunnen, der von der äußeren Mauer noch mit umschlossen wird, stellte die
Wasserversorgung der Anlage zum Teil sicher. Die Hauptzisterne haben wir je-
doch aller Wahrscheinlichkeit nach innerhalb des inneren Ringwalls auf der vor-
deren Kuppe anzunehmen. Das heute sogenannte Heidenloch erstreckte sich 56 m
in den gewachsenen Fels hinein in die Tiefe.
Fragen wir uns, welcher keltische Stamm die Ringwälle auf dem Heiligen Berg
angelegt hat, so kommen hierfür nur die Helvetie.rAn Betracht, die bis nach der
letzten Jahrhundertwende die Oberrheinebene bis in die Gegend von Mainz be-
siedelten. Nachdem schon vorher ein Teil von ihnen — und zwar wahrscheinlich die
in unserer Gegend ansässigen Stämme — mit den um 110 durchwandernden Kim-
bern und Teutonen weggezogen war, wich schließlich der ganze Stamm dem Druck
der von Norden herandrängenden Sweben und wurde schließlich von Caesar in der
heutigen Schweiz angesiedelt. Der Amstand, daß Scherben der späten germanischen
Latenezeit auf dem Heiligen Berg ganz fehlen, Paßt gut in dies Gesamtbild und
läßt vermuten, daß der Berg im letzten Jahrhundert, als die Sweben im Lande
Herr geworden waren, als Festung keine Bedeutung mehr hatte. Doch damit ist
seine Geschichte keineswegs zu Ende. Er war ja immer — wie sein Name uns heute
noch sagt - mehr heiliger Berg als Festung. Neben die Verehrung des Keltengottes
Visucius hatten die Kimbern die ihres Wodan gesetzt, der uns als Mercurius Cim-
brianus noch während der römischen Zeit entgegentritt. Als nach dem Abzug der
Helvetier die Sweben sich in der Oberrheinebene ausbreiteten und diese bis gegen
Schlettstadt hin in Besitz nahmen, blieb die Verehrung Wodans auf dem Heiligen
Berg bestehen, wenngleich ihr Wohl damals nicht mehr die zentrale Bedeutung zu-
kam, da die Sweben als Ziuverehrer ihren Stammesgott eher in der üblichen
Weise in einem heiligen Haine in der Ebene verehrten. Hierin ist auch der Grund
zu suchen, weshalb Wodan als „kimbrifcher" und nicht etwa als „swebifcher"
Mercur bezeichnet wurde.
Bedeutende Spuren hat — wie oft in unserer Heimat — die Zeit der Besetzung
des Landes durch die Römer hinterlassen. Zwar sind Grundmauern der kleinen
Tempel, die einst sicher auf der Höhe des Berges standen, bis heute nicht gefunden
worden. Aus den Inschriften lassen sich jedoch zumindest 4 derartige Heiligtümer,
zwischen denen sich noch einige Standbilder des Gottes erhoben, ermitteln. Aber
dem ganzen Bezirk ragte die Säule des Iupiter Optimus Maximus, des höchsten
Staatgottes des römischen Imperiums aus. Zahlreiche Ziegel mit Legionsstempeln
lassen vielleicht auch ein Bauwerk militärischen Charakters auf der oberen Kuppe
vermuten. Beachtenswert ist, daß die Römerstraße von Speyer-Hockenheim nach
Heidelberg genau auf die obere Bergeskuppe ausgerichtet ist. Ob man in dem
quadratischen Mauerwerk in der Nähe des Aussichtsturmes das Fundament eines
römischen Turmes vor sich hat, oder das eines kleinen Tempels, bleibt unsicher,
doch sprechen für die letztere Annahme die geringen Ausmaße des Mauerwerks von
4,60 ra zu 4,60 ni. Die Römer vermauerten im Heidenloch, das also auch ihnen als
Brunnen diente, den Boden und die Spalten, um den infolge des trockener wer-
denden Klimas versiegenden Brunnen gebrauchsfähig zu erhalten.
C. Schmidt bezeichnet auch den unteren der beiden sogenannten Querwälle,
welche die Höhe des Berges gegen die vordere Kuppe hin abschließen, als römer-
zeitlich. Diese Datierung fußt auf dem Fund eines römerzeitlichen Scherbens, der
unmittelbar über dem gewachsenen Boden auf der Sohle des „Grabens" lag. Dies
 
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