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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0127

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Neue Arbeiten zur Frühgeschichte der Alamannen

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Zahlenverhältnis der Einwohnerschaft einer kleinen Siedlung vor uns. An wichti-
gen Funden ist wenig zu nennen. In Steinplattengrab 6 war wegen der Trocken-
heit des Bodens der Bart des darin bestatteten Mannes erhalten geblieben. Die
Beigaben waren sowohl in Männer- wie in Frauengräbern gering. An Schmuck
wurden nur ein paar Ketten aus einfachen Glasperlen, dünne Ohrringe, ein hohler
Bronzearmring einer im alamannischen Gebiet seltenen Form 2° und glatte Bronze-
riemenzungen gesunden. Dazu kommen die üblichen eisernen Gürtelbeschläge, eiserne
Messer und Waffen. Sämtliche Beigaben gehören der fpätmerowingifchen Zeit an.
Die unten gegebene Datierung der Gräberfelder bei den anderen -stetten-Orten
macht es sehr wahrscheinlich, daß auch das Gräberfeld von Lörrach-Stetten der
2. Hälfte des 7. Iahrh. angehört.
Der durchlässige Schotterboden von Lörrach-Stetten war der Erhaltung von
Holz wenig günstig, so däh über Bestattungsarten hier nicht viel gesagt werden
kann. Es scheinen die in anderen alamannischen Gräberfeldern üblichen hölzernen)
Grabeinbauten vorzukommen. In Grab 34 wurde ein Totenbaum angeschnitten,
während die Holzfpuren in den Gräbern 15 und 39 wahrscheinlich von Bretter-
särgen stammen. Nicht ganz eindeutig zu erklären ist der Holzeinbau in Grab 36-,
es könnte ein Holzsarg auf Querhölzern gewesen sein (vgl. die Zeichnung F. Kuhns).
Spuren von Totenbrettern konnten in vier Gräbern nachgewiesen werden. Ausfallen
muß die große Zahl der Steinplattengräber, unter den beobachteten 49 Gräbern 12,
also mindestens ein Viertel des Gräberfeldes. Die Gräber 1, 6, 19 und 48 waren
aus gut behauenen Steinplatten sauber gefügt. In Grab 19 wurde sogar Kalkmörtel
mit Ziegelmehl vermischt als Estrich aufgetragen. Dies konnte in alamannischen
Gräbern bis jetzt nur sehr selten beobachtet werden. Wenn solche Gräber Beigaben
hatten, wie z. B. im Gräberfeld unter der Dionhsiuskirche in Dettingen, Krs. Tü-
bingen^, dann lassen sich diese kaum mehr in die üblichen Altsachengruppen mero-
wingifcher Zeir einreihen. Ich möchte derart gebaute Steinplattengräber auf rechts-
rheinischem alamannischen Boden durchweg für karolingisch halten.
Eine zeitliche Aufteilung des Gräberfeldes wie bei Hailfingen ist wegen der
kurzen Belegungsdauer von Lörrach-Stetten schwierig. Kuhn glaubte feststellen
zu können 22, daß die von Beeck im Gräberfeld Holzgerlingen ausgeschiedenen und
auch in anderen Gräberfeldern nachweisbaren Sippengruppen in Lörrach-Stetten
nicht vorhanden feien. Der hier beigegebene Plan in größerem Maßstab zeigt aber
deutlich genug eine Gruppierung der Gräber in der Mitte des Gräberfeldes um
die beiden Männergräber 8 und 40 mit ihrer immerhin etwas besseren Bewaffnung.
In der Mitte des Gräberfeldes fehlen zudem die Steiüplattengräber fast ganz; sie
liegen in zwei neu angelegten Gruppen am Rande des Gräberfeldes beisammen.
Ob die beiden inneren Gräbergruppen zwei Generationen eines Hofes enthielten
oder zu zwei gleichzeitig bewohnten Höfen gestörten, ist Wohl kaum zu entscheiden.
Dagegen find die beiden inneren Gräbergruppen, die nach ihren Beigaben noch ins
7. Iahrh. fallen, offensichtlich älter als die beiden neu angelegten am Rande des
Gräberfeldes. Damit wird eine Datierung der Steinplattengräber 1, 19 und 48 in
den äußeren Gräbergruppen ins frühe 8. Iahrh. auch von dieser Seite her wahr-
scheinlich gemacht. Die beiden äußeren Gruppen sind nicht mehr vollständig belegt
20 Bergl. 1 Stück von Oberböbingen Kr. Schwab.-Gmünd aus Gräbern mit Bronze-
schmuck in gutem Stil II und silberplattierten Beschlägen und Riemenzungen und 2 Stück
aus Pfullingen Kr. Reutlingen, Gräberfeld Entensee, in der Slg. Graf W. v. Llrach auf
einem Karton zusammen mit Bronzeschnallen in spätem Stil II (geschlossener Grabfund?).
Beeck, Alamannen Taf. iVl 9 bzw. 38 I 8.
21 Beeck, Alamannen, S. 272.
22 Kuhn, a. a. O., 14.
 
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