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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0267

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Fundschau 1944—1948: Latenezeit

263

geschichte der Schweiz 2 (1945) 26 f.). Das Randstück eines belgischen Bechers
aus feinem, hellen Ton mit geglätteter, schwarzer Oberfläche entspricht etwa
dem Stück Nimwegen Nr. 112 (J. H. Holwerda, De belgische Waar in Njm-
wegen (1941) Taf. 3), das dort in augusteisch-tiberianische Zeit zu setzen ist.
Ein Randstück eines steilwandigen Gefäßes aus grauem, im Bereich der drei
Rillen glänzend polierten Ton mit darunter eingeritzten Wellenlinien (Taf. 50,
11) könnte der Form nach dem Typus Hofheim 28 angehören (E. Ritterling,
Das frührömische Lager bei Hofheim i. T. Ann. Ver. nass. Altertumskde. 40,
1911, 259 und Taf. 34), obgleich Ritterling nichts von Stücken aus grauem oder
rotem Ton erwähnt. Das Bruchstück einer Tasse, deren Form den Typus Hof-
heim 6 bzw. 104 voraussetzt (Ritterling a. a. O. 207 und Taf. 31; 339 und Taf.
36), dürfte den helvetischen Imitationen in schwarz nahestehen (Drack a. a. O.
Taf. 8 f.) und gehört seiner formalen Entwicklung nach in neronische Zeit. Das
Bruchstück einer Schüssel mit horizontal abstehendem Rand aus grauem, im
Bruch rötlich mit grauem Kern erscheinenden Ton findet sich in Form und
Technik ähnlich in Hofheim Typus 129 (Ritterling a. a. O. 357), Nimwegen
(Holwerda a. a. O. No. 1273) und in der Schweiz (Drack a. a. O. 89 ff. Taf. 11;
Typus 19); am entsprechendsten in Augst (E. Ettlinger, Die Keramik der Aug-
ster Thermen. Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz 6 (1949)
101 und Taf. 19. 16), dort spätestens vespasianisch.
Über die Knochenfunde gab Dr. Elisabeth Schmid, Freiburg, folgendes Gut-
achten ab: „Die gelbgrauen Knochen sind fast alle klein gehackt, so daß von
877 Knochen, Zähnen und Knochenbruchstücken nur 577, d. h. 66% bestimmt
werden konnten. Die 577 Knochen und Bruchstücke verteilen sich auf die ver-
schiedenen, wichtigsten Tierarten in folgenden Anteilen:

Stück
%
Pferd
55
9,6
Rind
328
57,0
Schwein
109
19,0
Schaf und Ziege
71
12,3

Ein kleines Schädelfragment vom Menschen konnte ausgeschieden werden,
ferner ein Vogelknochen, drei Reste vom Damhirsch und neun vom großen
Hund.
Unter den Pferdeknochen fällt die eselartige, geringe Größe auf. Wie der
Vergleich mit dem Material von Basel Gasfabrik zeigt, sind sie dem gallo-
helvetischen Pferd zuzurechnen.
Die unbestimmbaren Bruchstücke sind oft dem Knochencharakter nach zu er-
kennen (z. B. Beckenteil, Rippe usw.), nicht aber nach ihrer Zugehörigkeit zu
einer bestimmten Tierart. Zwei Bruchstücke sind durch Brand kalziniert,
viele tragen Schnitt- und Hackspuren.
Ergebnis: Das vorliegende Knochenmaterial stellt überwiegend sehr ausge-
nutzte Mahlzeitreste dar und zwar zumeist vom Rind stammend. Schwein,
Schaf und Ziege werden weniger häufig gegessen, das sehr kleine Pferd nur
selten und vermutlich nur im Zusammenhang mit Notschlachtungen. Jagdwild
hatte keine Bedeutung für die Ernährung der Bewohner. Große Hunde wurden
gehalten.“
Wie aus den Fundumständen zu schließen ist, handelt es sich um eine Sied-
lung. Da sich die von uns dem ersten Jahrhundert nach Chr. zugewiesenen
 
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