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Burgruine Lützelhardt bei Seelbach, Ldkrs. Lahr

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Kerzenleuchter
Ein flacher Teller dient als Standfläche und Träger: der Röhre für die Kerze. Die
Gesamtform in anderem Material ist bis fast in die Gegenwart erhalten. Taf. 10, 10
zeigt einen Leuchter, dessen Profil bis auf eine leichte Beschädigung des Abschlußrandes
vollständig erhalten ist. Der einfache, abgerundete, gekehlte Rand ist vereinzelt auch
bei Töpfen vorgefunden worden. Zum Einstecken des Windschirms sind zwei Durch-
stiche angebracht. Trotz der derben Arbeit hat der Tellerrand Merkmale der frühen
Gotik aufzuweisen. Der stehende Rand mit dem dornartigen Grat ist hier nach oben
gerichtet.
Bei einem anderen Kerzenleuchter ist der ganze Mantel mit Riefen bedeckt (Taf. 9,
5). Zum Verständnis, wie die Verzierung aus der Drehscheibenarbeit herausgewachsen
ist, sei bemerkt, daß bei gleicher Haltung des meiseiartigen Werkzeugs der Töpfer nur
von unten nach oben zu fahren brauchte, um diese Wirkung zu erzielen. Durch die
Drehung der Scheibe entstand so die Spirallinie, die beim Teller breit sich dehnende
und bei der Röhre enge Riefen erzeugte.
Auf Taf. 9, 6 ist ein Tellerstück eines Leuchters abgebildet. Tiefe Furchen und hohe
Grate gliedern die Schauseite und sind mit Rädchenverzierungen versehen.
Mit Ausnahme eines schweren ungegliederten romanischen Stückes handelt es sich
bei etwa einem Dutzend derartiger Funde um Stücke aus gotischer Zeit.
Öllämpchen
Unter dem Fundmaterial befinden sich ganz erhaltene Öllämpchen, aber auch zahl-
reiche Reststücke, oberer Durchmesser 10—12 cm. Einige Stücke, wie solche aus spä-
terer Zeit auf der Burg Falkenstein gefunden wurden, zeigen wie der Töpfer dieses
einfachste Gefäß im Aufbau organisch zu gliedern verstand. Je eine flache Kehle betont
die Fuß- und Halspartie und läßt den Bauch mäßig herauswölben. Die Ansichtsseite
zeigt von oben den flachen grätigen Rand wie bei den frühgotischen Becherkacheln.
Bei einigen Stücken ist der Rand lippenähnlich nach außen gebogen. Vereinzelt ist nach
innen ein kleiner kantiger Wulst zu sehen8).
Beispiele mit dem einfach abgestrichenen kantigen Rand zeigt Taf. 9, 8—9, einen
mit abgerundetem Rand auf der schmalen Oberseite durch eine Rille verziert aus
romanischer Zeit zeigt Taf. 9, 7. Ein Schüsselchen mit abweichendem Rand, wie bei
gotischen Töpfen, hat noch den in früherer Zeit häufigen Hals-Schulterknick und ist
außen mit Rillen verziert (Taf. 9, 12).
Z i e r w e i s e
Die Verzierungen, die bei den Merdinger Funden sehr spärlich sind“), zeigen auf
den spätstaufischen Stücken des Lützelhardt reichere Formen, die denen der ottonischen
Zeit ähnlich sind. Manchmal sind es nur Drehfurchen und Drehwulste, die als Zier
8) Bad. Fundber. 18, 1948—1950, Taf. 30, CI.
“) Bad. Fundber. 18, 1948—1950, Taf. 31 und Seite 170.
 
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