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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0097

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Neufunde der frühen Urnenfelderzeit aus Baden

93'

statt B) zugewiesen worden 48). Die Goldbecher von Unterglauheim finden mehr-
fach in jungurnenfelderzeitlichen Tonbechern ihre Entsprechung. Die im glei-
chen Funde auftauchenden Kessel mit Kreuzhenkelattachen nach F. Holste
älterer Art49) sowie Kessel mit Vogelprotomen zwischen „Sonnenscheiben“
passen gut zu diesem Befund. Ein solcher Kessel enthielt auch die Goldschalen
von Lavinsgard (Brondsted a. a. O. 171), womit die Datierung dieses Fundes
hinreichend gesichert erscheint (Mont. V)50). Die mit dreikantigem Golddraht
umwickelten Henkel der Pferdeköpfe an den Goldschalen von Lavinsgard und
Boeslunde entsprechen dabei einer Technik, die genau so auch an den jung-
urnenfelderzeitlichen Goldscheiben von Velem (und Worms) auf tritt und die
nach A. Mozsolics einer donauländischen Übung entspricht. Gerade diese Einzel-
heit stützt die These, daß auch hier ein fremder Goldschmied für germanische
Auftraggeber gearbeitet hat, die im besonderen auf die Anbringung der im
Norden beliebten Pferdeköpfe Wert legten. Auf die enge Verwandschaft der
Goldschalen selbst mit breiten Bechern der untermainisch-schwäbischen Urnen-
feldergruppe hatten wir schon abgehoben.
Die gerandeten Schalen des Eberswalder Fundes entsprechen nach ihrer Form
gleichfalls jungurnenfelderzeitlichen Tonschalen des Oberrheingebietes. Die1
randlosen Stücke des Hortes finden ihre besten Entsprechungen in den Bronze-
schalen des Ehinger Bronzegeschirrfundes (F. Holste a. a. O. Abb. 2—4, Taf.
3—4), die genau wie die Knickwandschalen des gleichen Hortes nach Holste
einer südwestmitteleuropäischen Werkstatt entstammen. Selbst das Deckel-
gefäß aus Ton, das den Schatz von Eberswalde barg (Kossinna a. a. O. Taf. 11)
besitzt seine besten Vergleiche in urnenfelderzeitlichen Deckelgefäßen des
Rheintales, wo insbesondere die Art der Deckelbildung geläufig ist51) Auch die
auf rheinisch - schweizerische Schulterbecher zurückzuführenden, nordischen
Goldbecher von Avernakö, Eilby und Smörkullen (Kossinna a. a. O. Abb. 5—7)
sind ihrer Profilgebung nach junge Vertreter dieses Typs (Hallstatt B).
Zu den jüngsten Goldgefäßen, die gleichfalls das alte Kerbleistenmotiv bewahrt
haben, gehören die Halsfeldgefäße von Villeneuve-St. Vistre (Marne) und Wer-
der a. d. Havel5ä). Sie mögen zeitlich Hallstatt C = Montelius VI entsprechen.
Daß Armbänder mit Spiralenden, wie sie auch in Werder auf tauchen, eine
lange Lebensdauer besitzen, hat gerade A. Mozsolics (a. a. O. 36, Taf. 18/19)
erwiesen. Auch auf Grund des Vogelfrieses können wir der Menghinschen Da-
tierung von Werder nach Montelius III—IV nicht zustimmen. Die Halsfeldbil-
dungen von Villeneuve und Werder können eigentlich nur mit späten Hals-
feldgefäßen des Oberrheingebietes zusammengebracht werden. Dabei lassen
die eigenartigen Dreiecke auf eine Werkstattgemeinschaft schließen. Die Punkt-

48) Die von A. Mozsolics (a. a. O. 12 und 40) für die Nadeln der Horte I und III ge-
wählte Bezeichnung „Mohnkopfnadel“ ist, verglichen mit dem westlichen Typus,
irreführend. Mindestens im Falle des Hortes von Celldömölk (III) handelt es sich
um eine großbauchige Vasenknopfnadel ostalpiner Art dazu Prähist. Zeitschr.
34/35, 1949/50, 306 ff. Abb. 8
40) F. Holste, Der frühhallstattzeitliche Bronzegefäßfund von Ehingen (Praehistorica 5,
1939, 10).
so) E. Sprockhoff, Handelsgeschichte d. germ. Bronzezeit 92, der den Fund noch nach
Mont. IV setzen möchte, wäre damit wohl zu berichtigen.
5i) Vgl. W. Dehn, Katalog Kreuznach 75 Abb. 42.
s2) Villeneuve: RL. 4, 1, Taf. 57 a. b. — Werder: G. Kossinna a. a. O. Taf. 16 rechts
oben; H. Kühn, a. a. O. Taf. 6.
 
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