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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0106

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104

R. Rierhaus

Die ältesten Spuren vorgeschichtlicher Besiedlung reichen auf dem Münsterberg
nur bis in die Arnenfelderzeit (ca. 1200—852 v. Ehr.) zurück. Die Menschen dieser
Periode hinterliehen allerdings überreiche Kulturreste an Gruben und Gefäß-
scherben. Kein einziger Ausschluß aus dem Münsterberg ist mir bekannt, der nicht
Funde der Arnenselderzeit geliefert hätte. Besonders bemerkenswert sind die oben
S. 99 s. und S. 101s. mit den Abbildungen 4 und 5 beschriebenen mächtigen, nach
Norden einsallenden Kulturschichten in der Radbrunnenstrahe und Schlohplatzstrahe.
Leider läßt sich infolge der Bebauung des Münsterbergs in mittelalterlicher Zeit
nicht mehr ausmachen, ob die beiden Befunde ursprünglich unmittelbar miteinan-
der zusammenhingen; ihre Äbereinstimmung ist so groß, daß man es annehmen
möchte. Ferner bleibt fraglich, ob die Eintiefung des Arnenfelderhorizonts künstlich
ist, oder ob eine natürliche Senke der Bergoberfläche die Arnenfelderleute zur An-
siedlung, geschützt vor Wind und Wetter, lockte. Für die Radbrunnenstraße wurde
oben S. 100 wahrscheinlich gemacht, daß die Bergoberfläche infolge der starken Zer-
klüftung des Felsens ursprünglich eine natürliche Senke bildete. Für die Schloßplatz-
strahe ließen sich Anhaltspunkte nicht gewinnen. Jedenfalls ist sicher, daß der tiefe
Horizont nicht, wie vorübergehend während der Grabung vermutet wurde, ein Ab-
schnittsgraben einer urnenfelderzeitlichen Befestigung war. Dafür war die Bösch-
ung in der Radbrunnenstraße zu flach; ferner war die Anterkante des Kulturhori-
zontes in der Radbrunnenstrahe sicher und, nach dem Befund an der Südböschung
des inneren spätrömischen Kastellgrabens zu schließen, auch in der Schlohplatzstrahe
auf mehrere Meter fast waagerecht. Außerdem fehlte der tiefe Horizont in der
Kettengasse, wo der Fels seine Bildung verhinderte. Endlich kommen zahlreiche
urnenfelderzeitliche Siedlungsreste sowohl nördlich der Senke in der Pforrgasse
und Klostergasse, als auch südlich der Senke in der Kettengasse, Radbrunnenstrahe,
Schlohplatzstrahe und Tullagasse vor, so daß die Senke kaum hätte als Abschnitts-
graben wirken können. Vielmehr wird man die Senke durchweg als eine natürliche
Bildung, bedingt durch die Zerklüftung des Felsens, anzusprechen haben. Nach den
bisherigen Beobachtungen wird ferner der ganze Münsterberg" als Siedlungs-
fläche einer größeren urnerrfelderzeitlichen Höhensiedlung gedient haben, ähnlich
derjenigen auf dem Burgberg bei Burkheim am Kaiferstuhl (Krs. Freiburg)".
Die steil abfallenden Hänge des Münsterbergs boten der Siedlung genügend Schutz,
so daß das Fehlen von urnenfelderzeitlichen Befestigungsanlagen nicht weiter er-
staunlich ist.
Eine einzigartige und bis jetzt noch nicht befriedigend zu deutende Erscheinung
ist die verhältnismäßig schnelle Auffüllung des Arnenfelderniveaus mit brauner,
humoser Erde und darüber mit verfärbtem Löh. Die einzelnen Phasen der Auf-
füllung lassen sich besonders in der Schlohplatzstrahe noch leidlich verfolgen (vgl.
oben S. 101 f. und Abb. 5). Zn verhältnismäßig kurzer Zeit muh die einheitliche
Schicht ck von der Trichtergrube k, bezw. von der auf einer ziemlich hohen Gefälle-
stufe gelegenen Feuerstelle e bis zum Wohnhorizont g in den Boden gekommen sein.
Zwischen dem Abschluß dieses Vorgangs und dem Beginn der Auffüllung des ver-
färbten Lösses b mußte soviel Zeit verstreichen, wie zur Entstehung des Wohnhori-
zontes Z notwendig war. Wielcmge endlich die Auffüllung des verfärbten, von
Schlieren durchzogenen Lösses b gedauert hat, läßt sich an Hand seiner Beschaffen-
heit nicht sagen. Jedenfalls muh die Auffüllung von b spätestens in der Späthall-
" Anter „Münsterberg" verstehe ich hier und im Folgenden die gesamte Erhebung,
auf der die heutige Oberstadt von Breisach liegt. Die Breisacher selbst pflegen als Münster-
berg im großen und ganzen nur die Südhälste der Erhebung mit dem Münster und dem
Rathaus zu bezeichnen; doch schwankt der Sprachgebrauch auch in Breisach durchaus.
" Vgl. K. H. Wagner, Bad. Fdber. III, 1933, 39-42.
 
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