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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0333

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Kleine Mitteilungen

329

aus bekannt. Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges führte R. R. Schmidt eine
Expedition in den Kaukasus, deren reiche Funde jedoch in den Kriegswirren
großenteils verloren gingen. Nach Ende des Krieges ging R. R. Schmidt nach
Amerika, hielt Vorträge und organisierte mit den dort gesammelten Mitteln an-
schließend die bis dahin umfangreichsten Moorbautenausgrabungen im Federseemoor
in Oberschwaben. Schmidt war auch der Gründer des urgeschichtlichen Institutes
an der Universität in Tübingen, das bis heute seinen Ruf als hervorragende For-
schungsstelle bewahrt hat. Sein in dieser Zeit erschienenes Buch über den Geist
der Vorzeit brachte, wenn auch nicht immer bejaht, fraglos viele Anregungen. Es
dürfte eine der wenigen deutschen Fachveröffentlichungen sein, die auch ins Eng-
lische, Französische und Italienische übersetzt wurden. Nachdem er als erster die Auf-
merksamkeit auf die bekannte Höhle bei Mauern a. d. Donau gelenkt hatte, ging er
1938 nach Jugoslawien, wo ihm die gastfreundliche und wissenschaftlich interessierte
Grafschaft Eltz Untersuchungen größeren Stils auf der urgeschichtlichen Anlage
von Vujjedol ermöglichte. Dank lebhafter Unterstützung vor allem von Seiten des
Museums in Zagreb konnte Schmidt 1945 ein großes Buch über seine Ausgrabungen
vorlegen, das leider in Deutschland nahezu unbekannt geblieben ist. Die Ergeb-
nisse dieser Grabung, die auch den nahe gelegenen Fundort Sarvag einschließt,
dürften für die späte Jungsteinzeit, Kupfer- uud Bronzezeit des Südostens von
der gleichen Bedeutung werden, wie sie etwa Vinca für das frühe Neolithikum
einnimmt. Der Zusammenbruch von 1945 vernichtete erneut nicht nur seine Exi-
stenz in Osijek a. d. Donau, sondern auch nahezu alle Ergebnisse, die er in den
über 7 m mächtigen Schichten von Sarvas ergraben hatte.
Enttäuscht und mürbe kehrte R. R. Schmidt nach Deutschland zurück, schrieb
Kinderstudien und ein Buch über den Untergang des Deutschtums im Südosten.
Mit seinem Tode hat ein schweres, gelegentlich auch umstrittenes Gelehrtendasein
seinen Abschluß gefunden. In der südwestdeutschen Urgeschichte hat R. R. Schmidt
seinen festen Platz, weswegen diese Worte des Gedenkens nicht fehlen durften.
M. Milojcic
Helmut Schroff gestorben
Voll Wehmut gedenke ich des trefflichen, stets hilfsbereiten und zuverlässigen
Menschen, der noch kurz vor Beendigung des Krieges bei Hermeskeil im Hunsrück
gefallen ist. Schroff stammte aus Heidelberg, wo er seine, infolge der Inflationszeit
nicht immer leichten Studienjahre verbrachte. Sein Interesse an der Vergangen-
heit führte ihn früh zur Urgeschichte, die er zusammen mit mittelalterlicher Ge-
schichte zum Nebenfach seines altphilologischen Studiums erkor. Aus einer von
der Philosophischen Fakultät preisgekrönten Arbeit erwuchs seine Dissertation, die
1927 unter dem Titel „Claudians Gedicht vom Gotenkrieg“ erschien.
Nach Ablegung der Staatsprüfung führte ihn das Lehramt über Wiesloeh und
Heidelberg nach Rastatt, wo er kurz vor Kriegsbeginn Professor am dortigen Gym-
nasium wurde. Schon in Wiesloeh bearbeitete er die kleine, aber inhaltsreiche
Schulsammlung frühgeschichtlicher Funde und fertigte einen handschriftlichen
Katalog von ihr an. Daneben war er gewissenhaft und zuverlässig im Gelände
tätig, was ihm sehr bald den Posten eines ehrenamtlichen Pflegers im Landbezirk
Heidelberg und später in Rastatt einbrachte.
Mit Interesse verfolgte Schroff aber auch die Fortschritte auf dem Gebiet der
Alten Philologie. So war er etwa bestrebt, der Germania des Tacitus neue Er-
kenntnisse abzugewinnen. Schroffs Arbeiten brachten es mit sich, daß man ihn
auch zur Mitarbeit an größeren Unternehmungen heranzog. So sollte er am Pauly-
Wissowa mitwirken und ein Wörterbuch' der lateinischen Sprache mit herausgeben.
Aus all diesen Plänen riß ihn der Krieg heraus. Da es ihm nicht vergönnt war,
nach Hause zurückzukehren, so sehen diejenigen, die ihn gekannt und geschätzt,
das unvollendete Leben, das wie so viele andere, seine Früchte erst noch zu tragen
bestimmt war. E. Wahle
Albert Funk 25 Jahre Bezirkspfieger
Im September 1950 beging Apotheker Albert Funk in Singen a. H. das 25jährige
Jubiläum als Pfleger der ur- und frühgeschichtlichen Denkmäler im Amtsgerichts-
 
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