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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0168

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164

F. Garscha, K. Hammel, W. Kimmig, G. Kraft (f), E. Schmid

norum)38). Es spiegelt die Zustände der spätmerowingischen Zeit wieder. Nach
Titel 82 können je für sich in Brand gesteckt werden: der Vorratsraum, das
Haus, der Saal; innerhalb des Hofes: ein Haus oder die Scheune, der Korn-
speicher, der Vorratsraum, die Badestube, der Schaf- oder Schweinestall, ferner
Haus, Scheuer oder Speicher des Knechtes, also des Unfreien. In Titel 81 wird
noch ein Arbeitsgemach (der Mägde) genannt. Titel 94 schließlich gibt Auf-
schluß über das Innere des Hauses, wenn es darin heißt, daß ein Kind, das
auch nur eine Stunde am Leben ist und die Augen1 öffnen kann, den Firstbalken
des Hauses (culmen) und die vier Wände des Hauses sieht.
Diese wenigen Stellen besagen soviel, daß im 778. Jahrhundert nicht das Ein-
haus, sondern ein Gehöft aus mehreren selbständigen und z. T. kleinen Ge-
bäuden die für den Gesetzestext vorauszusetzende Regel ist, ja, daß selbst der
Unfreie Haus, Scheuer und Speicher besaß. Für die „urfeudalistischen“ Ver-
hältnisse der späten Landnahmezeit Alamanniens glaubt A. Helbok39) eine
bestimmte Organisation der Landnahme dergestalt erschlossen zu haben, „daß
die männlichen Glieder von Führersippen mit ungefähr je acht Kleinbauern
ihres Volkes in Kleindörfern sich niederließen ..., wir haben also Hufner
eines hausherrschaftlichen Verbandes vor uns . . . Die Treue eines solchen Ge-
folges war hier dadurch, daß er bei der Ansiedlung vom Herrn eigenen Be-
sitz erhielt, nicht gefährdet ...“.
Eine ausführlichere und nur um wenige Jahrzehnte jüngere Quelle stellt die
Lex Bajuvarorum (728 oder 743/48) in ihrem „Kapitel 10: Vom Anzünden von
Häusern und der Buße dafür“ dar40). Hierin ist ausführlicher als im alamanni-
schen Volksrecht vom Haus und Hof des Freien die Rede. Auch hier werden
das Haus, der Stall, der Schuppen, der Kornspeicher und dessen Kleinform:
der Schober, besonders erwähnt. Titel 3 des Kapitels 10 handelt von kleineren
Gebäuden, worunter besonders das Bade-, Back- und Kochhaus erwähnt sind.
Es folgt die Aufzählung der einzelnen Bauteile des Hauses: Dachfirst, First-
säule, Winkelsäule, Ecksäule und andere Pfeiler, Balken, Spange, Latten, Ziegel,
Bretter.
Aus den letztgenannten Hausteilen erschließt O. Gruber41) die Existenz eines
schon komplizierten Einhauses als Urform des oberdeutschen Wohnstallhauses.
Die vorausgehende Aufzählung von Wirtschaftsgebäuden und „kleineren Gebäu-
den“ scheint aber eher das Bild des Hofes in der Lex Alamannorum zu bestätigen.
Da aber das bayerische Volksrecht die kleineren Gebäude nicht ausdrücklich
nennt als Haus, Scheuer und Speicher des Unfreien, erhebt sich die Frage, ob
dies absichtlich unterblieb, oder ob die Unfreien nicht in so engem Konnex mit
den Freien wohnten. Die Bauweise des bajuvarischen Hauses des Freien
braucht indessen dem Befund von Gladbach, Haus 14 (vgl. Anm. 23) nicht zu
widersprechen.
Eine weitere rechtsgeschichtliche Quelle bilden die Weistümer des Mittelalters.
Für das Elsaß hat sie K. R. Kollnig in ihrer volkskundlichen Bedeutung unter-

38) Schriften der Akademie für deutsches Recht, Gruppe V, Germanenrechte Bd. 2,
Die Gesetze des Karolingerreiches II, 1934, 59 ff.
®9) A. Helbock, Haus und Siedlung in: Deutsches Volkstum 6, 1937, 34 u. 55 (heraus-
gegeben von John Meier).
40) Schriften der Akademie für deutsches Recht, Gruppe V, Germanenrechte Bd. 2,
Die Gesetze des Karolingerreiches II, 1934, 131 ff.
41) O. Gruber, Deutsche Bauern- und Ackerbürgerhäuser (1926) 23 ff.
 
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