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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0344

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Ur- und Frühgeschichte als historische Wissenschaft. Festschrift zum 60. Ge-
burtstag von Ernst Wahle. Herausgegeben mit Unterstützung von Albrecht
Dauber von Horst Kirchner. Heidelberg 1950, Carl Winter-Universitätsverlag.
In Ganzleinen gebunden, 351 Seiten, 12 Tafeln, 2 Beilagen.
Es ist von jeher ein schöner Brauch gewesen, verdiente Gelehrte, die ihrem Fache in
besonderem Maße Richtung und Ziel gewiesen haben, bei ihrem Eintritt in ein vor-
geschrittenes Lebensjahrzehnt durch eine Festschrift zu ehren. Solche Festschriften
pflegen meist eine reiche Fülle an Beiträgen aller Art zu enthalten, wobei es wohl
kein Zufall ist, wenn die von dem Jubilar vertretene Forschungsrichtung auch in
den dargebrachten Arbeiten seiner Schüler, Freunde und Weggenossen einen neuen
Widerhall findet.
Beide hier gefeierte Gelehrte, Paul Reinecke wie Ernst Wahle, sind so ausgeprägte
Persönlichkeiten, haben in vielfacher, wenn auch oft grundverschiedener Richtung
die Urgeschichtsforschung so maßgeblich bestimmt und befruchtet, daß es nicht ver-
wundert, die besondere Arbeitsweise der beiden Forscher auch in den ihnen dar-
gebrachten Festgaben wieder anzutreffen. In diesem Sinne haben sowohl die
„Reineckefestschrift“ wie die unter dem Obertitel „Ur- und Frühgeschichte als
historische Wissenschaft“ erschienene Wahlefestschrift ihre besondere Note. Verehrt
die Forschung in dem 75jährigen Paul Reinecke den genialen Praeceptor, der durch
seine chronologischen Systeme, seine kristallklar durchdachten und vom Willen zu
unerbittlicher Kritik getragenen zahllosen Beiträge auf fast allen Gebieten der Ur-
und Frühgeschichte die Forschung durch 50 Jahre hindurch immer wieder von
neuem angeregt und befruchtet hat, so sieht sie in dem 60jährigen Ernst Wahle vor
allem den unermüdlichen Verfechter des „historischen Gedankens“, der durch metho-
dische Fragestellungen der mit der ständig steigenden Flut der Bodenfunde ringen-
den Forschung neue und gangbare Wege gewiesen hat.
Es ist unmöglich, auch nur annähernd zu der Fülle des Gebotenen in diesem Rahmen
Stellung zu nehmen. So bleibt uns nur übrig, eine allgemeine Übersicht zu geben.
Ein Punkt allerdings verlangt noch eine besondere Hervorhebung. Das ist einmal
die mühevolle Arbeit der Herausgeber, welche die Festschrift redigiert, die Bei-
träge zusammengetragen und dem Ganzen schließlich auch das äußere Relief gegeben
haben. Bei der Reineckefestschrift haben sich Gustav Behrens, Joachim Werner und
Hans Klumbach, bei der Wahlefestschrift Horst Kirchner und Albrecht Dauber die-
ser Mühewaltung unterzogen, wofür ihnen hier der besondere Dank der Benutzer
ausgesprochen sei. Und zum anderen dürfen auch die Verlage nicht vergessen wer-
den (E. Schneider-Verlag, Mainz, Reineckefestschrift; Universitätsverlag Carl Win-
ter, Heidelberg, Wahlefestschrift), die trotz des Risikos, das die Verlegung einer so
speziellen Lektüre zwangsläufig heute mit sich bringt, beide Bücher in so ungewöhn-
lich schöner und würdiger Form herausgebracht haben. Der reiche Gewinn, den die
beiden Festschriften der Forschung eingebracht, haben, gereicht Herausgebern wie
Verlagen gleichermaßen zur Ehre.
16 Beiträge sind es, welche in der mit einem Bilde des Altmeisters und einer großen
tabula gratulatoria ausgestetteten Reineckefestschrift zusammengefaßt sind.
5 von ihnen entstammen dem engeren Gebiet der Urgeschichte: W. Dehn behandelt
die Verbreitung der älterlatenezeitlichen Marnekeramik im Rheingebiet, W. Krä-
mer einen prachtvollen Massenfund mittel-spätlatenezeitlicher Bronzen aus dem
oppidum von Manching, V. M i 1 o j c i c die chronologische Stellung der neolithischen
Gruppen von Körös, Star^evo und Vinca, G. Schwantes die ältereisenzeitliche
Jastorf-Zivilisation und E. Sprockhoff das chronologische Verhältnis der jün-
geren süddeutschen Umenfelderkultur zu den Monteliusstufen IV und V. —
2 Aufsätze sind provinzialrömischen Themen gewidmet: G. Behrens legt römische
Fibeln mit Inschrift vor und F. Sprater behandelt Römerstraßen und Meilen-
steine in der Pfalz. — 5 weitere Aufsätze entstammen dem Gebiet, das man als
Frühgeschichte zu bezeichnen pflegt: H. Bott legt eine frühlangobardische Bügel-
fibel aus Bayrisch-Schwaben vor, R. Egger beschäftigt sich mit der schwierigen
Lesung einer Inschrift des 6. Jahrh. aus dem Dom zu Grado, P. Goessler handelt
über die frühalamannische Geschichte der Orte Ulm und Pfullingen, J. Werner
umschreibt eine für die slawische Expansion auf dem Balkan wichtige Fibelgruppe
des 7. Jahrh. und H. Zei s s legt in einer posthumen Arbeit zuckerhutförmige Schild-
buckel aus der frühkarolingischen Zeit vor.
 
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