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Fundschau 1949—1951: Latenezeit, Römische Zeit

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Grube 2: Gefunden 1950; 20 m westlich von Grube 1; vom Landesdenkmalamt
Karlsruhe untersucht. Flache Grube von 1,2 m Dm., die bis 0,7 m unter die Oberfläche
reichte. Die Grubenfüllung war farblich kaum von der Umgebung abgesetzt, doch
waren Ränder und Sohle der Grube durch knorplige oder plattige Absonderungen
von Lößkalk markiert.
Funde: Die Scherben aus beiden Gruben zeigen die geläufigen Typen der älteren
Latenekeramik: Schüssel mit eingezogenem Rand, Schüssel mit ausschwingendem Rand,
bauchiger Topf mit eingezogenem Rand und Tupfenleiste, bauchiger Topf mit aus-
schwingendem Rand, zylindrischer Topf. Die Schüsseln haben z. T. feinengobierte
und polierte Oberfläche, die Töpfe sind naturrauh oder durch Schlickauftrag gerauht.
Als Magerungsmaterial ist bei den Töpfen mehrfach Bohnerz verwendet (Taf. 34, C 1-8)
(4904).
Mtbl. 52/6917 Weingarten. — Verbleib: Archiv des Landesdenkmalamts Karlsruhe.
(Dauber)

Römische Zeit

Zum erstenmal seit längeren Jahren gelang es während der Berichtszeit, gleich an
mehreren der namhaften römischen Siedlungen Badens einen Einblick in den Boden
zu gewinnen und nicht nur Scherben, sondern auch topographische Fixpunkte zu
erhalten. In erster Linie ist in diesem Zusammenhang Pforzheim zu nennen, wo die
ur- und frühgeschichtliche und die mittelalterliche Forschung. Hand in Hand arbeitend,
die wertvollsten Ergebnisse zur frühen Geschichte dieses alten Enzüberganges zu er-
zielen vermochten. Der Aufsatz von A. Dauber (S. 63) gibt davon wenigstens eine
Kostprobe, während die Gesamtveröffentlichung abzuwarten bleibt, zumal die Arbeiten
noch im Gange sind.
Ähnlich bedeutungsvoll war das Resultat der Grabung auf dem „Rettig“ in Baden-
Baden, wo das angebliche Kastell, das seit mehr als hundert Jahren in der Literatur
spukt, endgültig zu streichen ist. — Aber auch die kleineren Aufschlüsse auf dem
„Mauerfeld“ von Lahr-Dinglingen, in den Ortsettern von Riegel und Badenweiler,
sowie die lange Jahre hindurch angestellten Beobachtungen in Stettfeld bedeuten eine
wertvolle Bereicherung unseres Wissens. Die feinere zeitliche Gliederung zwischen den-
jenigen Siedlungen, die unmittelbar nach der Besetzung der rechten Rheinseite durch
Cornelius Clemens (73 n. Chr.) angelegt worden sind, wie z. B. Riegel, Baden-Baden
(Altstadt; nicht dagegen „Rettig“), Offenburg und den etwas jüngeren Siedlungs-
punkten wie Lahr-Dinglingen kommt immer deutlicher heraus. Aufgabe der nächsten
Jahre wird sein, den Zweck gerade der frühen Siedlungen klar zu ermitteln, besonders
die bisher mit einem etwas zu großen Aufwand von Phantasie behandelte Frage zu
lösen, wo nach dem Jahre 73 Kastelle angelegt worden sind und wo nicht.
Freilich stellte der größte Anfall von Einzelfunden, meist Scherben, aus den römischen
Siedlungsplätzen die Berichterstattung vor neue Probleme. Der Grundsatz, alles wich-
tige innerhalb der Berichtszeit angefallene Fundgut in ausreichenden Abbildungen und
Beschreibungen vorzulegen, wurde aus Raum-, Zeit- und Kostengründen undurch-
führbar. Statt dessen mußten mehrfach kurze Charakterisierungen des Fundstoffes

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