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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 19.1951

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https://doi.org/10.11588/diglit.43771#0262
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auf ein Beigefäß selbst leer blieb (Grab 146). Eine einzige Kreisgrabenbestattung (Grab 117) zeigt,
daß diese im Rheingebiet geschätzte Übung mindestens in Kelheim ungebräuchlich war. Völlig
neuartig ist der in Kelheim zu erbringende Nachweis einer Trennung von Frauen- und Männer-
gräbern auf Grund der Urnenformen. So scheinen Enghalsurnen männliche, Weithalsurnen weib-
liche Bestattungen zu verraten. Danach lassen sich auch die Beifunde auf die Geschlechter
aufteilen. So sind die Waffen (13 Pfeilspitzen, aber nur 1 Lanzenspitze), Messer und Votiv-
feuerböcke männlichen, Gürtelhaken, Nadeln, Armringe und Spinnwirtel weiblichen Gräbern
zuzuweisen. Beigefäße sind im allgemeinen schwer aufteilbar, auch wenn hier Schwerpunkte zu
erkennen sind (z. B. Spitzbecher nur in Männergräbern). Bei der noch weitgehenden Unsicherheit
in der Beigabenzuweisung sind solche Feststellungen natürlich von großem Wert. Überträgt man
diese Ergebnisse in den Gräberplan, so scheinen sich gewisse Häufungen von Männer- und
Frauengräbern zu ergeben. Bedauerlich ist, daß Leichenbranduntersuchungen noch nicht statt-
gefunden haben. Wir können uns vorstellen, daß mit den neuen Geywallschen Methoden hier
noch manche Ergänzungen und Sicherungen gewonnen werden könnten.
Sehr beachtlich ist der Versuch, eine Feinchronologie mit Hilfe einer Horizontalchronologie zu
gewinnen, ein Versuch, der allerdings eine genügend große Anzahl von Gräbern und einen
genauen Gräberplan zur Voraussetzung hat. So hat Verf. eine Reihe von Typen innerhalb des
Urnenfeldes kartiert, wobei sich zeigt, daß gewisse Formen nur im östlichen, andere wieder nur
im westlichen Teil des Gräberfeldes auftauchen. Wieder andere Typen scheinen zu einer mittleren
Gruppe zu gehören. Eine tabellarische Darstellung der Fundvergesellschaftungen, die als Gegen-
probe angelegt wurde, bestätigte das Kartenbild. Nach solchen Unterlagen möchte Verf. eine
Aufteilung der Gräber auf fünf Zeitgruppen vornehmen. Die Belegung beginnt nach ihm im
Osten, wo noch fünf Gräber der Spätstufe von Hallstatt A angehören sollen. Nach Westen vor-
schreitend gehört die Hauptmasse der Gräber der Stufe Hallstatt B an, die sich wiederum in drei
Zeitphasen (B 1, B 2, B 3) unterteilen läßt. Mit zwei Gräbern der Hallstattstufe C ist die
Belegungsgeschichte von Kelheim vorläufig abgeschlossen. Es scheint somit offenkundig, daß die
weitaus überwiegende Masse der Gräber (256 Stück) der jüngeren Urnenfelderzeit zuzuweisen
ist, wobei allerdings nicht verkannt werden darf, daß gerade im Osten und Westen (und wahr-
scheinlich auch im Norden) die Grenzen des Gräberfeldes noch nicht erreicht sind. Die — über-
raschend geringe — Zahl der A- wie der C-Gräber mag somit auf einem Zufall beruhen.
Trotzdem scheint der Schluß berechtigt, daß — wie in weiten Teilen Süddeutschlands — mit
der jüngeren Urnenfelderzeit (Hallstatt B) auch in Kelheim eine neue starke Besiedlungsphase
beginnt.
Die vom Verf. mit viel Scharfsinn und Geschick erarbeitete Feinchronologie des Gräberfeldes
wirft indes einige Fragen auf, die hier wenigstens angeschnitten sein sollen. So werden z. B. die
Gräber 41 und 44 (Taf. 8 B und H) als noch älterurnenfelderzeitliche bezeichnet. Maßgebend
für diesen Zeitansatz scheinen dem Verf. mit Recht Knickwandschalen, eine Turbanrandschüssel,
schließlich ein Gefäß mit echter ,Attinger“ Zier zu sein. Mit westlichen Augen betrachtet, erregt
es andererseits Bedenken, ein Trichterrandgefäß wie Taf. 8, B 4 oder Schalen wie Taf. 8, H 1. 3
noch dieser Stufe zuzuweisen. Man würde sie dort ohne Bedenken schon in die Stufe B einreihen.
Wenn Verf. dem entgegenhält (mündliche Auskunft), dies wäre im östlichen Süddeutschland nicht
der Fall, so müssen wir ihm dies bei seiner umfassenden Materialkenntnis glauben. Aber schon
dieses eine Beispiel zeigt, welch völlig andere Sprache man heute schon in den verschiedenen
Urnenfelderbereichen spricht. Und ein weiteres: Wenn Verf. innerhalb der Stufe B für Kelheim
drei Zeitphasen unterscheidet, Phasen, deren grundsätzliche Berechtigung man trotz einiger Be-
denken durchaus anerkennen möchte, so zeigt dies schlaglichtartig, welch kompliziertes Gebilde
diese Stufe B zu sein scheint. Nehmen wir Gersbachs und des Referenten Versuche, die Stufe B
im Westen unterzugliedern dazu, so wird deutlich, wie weit wir uns schon von der alten Reinecke-
schen Zweiteilung der nordalpinen Urnenfelderkultur entfernt haben. Da es recht unwahrschein-
lich ist, etwa die Kelheimer Zeitphasen ohne weiteres auf den Westen zu übertragen, so wird
offenkundig, welch heilloser Verwirrung wir entgegensteuern. Fügen wir noch hinzu, daß die
Schweizer konsequent an ihrer alten Bezeichnung späteste Bronzezeit“ festhalten, die nun wieder-
um keineswegs identisch etwa mit der Stufe Reinecke Bronzezeit D ist, bedenken wir, daß die auf
Dechelette eingeschworenen Franzosen, daß Childe und Hawkes in England und Sprockhoff im
 
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