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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0119

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Die Alamannengräber von Freiburg

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anstehenden Dreisamschottern. Richtige Steinkisten aus senkrecht gestellten
und sauber gefügten Steinplatten wurden nicht gefunden. Über Datierung und
Entwicklung der Steinplattengräber im alamannischen Gebiet habe ich bei Be-
schreibung des Gräberfeldes von Grimmeishofen9) ausführlich gesprochen,
so daß ich hier nicht näher darauf einzugehen brauche. Für ein Breisgauer
Gräberfeld wie das von Freiburg, Stadtteil St. Georgen, Ortsteil Uffhausen
bedeutet ein derartiges Übergewicht von Steinplattengräbern verhältnismäßig
späte Zeitstellung, denn die Bestattung in steinumhegten Gräbern wurde erst
nach der Mitte des 7. Jahrhunderts allgemeinere Sitte. Von den 27 Stein-
kamrnern des Gräberfeldes am Hüttweg sind vier mehrfach belegt worden;
sonst lag in jeder Kammer nur je eine Bestattung. Durch die Nachbestattung
wurden die früheren gestört; außerdem waren mehrere andere Gräber eben-
falls gestört, es ließ sich aber nicht immer feststellen, ob schon in früherer Zeit
durch Grabraub oder erst in neuerer Zeit durch den Ackerbau.
Die 34 Bestattungen im Gräberfeld am Hüttweg wären wahrscheinlich wie in
anderen alamannischen Gräberfeldern nach einem bestimmten natürlichen Ver-
hältnis in Männer-, Frauen- und Kindergräber aufzuteilen, wenn nicht die
überaus schlechte Erhaltung der Skelettreste in dem groben Schotterboden und
die Armut an Beigaben dies erheblich erschweren würden. Mit Sicherheit ließen
sich nur vier Männer-, fünf Frauen- und zwei Kindergräber ausscheiden; die
übrigen 23 müssen unentschieden bleiben.
Beigaben enthielten nur die Männergräber 14, 22 und 28 und die Frauen-
gräber 2a, 13, 20 und 23. Diese gestatten immerhin eine genügend sichere Da-
tierung des gesamten Gräberfeldes (im Gräberfeld an der Landstraße wurden
noch weniger Beigaben gefunden; die beiden im Gräberfeld am Kirchweg auf-
gedeckten Gräber waren beigabenlos). Die Perlenketten aus den Frauengrä-
bern 2a, 13, 20 und 23 sind im Vergleich mit den aus den großen alamanni-
schen Gräberfeldern recht dürftig (Taf. 26, a—d). Vorherrschend sind darin
kleine gelbe und grüne Perlstäbchen und doppelkonische rote Glasperlen, die
für die späte Merowingerzeit kennzeichnend sind 10). Gelegentlich ist eine ein-
zelne Bernsteinperle dazwischen. Eigenartig berührt die Verwendung von
Glassplittern, kleinen Randbruchstücken einer spätmerowingischen Glasschale
mit umgerolltem Rand, als Perlen in der Kette aus Grab 23 (Taf. 26, b). In
Grab 2a lagen dünne Ohrringe aus gedrehtem Silberdraht, in den Gräbern 13
und 20 die aus andern Gräberfeldern des 7. Jahrhunderts zahlreich bekannten
bronzenen Drahtohrringe mit Haken- bzw. Ösenverschluß (Taf. 26, f. h). Dazu
kommen ebensolche Ringe aus den Gräbern 10 und 12 im Gräberfeld an der
Landstraße (Taf. 26, e. k) und ein großer Bronzeohrring mit doppelkonischem
Knopf aus Grab 3 (Taf. 26, i). Die bei Grimmeishofen genannten Vergleichs-
stücke zu den Ohrringen mit Ösenverschluß wie dem aus Grab 20 legen eine
recht späte Datierung nahe n). Die wenigen eisernen und bronzenen Schnallen
zeigen nichts Besonderes; die silbertauschierten Beschläge der Schnallen aus
den Gräbern 13, 22 und 28 sind wie alle Eisensachen aus dem rauhen Boden
Uffhausens sehr schlecht erhalten. Immerhin ist das Vorkommen silbertau-

9) Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 196—224, Taf. 58—61 a.
10) Vgl. Brünnen bei Elisried (Kt. Bern), Gräber 5, 14 und 81. E. v. Feilenberg,
Das Gräberfeld bei Elisried. Mitt. d. Antiqu. Ges. Zürich 21, 7 Taf. 1 und 3.
u> Z. B. Brombach (Ldkrs. Lörrach), E. Wagner, Fundstätten 1 (1908), 149 f. Abb. 97.

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