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Fundschau 1949—1951: Urnenfelderzeit

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statt B) hineinreicht. Wenn wir bedenken, daß im übrigen von allen Urnenfeldern des
Rheingebietes bisher nur zufällige Ausschnitte bekannt geworden sind — daß z. B.
auch Huttenheim keineswegs erschöpft ist, haben die neuerlichen Begehungen K. Hor-
muths erwiesen — so besteht alle Aussicht, daß wir in Zukunft unsere bisherigen
Vorstellungen von der Kontinuität rheinischer Urnenfelder erheblich modifizieren
müssen (vgl. dazu Prähist. Zeitschr. 34/35, 1949/50, 288 ff. und Jahrb. Schweiz. Ges.
f. Urgesch. 41, 1951, 175 ff.).
Von sonstigen Urnenfeldermaterialien sei hier nur kurz auf den merkwürdigen Fund
von Eberbach hingewiesen, der vor allem durch seine Lage tief im Buntsandsteingebiet
des Odenwaldes für die Siedlungsgeschichte von Bedeutung ist, ferner auf die nicht
gerade häufige Fußschale von Külsheim (Taubergrund), die sicherlich zur Unter-
mainisch-Schwäbischen Gruppe zu rechnen ist, schließlich auf das Frankengräberfeld
von Rheinsheim, wo das Auftauchen von Urnenfeldermaterialien in Frankengräbern
wohl nur durch Überlagerung und Zerstörung eines älteren Gräberfeldes verstanden
werden kann. Das prachtvolle Auvernierschwert von Sinzheim, Ldkrs. Bühl, ist nicht
nur als Fundstück erfreulich, es hilft auch durch seine Lage im fundarmen Mittelbaden
eine noch immer bestehende Lücke weiter auszufüllen.
An neuerer Literatur sei noch genannt: H. Müller-Karpe, Das Urnenfeld von Kelheim/
Niederbayern (Besprechung am Schluß des Bandes), K. Nass (f), Die Nordgrenze der
Urnenfelderkultur in Hessen, Teil I und II, Ober- und Niederhessen, Marburg 1952.
Für chronologische und allgemein zeitgeschichtliche Fragen sind von Bedeutung: V. Gor-
don Childe „the crises of the late Bronze age“ in: Prehistoric Migrations in Europa,
Oslo 1950, und E. Vogt „Der Beginn der Hallstattzeit in der Schweiz“ in: Jahrb.
Schweiz. Ges. f. Urgesch. 40, 1949/50, 209 ff. W. K.
Achkarren (Freiburg), Ortsetter.
Beim Erweiterungsbau des Winzerkellers wurde 1949 eine urnenfelderzeitliche Kultur-
schicht angeschnitten, die dank der sofortigen Meldung des Geschäfstführers, Herrn
Engist, in Teilen untersucht werden konnte (vgl. Bad. Fundber. II, 1929—1932, 396).
Nicht weniger interessant wie die Funde selbst sind die Fundumstände, die einen schnel-
len Wechsel der Bodenverhältnisse erkennen lassen, wie so häufig im Lößgebiet des
Kaiserstuhls. Etwa in 4,5 m Tiefe beginnt ein schwarzgrauer feuchter Lehm, der sich
bis auf 5,5 m Tiefe fortsetzt und an dessen Oberkante die Funde selbst eingebettet sind.
In diese Oberfläche hat sich offenbar ein plötzlich auftretendes Gewässer eingetieft,
dessen Mulde von sandigen, zahlreiche Mollusken führenden Schlieren angefüllt ist.
Über dieser Wasserablagerung liegen etwa 1,6 m Löß, der stark verlehmt ist und
offenbar beim Wassereinbruch abgeschwemmt worden ist. Bei 3 m wird dieser Löß
erneut durch ein schmales, etwa 0,5 m starkes Band aus Sand und Schwemmschutt über-
lagert, das Ziegelbrocken und mittelalterliche Scherben führt. Bis 2 m folgen wiederum
verlehmter Löß und schließlich 1,5 m moderne Auffüllung. An der Fundstelle müssen
also mindestens zweimal Wassereinbrüche stattgefunden haben, die jedesmal erhebliche
Mengen von Löß mit abschwemmten. Daher auch die ungewöhnliche, bis in 5 m Tiefe
 
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