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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0231

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Fundschau 1944—1948: Urnenfelderzeit

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sehr. f. G. v. Merhart, Prähist. Zeitschr. 1950). Die stratigraphisch nicht trenn-
bare Fundmasse scheint gleichwohl einem längeren Zeitraum anzugehören, der
offenbar von der ausklingenden Bronzezeit bis in die beginnende Latenezeit
reicht. Dann erst bricht der Fundplatz ab. Wir können also hier eine ganz ähn-
liche Erscheinung beobachten, wie wir sie von so vielen Höhensiedlungen des
Oberrheinraumes kennen (vgl. Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 290. 293. 319.
379 ff.). Der Fundstoff der Heidenburg beginnt mit einem Horizont, der
gleichermaßen durch die Begriffe Späte Alb - Bronzezeit — Mohnkopfnadel-
gruppe — Crestaulta charakterisiert erscheint, ein Horizont, der vorwiegend
westlich-oberrheinisch orientiert ist und der lediglich gewisse bayrische Hügel-
gräbereinflüsse erkennen läßt (Stempelkerbschnitt). Die reihe Urnenfelder-
kultur ist deutlich vertreten, allerdings überwiegend durch Grobware, so daß
eine Trennung in ihren älteren und jüngeren Abschnitt nicht ganz einfach
scheint. Es folgt eine Fundschicht, die zeitlich bereits der Hallstattzeit angehören
muß, die man entwicklungsgeschichtlich jedoch als jüngste Urnenfelderkultur
bezeichnen müßte. Am Ende stehen dann Formen, die sicher schon dem Latene
angehören, mindestens aber nicht weit davon entfernt sind. Zu solchen möchte
man die Töpfe (Hild Abb. 9, 40/72 und 40/68) stellen, aber etwa auch eine
Schale wie Hild Abb. 9, 40/139. Insgesamt gibt das Heidenburgmaterial einen
vortrefflichen Einblick in die Kulturverhältnisse am Ostflügel des Oberrhein-
raumes, der offenbar erst durch die Gebirgspässe seine natürliche Abgrenzung
gegen das Inntal zu erhält.
Es verwundert im übrigen nicht, wenn der historische Ablauf der Urnenfelder-
kultur in Südwestmitteleuropa auch weiterhin von den verschiedensten Seiten
lebhaft diskutiert wird. Die Arbeit von Verena Bodmer-Geßner (Die geometri-
sche Ornamentik des spätbronzezeitlichen Pfahlbaukreises der Schweiz) wurde
bereits erwähnt. Die sehr eingehende und gründliche Durcharbeitung des Orna-
mentstiles des „Pfahlbaukreises“ nach Technik, Motiven und Herkommen hat
unsere Kenntnis wesentlich vertieft (Besprechung in ZSAK 10, 1948/49. Im
Jahrbuch d. Schweiz. Ges. f. Urgeschichte 40, 1949/50, 209 ff. hat sich E. Vogt
in einer Studie „Der Beginn der Hallstattzeit in der Schweiz“ gründlich mit
Fragen der Chronologie befaßt und in ungewöhnlich heftiger Form gegen das
neue vor Chr. Hawkes und V. G. Childe vorgetragene Chronologiesystem
Stellung genommen. Beide Forscher möchten gerne die Reineckeschen Stufen
Hallstatt A und B als Bronzezeit E und F bezeichnen (Proc. of the Prehist. Soc.
1948, 177 ff. und 196 ff.), wodurch in der Tat nach außen hin ein Abbruch
demonstriert würde, der dem sich weit in die Hallstattzeit hinein fortsetzenden
Ablauf der Urnenfelderkultur in keiner Weise gerecht würde. Der verbinden-
den Fäden zwischen jüngerer Urnenfelderzeit (Hallstatt B) und älterer Eisen-
zeit (Hallstatt C) sind mehr als genug! Im übrigen scheint die Entwicklung
immer mehr dahin zu gehen, auch die Stufe Hallstatt B in zwei Phasen zu
unterteilen, was E. Vogt in seinem Aufsatz „Der Zierstil der späten Pfahlbau-
bronzen“ (ZSAK 1942, 193 ff.) bereits angedeutet hat und auch in dem oben
genannten Aufsatz weiter ausbaut. Diese Beobachtung findet in den neuen
reichen Urnenfelderfunden von Singen (Veröffentlichung in Vorbereitung) eine
Stütze, insofern sich hier erweisen läßt, daß der sogenannte „reiche Stil“ dem
im übrigen der größte Teil auch der Pfahlbaufunde angehört, und der etwa in
dem Grabe von Reichenau (W. Kimmig, Urnenfelderkultur i. Baden. Taf. 34)
einen besonders guten Vertreter besitzt, schon der vollen Stufe Hallstatt B

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