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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0144

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140

Besprechungen

einer Figur, der des Meisterschmieds Golder (eine ausgezeichnete Namengebung!) zu-
sammen, der beim Vater am Oberrhein aufwächst und lernt und mithilft, die ersten Auf-
träge schwäbischer Fürsten hevzustellen, bis er selber an den Hof auf dem Asperg geholt
wivd. Sein Sohn und Erbe kehrt von einer großen Reise nach Süden nicht wieder zurück,
und so nimmt der Meisterschmied seine Geheimnisse mit ins Grab, das noch' nicht gefunden
ist, — eine Lösung, die dem Optimismus eines Ausgräbers entspricht, und die Tragik, die
damals über das einheimische Gewerbe hereinbrach, milderb Ein Geschichtsbild von volk-
erzieherischer Bedeutung, — auch wenn man die Volks- und kulturgeschichtlichen Verhält-
nisse weithin anders beurteilt. G. Kraft.
E. Petersen, Der ostelbische Raum als germanisches Kraftfeld im Lichte der Boden-
funde des 6. bis 8. Jahrhunderts. Leipzig 1939. 291 Seiten, 186 Abbildungen, 9 Fund-
karten. Preis: kart. RM. 34.—.
Der bisherige Direktor des Schlesischen Lanöesamts für Vorgeschichte legt hiermit das
Ergebnis langjähriger Arbeit der Öffentlichkeit vor. Es ist die Zusammenfassung von
vieler, mühevoller Kleinarbeit, vor allem einer unentwegten Sammelarbeit, die Petersen
Jahre hindurch neben seiner amtlichen Tätigkeit betrieb. Denn das Fundmaterial, das
als Grundlage für diese Veröffentlichung nötig war, lag meist unerkannt in Museen zer-
streut und muhte vom Bearbeiter erst auf vielen Museumsreifen zusammengesucht werden.
Dabei kam schließlich eine erstaunlich große Anzahl von Funden aus einem Zeitraum zu-
tage, der bisher bei allen ostdeutschen Vorgeschichtlern als unangenehme Lücke in der
sonst gut bekannten urgeschichtlichen Entwicklung Ostdeutschlands galt. Die vorliegende
Veröffentlichung Petersens wird schon deshalb dankbar begrüßt, weil nun diese Lücke
unserer Erkenntnis zwischen der Auswanderung der Ostgermanen und Bem Beginn des
Mittelalters geschlossen ist. Aber noch wichtiger ist, daß Petersen aus dem vorliegenden
Fundmaterial schon tragfähige Schlüsse auf die Besiedlung und die Handelsgeschichte
Ostdeutschlands ziehen kann. Funde germanischen Charakters sind darnach aus dem gan-
zen Raum zwischen Elbe und Weichsel in mehr oder weniger dichter Stauung vorhanden.
Sie beweisen einmal ein Verbleiben von Teilen der im 4.—5. Jahrhundert ausgewander-
ten ost- und westgermanischen Stämme, so z. B. der Vandalen im mittleren Schlesien,
das auch historisch nachweisbar ist, und von Sueben östlich der Elbe, vom südlichen Meck-
lenburg bis in die Gegend von Leipzig. Im letztgenannten Gebiet häufen sich die Funde
des 5.'—H. Jahrhunderts, und vor allem liegen hier fast alle Grabfunde germanischen
Charakters, so daß man darin nicht nur den Niederschlag eines westgermanischen Handels
sehen kann. Es sind dies vielmehr die nächsten Verwandten der Alamannen, die hier in
der alten Heimat bis ins 6, Jahrhundert sitzen blieben.
Die bisherige Vermutung, daß schon vor der Wikingerzeit einzelne Rordgermanen
sich am Südrand der Ostsee von Mecklenburg bis zur Weichselmündung niedergelassen
hätten, wird nun durch die Fundkarte Petersens bestätigt. Ihr Einfluß auf die Nachbar-
völker während der Merowingerzeit prägt sich in einer Fundstreuung bis zu einer Linie
von der Saalemündung-Havel-Warthe-Netze aus. Die Verbindung der in Südeuropa an-
gesiedelten Ostgermanen — Goten und Gepiden — mit der ostgermanischen Kultur Ma-
surens blieb nach Petersen über das 5. Jahrhundert hinweg erhalten. Die Verbindung
war wichtig als große Handelsstraße für den Bernstein. Die Verbindungslinie wird zwar
im späten 6. Jahrhundert durch den Vorstoß der Avaren nach Böhmen, der die Einwande-
rung der Slaven zur Folge hatte, durchkreuzt, aber nie völlig unterbrochen.
Eine große Menge des Bernsteins muß aber auch, nach den zahlreichen Funden aus
süd- und Westdeutschen Rcihengräbern zu schließen, vom 5. Jahrhundert ab nach Westen
verhandelt worden sein. Vom späten 6. Jahrhundert an mußte dieser Handel durch das
Gebiet der inzwischen in den Ostraum eingewanderten Slaven gehen. Da diese in ihrem
handwerklichen Können gegenüber den Nachbarvölkern weit zurückstanden, nahmen sie
als Tauschgegenstand kunstgewerbliche Erzeugnisse der Germanen und der Avaren gern
an, von letzteren Bronzeschmuck, von den ersteren vor allem Waffen. Petersen kann nun
mit guten Gründen den Nachweis führen, daß während der Merowingerzeit die Waffen
in der Hauptsache nicht aus dem nordgermanischen Gebiet, sondern aus dem fränkischen
Reich zu den Slaven eingeführt wurden. Nicht erst die Karolinger, sondern schon mcro-
wingische Könige betrachteten die slavischen Stämme zwischen Elbe und Weichsel als Ab-
hängige ihres Reiches, und fränkische Handelsgesellschaften beherrschten den Raum bis
zum Bernsteinland. Der Führer einer solchen Gilde ist uns aus historischen Quellen be-
kannt, der Franke Samo, der sich um die Mitte des 7. Jahrhunderts in Böhmen selbstän-
dig machte und dadurch in Gegensatz zur fränkischen Reichsgewalt geriet. Die Handels-
gesellschaften waren offenbar militärisch organisiert und gut bewaffnet und legten sich
befestigte Faktoreien an. Der Handel ging, nach Petersens Fundkarten zu schließen, vor
 
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