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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0248

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244

Fundschau 1944—1948: Hallstattzeit

Funde:
1. Große Halsfeldurne mit breitem, scharf abgesetzten Schrägrand. Oberteil rot
überfangen, Unterteil tongrundig - geblich - braun. Rand und Halsfeld graphi-
tiert, auf dem Oberteil reiche Graphitbemalung in Felderteilung. Erhaltung gut,
H. 27,4 cm (Taf. 43, 4. 4 a). — 2. Zwei verschieden stark geschweifte Schalen
mit scharf abgesetzten Schrägrändern, schwarzgrau mit Graphitspuren, H. 7
und 8,4 cm, Mündung 29 und 33 cm (Taf. 43, 1—2). — 3. Sehr gut erhaltenes
Bronzerasiermesser, Schneidenteil noch heute messerscharf, Edelpatina. Klinge
dünn, halbbogenförmiger Griffteil mit zwei aufgegossenen Ringen, H. 4,3 cm,
Br. 6,6 cm (Taf. 43, 3).
Der Nachweis immer neuer hallstattzeitlicher Urnengräber im südlichen Ober-
rheintal ist für die Frage des Weiterlebens der Urnenfelderkultur in diesem Ge-
biet von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Schon in den Bad. Fundber. 17,
1941—1947, 289 f. wurde auf die offenkundige Zweigleisigkeit der hallstättischen
Entwicklung im Rheintal hingewiesen. Weiterlebende Urnenfelder traten hier
der aus anderen Quellen gespeisten Grabhügelkultur vom Alb-Salem-Charakter
gegenüber. Die neuen Urnengräber von Endingen, Munzingen (s o.) und Riegel
(s. o.) unterstreichen diese Entwicklung sehr nachdrücklich. All diese Gräber
sind richtige Urnengräber, Leichenbrand, Beigefäße und die allerdings seltenen
Metallbeigaben (Endingen) liegen in der Urne. Ein Grabhügel scheint in keinem
Fall vorhanden gewesen zu sein. Wenn auch natürlich die Möglichkeit der Ein-
ebnung beim Ackerbau nicht in Abrede gestellt werden soll, so spricht doch
die in jedem Fall beobachtete tiefe Eingrabung der Urne in den gewachsenen
Boden gegen die Aufschüttung eines Hügels.
Ein Vergleich mit Freiburg, Stadtteil St. Georgen und Feldkirch (Ldkrs. Frei-
burg) (Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 289 f.), wobei mindestens in Feldkirch der
Charakter des längere Zeit hindurch belegten Urnenfriedhofes erwiesen ist,
macht dies zur Gewißheit. Sehr bezeichnend für diese Spätphase der Urnen-
felderkultur ist das auffallende Zurücktreten der Beigefäße. Hatten diese
während der jüngeren Urnenfelderzeit (Hallstatt B) so stark zugenommen, daß
die Unterbringung in einer Urne nicht mehr möglich war, so wird nun in die-
ser Spätzeit die alte Tradition offenbar ganz bewußt wieder aufgenommen.
Diese Feststellung ist wichtig bei den unverkennbaren Umwälzungen, die mit
dem Beginn der jüngeren Urnenfelder (Hallstatt B) immer deutlicher werden.
Unter den Beigefäßen dominiert nunmehr eindeutig die Schale, die in allen
hier neu vorgelegten Gräbern allerdings in verschiedenen Abwandlungen er-
scheint. Eine Analyse der Gefäßformen führt 'zu der Einsicht, daß sie fast aus-
nahmslos aus der Urnenfelderkultur stammen. Die „Urnen“ von Riegel ver-
fügen über eine lückenlose Ahnenreihe, die in den älteren Urnenfeldern (Hall-
statt A) beginnt. Gleiches gilt auch für die Halsfeldgefäße von Endingen und
Munzingen, wenn auch gerade diese Form von der Alb-Salem-Gruppe beson-
ders geschätzt wird. Diese Erscheinung wird nur verständlich, wenn man den
starken Urnenfeldergrundstrom bedenkt, der auch die Alb-Salem-Gruppe durch-
zieht. Besonders einprägsam für den gleichzeitigen Einfluß der letzteren auf
unsere hallstattzeitlichen Urnengräber zeigt dies die Urne von Endingen (Taf.
43, 4. 4 a), deren Schulterzier eine echte Felderteilung aufweist, wie sie nur
von der Alb her angeregt worden sein kann. Allerdings ist diese Zier weder ge-
kerbt, geritzt noch gestempelt, sondern gemalt. Gerade diese Malweise aber,
 
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