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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0082

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78

R. Lais (t)

Der Entdecker des Schlagkegels am Feuerstein
Alle Erörterungen über die Herstellung der Feuersteinwerkzeuge durch den
Steinzeitmenschen gehen von der Entstehung des Schlagkegels aus. Wird
mit einem Kugelhammer ein heftiger senkrechter Schlag auf die ebene Fläche
eines Feuersteinstückes geführt, so entsteht, von einem kleinen kreisförmigen
Oberflächenstück, dem Schlagauge, ausgehend, ein kegelförmig nach unten
verlaufender Riß, der sich bei ausreichender Dicke des Stückes allmählich in
ihm verliert, sonst aber bis zu seiner Unterseite durchläuft. In diesem Fall ist es
leicht möglich, durch weitere leichte Schläge die äußeren Teile des Stückes zu
entfernen und den unten steil, weiter oben flacher zugespitzten Schlagkegel
freizulegen.
Ursache dieser Erscheinung sind die beim Auftreffen des Hammers entstehen-
den Elastizitätswellen verschiedener Geschwindigkeit, die zu einer Zerreißung
längs eines Kegelmantels führen. Wird der Schlag in schräger Richtung oder
mehr in Randnähe des Stückes geführt, so verflacht sieh der Kegel derart, daß
von ihm nur eine geringe Wölbung, der Schlagbuckel, übrigbleibt, der
seitwärts und nach unten in eine nur noch wenig gekrümmte und schließlich
ebene Fläche übergeht. Jede von einem Feuersteinstück abgeschlagene Klinge,
jeder Splitter trägt am oberen Ende diesen Schlagbuckel; der Kern, von dem
sie abgetrennt sind, zeigt dann eine entsprechende Vertiefung. Dies hat dazu
Anlaß gegeben, daß bei vielen Mineralien und Gesteinen, aber auch anderen
Stoffen von muscheligem Bruch die Rede ist, beim Feuerstein, Berg-
kristall, Muschelkalk, Gagat, Asphalt, Glas usw., kurz allen sehr feinkörnigen
Stoffen, die keine durch Kristallisation, Schichtung oder Schieferung vorge-
zeichneten Flächen geringeren Zusammenhaltes haben, sondern sich nach allen
Richtungen gleichartig verhalten.
Von der Entstehung des Schlagkegels nimmt demgemäß die Untersuchung der
Gesetzmäßigkeiten ihren Ausgang, die wir kennen müssen, um zu verstehen,
wie es dem Menschen der Steinzeit möglich war, aus dem scheinbar ungefügen
Feuersteinblock in zielbewußter Arbeitsführung Geräte ganz bestimmter Form
zu schlagen, von den altsteinzeitlichen Faustkeilen und prachtvollen Blatt-
spitzen über die Klingen, Stichel, Kratzer und Schaber zu den wunderbaren
Dolchen, Lanzenspitzen und Pfeilen der jüngeren Steinzeit.
Der Schlagkegel ist meines Wissens zum erstenmal vor etwa 100 Jahren an
einem Rohstoff beobachtet worden, der dem Menschen der ältern, mittleren und
jüngeren Steinzeit am Hoch- und Oberrhein — ähnlich wie der weiße Jaspis
des Isteiner Klotzes — wegen seiner Güte besonders wertvoll war, am roten
und gelben Bohnerzjaspis der Umgebung von Kandern. Leopold Hug ist
der Wiederentdecker einer Beobachtung geworden, die dem Feuersteinschläger
in den Kindertagen der Menschheitsentwicklung durchaus geläufig war. In
seiner „Beschreibung der geognostischen Verhältnisse der
Umgegend von Kandern“, die im 1. Heft von G. Leonhards
„Beiträge zur mineralogischen und geognostischen Kenntnis des Großherzog-
thums Baden“ im Jahre 1853 erschienen ist, schrieb Hug über den Bohn-
erzjaspis dieses Gebietes folgendes;
 
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