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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0123

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Neue Arbeiten zur Frühgeschichte der Alamannen

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nach der sozialen Stellung der darin Bestatteten zu trennen. In mehreren Reihen
liegen auf der Höhe des Hügels fast sämtliche Gräber mit reichen Beigaben, vor
allem fast alle Waffengräber, während sich am Abhang ein großer Armenfriedhof
mit wenig Beigaben ausbreitet.
Anter den Beigaben, die der Verfasser auf 30 Tafeln vorführt, find zunächst
die zahlreich gefundenen Perlenketten hervorzuheben. Aus diesen eine chronolo-
gische Reihe zufammenzustellen, wurde versucht, ohne jedoch über die grobe Ein-
teilung in frühe und späte Typen der Glas- und Bernsteinperlen hinauszukommen,
wie sie schon Beeck herausgestellt hatte«. Eine feinere Ausgliederung ist anscheinend
bei dieser Gattung von Schmucksachen nicht möglich. Wichtig ist dagegen die ge-
naue Beobachtung ungestörter Perlenketten in mehreren Gräbern, darunter einer
Kette mit goldenen Anhängern. Die vollkommen unsymmetrische Anordnung der
Perlen ist dabei beachtenswert. Fibeln wurden verhältnismäßig wenige gesunden,
weil Hailsingen eine rein bäuerliche Siedlung abseits der Handelswege war und
zudem viele Frauengräber des Schmuckes beraubt waren. Aus Grab 367 liegt eine
eigenartige Rundsibel mit eingepunzter Darstellung dreier Männer vor, offensicht-
lich ein germanisches Kunsterzeugnis, dessen Deutung unsicher ist. Bon den im
7. Iahrh. gebräuchlichen großen Zierscheiben aus Bronze wurden in Hailsingen
fünf gefunden. Cs konnte beobachtet werden, daß sie auf Täschchen, meist aus Leder,
ausgenäht waren, also nicht frei an einem Band vom Gürtel herabhingen, wie dies
sonst angenommen wird. In zwei Männergräbern lagen Feinwaagen aus Bronze,
davon die eine, in Grab 447, sehr gut erhalten war. Ein nicht alltäglicher Fund
ist der Trinkhornbeschlag aus einem Männergrab des 6. Iahrh. (Grab 4l l). Be-
achtenswert sind weiterhin die kupferne Wangenplatte der Schwertscheide aus
Grab 550, die in germanischem Tierstil.verziert ist und der ähnlich verzierte
Bronzeknauf der Spatha aus Grab 21. In den Männergräbern wurden häufig
am Gürtel Werkzeugtaschen mit verschiedenartigen eisernen Werkzeugen gefunden.
Die letzteren waren in dem trockenen Boden des Hailfinger Gräberfeldes oft gut
erhalten, so z. B. eine sauber gehauene Feile in Grab 407. Anter den zahlreichen
Kurzschwertern der Bölkerwanderungszeit kommt gelegentlich als große Seltenheit
ein Sax mit verzierter Klinge vor. Manche mögen noch, von Rost verdeckt, un-
erkannt in einem Museum liegen, wie dies lange Zeit bei dem Sax aus dem reichen
Männergrab 14 von Hintschingen, Ldkr. Donaueschingen, der Fall war; I. Werner
hat ihn mit dem ganzen Grabzusammenhang veröffentlicht und eine Datierung
dieser Waffen gegeben«. In Hailsingen konnten vier reich verzierte Sape in ge-
sichertem Grabzusammenhang geborgen werden. Die Verzierung in spätem Tier-
stil H bedeckt beide Seiten der Klinge der Länge nach. Aus dem Sap aus Grab 381
war auf einer Seite außer der Verzierung eine Folge von 11 Runen eingeschnitten.
Sie wurde von E. Moltke und G. Neckel als zusammenhanglose Reihe von Schrift-
zeichen, wahrscheinlich magischer Bedeutung, erklärt ü Hinsichtlich der Ergebnisse
für die Chronologie der Völkerwanderungszeit aus den Gräberfeldern von Hail-
singen stehen wegen der Armut an Schmuckbeigaben die Waffen an erster Stelle.
In eine klare Cntwicklungsreihe ließen sich die Schildbuckel bringen. Die Reihe
schließt an den Stangenschildbuckel der späteren Kaiserzeit an« und endet mit der
ö W. Beeck, Die Alamannen in Württemberg. Germ.. Denlm. d. Völkerwdzt., Bd. I,
1931, S. 51.
« I. Werner, Münzdatierte australische Grabfunde. Germ. Denkm. ö. Bölkerwdzt.
Bd. III, 1935, S. 101 u. Tas. 31,5b.
? E. Moltke und G. Neckel, Ein alamannischer Sax mit Runen. Germania 18,1934, 36ff.
« M. Jahn, Die Bewaffnung der Germanen in der älteren Eisenzeit, Mannus-Bibl. 16,
1916, Das. III, 7a u. b.
 
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