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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0058

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54

W. Kimmig

sie sind doch zu beachten, zumal die gleichen Ziertechniken anderswo fehlen
oder doch nur vereinzelt auftauchen.
Ungünstig liegen die Vergleichsmöglichkeiten mit den oberelsässischen Funden.
Ein Bauchknickgefäß von Egisheim (Colmar) weist anscheinend Zonen von
geißfußartigen Doppelstichstempeln wie Königschaff hausen (Taf. 16, 1) auf,
jedoch ist die Abbildung bei A. Glory leider völlig unbrauchbar 9). Sehr eigen-
artig ist die Rössener Keramik aus der Grotte von Cravanches bei Beifort,
zugleich dem bis jetzt südwestlichsten Ausläufer dieser Kulturgruppe (Abb. 7).
Eine genaue Beschreibung der ziemlich verworrenen Fundumstände ver-
danken wir A. Glory (a. a. O. 155 ff. mit Plan). Bei der großen Bedeutung,
welche dieser Fundplatz für die steinzeitlichen Verhältnisse des südlichen
Oberrheins besitzt, seien die wichtigsten Ergebnisse hier kurz zusammen-
gestellt:
Die 1876 durch eine Minensprengung freigelegte Höhle enthielt drei stark mit Ge-
steinstrümmern und Tropfsteingebilden durchsetzte Kammern. Dadurch irre geführt,
haben die Ausgräber des 19. Jahrhunderts viele zweifellos natürliche Bildungen als
künstliche Herrichtungen angesehen. Wir glauben nicht, daß die meisten der „Dol-
men“ und „Opfertische“ ernsthafter Kritik standhalten können. In der ganzen, stark
gebirgigen Höhle verstreut fanden sich Begehungsspuren des neolithischen Men-
schen, so Brandplätze, Scherben, Silices, Pfeilspitzen, Knochengeräte, ein spitz-
nackiges Steinbeil, aber auch Tierskelette z. B. von Hirsch und Wolf. Unter den
zahlreichen Skelettfunden vom Menschen ließen sich folgende näher festlegen:
1. Von Steinplatten umpacktes Skelett dicht hinter dem Höhleneingang. SW-NO
orientiert, Kopf im NO. Dabei Rössener Ware (darunter unsere Abb. 7, 5). —
2. Östlich des Eingangs in Vertiefungen des Höhlenbodens eine größere Anzahl
Skelette. Eines trug am Arm den großen Seheibenring aus Serpentin (Abb. 7, 2).
Ein zweiter Scheibenring (Abb. 7, 1) lag isoliert zwischen den Skeletten. Am Kopf
eines weiteren Skeletts rundbodiges Gefäß mit drei Henkeln und abgebrochenem
Rand (Abb. 7, 4). Unsicher in ihrer genauen Lage, aber zu dieser Gruppe gehörig,
drei große Silexklingen, Hirschhornhacken, drei Colliers aus Hirschgrandein, Gagat-
und Knochenperlen, sowie Muschelschmuck. — 3. Vor der südlichen Rückwand der
Höhle, gegenüber dem Eingang, sieben steinumpackte Skelette auf dem Höhlenboden.
N-S und O-W orientiert. In einem Grab drei Tote verschiedenen Alters, in einem
anderen zwei Tote. Anscheinend keine Beigaben. — 4. Wenig westlich von 3, hart
an der südlichen Höhlenwand, O-W orientiertes Skelett (Kopf im Osten) auf einer
durch Kalksinter gut erhaltenen Strohmatte.— 5. Wenig westlich von 4 ein weiteres
Skelett ohne nähere Beschreibung. — 6. östlich von 3, in der Nähe der südlichen
Höhlenwand, mitten in den Tropfsteingebilden, mehrere Skelette. —• 7. Östlich von
6, ebenfalls zwischen Tropfsteinen und Felstrümmern, in etwa 1,5 m Tiefe Reste
von mehr als zwölf Skeletten mit schwarzer Tonware und einer großen Silexklinge.
— 8. Nördlich von 7 O-W gerichtetes, steinumpacktes Skelett einer jugendlichen
Person. Kopf im Osten. An der Seite ein Rössener Kugelbecher der Form (Abb.
7, 3). Der Tote trug Schmuck von durchbohrten Dentalium tarentinum Lamarck
Muscheln und zugeschliffenen Hirschgrandein. — 9. Im äußersten Osten der Höhle
anscheinend mehrere Bestattungen. Dabei vierhenklige Flasche mit Randkerbung
(Abb. 7, 6). — 10. Zu den nicht lokalisierbaren Einzelfunden gehören der kleine
Kugelbecher (Abb. 7, 3) und das randgekerbte Stück eines weitmündigen Topfes
(Abb. 7, 7). — Aus Grabungen A. Glorys von 1938 stammen: 11. In einem engen
Quergang südlich 9 männliches Skelett ohne Kopf, Füße im SO. An der linken Seite
ein Rössener Kugelbecher der Form (Abb. 7, 3). In der Schädelgegend Collier von
30 durchbohrten Dentalium tarentinum Lamarck Muscheln und zehn von Neritina
fiuviatilis Linne Muscheln unterbrochenen Hirschgrandein. — 12. Dicht daneben
Brandreste mit zerstreuten Knochen von mehreren jugendlichen Personen, darunter
zwei Neugeborenen, und ein Schädel. Deutung unsicher. — 13. Im tief gelegenen
Westen der Höhle, in einer Einmuldung, NW-SO gerichtetes Skelett (Kopf im NW).
Daneben nicht bestimmbare Scherben.
9) A. Glory, La Civilisation du Neolithique en Haut-Alsace (Publications des Hautes
Etudes Alsaciennes 1 (1942) Taf. 5, 1241.
 
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