Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0034

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Robert Lais j' und Elisabeth Schmid

vor der Höhle in etwas größerem Umfang angegraben und dort, in einem vom Men-
schen nicht gestörten Schichtprofil, die wenigen aber eindeutigen Werkzeuge gefunden
hätte, die einst auf dem Weg zur Höhie verloren gegangen waren.
Noch ein zweites Mal hat der urgeschichtliche Mensch einen Teil des Höhlenbodens
herausgescharrt: Zwischen den Schichten b und c zog sich ein 1 am. dicker kohliger
Streifen hin, der im nördlichen Teil der Grotte in die Schicht b hinauflief. Er kann
also erst entstanden sein, nachdem die Ablagerung von b, nach dem ZoTZschen Profil
zu schließen, etwa 10 cm Höhe erreicht hatte. Im südlichen Teil der Grotte muß dieses
unterste Drittel der Schicht b herausgescharrt worden sein. Da der kohlige Streifen
keinerlei Funde geliefert hat, kann der Zeitpunkt dieser Ausräumung nicht auf archä-
ologischem Weg bestimmt werden. Der stratigraphische Befund lehrt immerhin, daß sie
erheblich später als die Besiedlung der Höhle durch den Menschen des Spätmagdale-
niens, aber nicht nach dem Neolithikum erfolgt ist, denn neolithische Scherben fanden
sich in den darüber liegenden Teilen der Schicht b. Zotz hält den kohligen Streifen
für neolithisch; er könnte aber auch ebensogut mesolithisch sein.
Hinter einer aus der nördlichen Höhlenwand vorspringenden kleinen Nase fand sich
eine durch Sinter mehr oder weniger stark verkittete Rogensteinbrekzie, von Zotz als
Schicht B bezeichnet, die eine stattliche Anzahl guter Feuersteinwerkzeuge lieferte,
deren Form etwas anderes war, als die der Schicht c. Über die stratigraphische Stellung
der Einlagerung B ist heute leider keine völlige Klarheit mehr zu gewinnen. Sicher ist
zunächst nur, daß sie älter ist als das Spätmagdalenien der Höhle. Denn dessen dunkle
Kulturschicht zog sich über die Brekzienschicht B hinweg.
Die Verbackung der Steine und Artefakte zu einer harten Brekzie kann erst nach
ihrer Ablagerung erfolgt sein. Sie setzt, wenn auch nur in der Nische selbst, das Herab-
rieseln kalkhaltigen Wassers voraus, das schließlich zwischen den Steinen verdunstete
und seinen Kalkgehalt in Form harten Sinters ausschied. Unsere Beobachtungen in einer
ganzen Anzahl von Höhlen haben gelehrt, daß eckiger lehmfreier Schutt nur als Wir-
kung des Zerfrierens der Felsen während eines ausgesprochenen kalten und verhältnis-
mäßig trockenen, also eiszeitlichen Klimas entsteht. Gesteinsschutt, der sich unter dem
Einfluß eines feuchteren und wärmeren Klimas bildete, enthält als Porenfülle immer
eine größere Menge lehmiger Bestandteile. Dies war auch in den Schichten des Schutt-
kegels vor der Höhle festzustellen. Dort war der eckige Schutt der Schicht C nur mit
dem eingewehten Lößstaub, nicht aber mit Lehm ausgefüllt, während die darüber-
liegende Sinterschicht B zwischen den verwitterten Steinen beträchtliche Mengen von
Lehm enthielt. Daraus muß geschlossen werden, daß die Kultur der Brekzienschicht B
im Gegensatz zu den Artefakten von B (und C) einem noch durchaus eiszeitlichen
Klimaabschnitt angehört. Der zeitliche Abstand der beiden Kulturen kann demnach
nicht ganz unerheblich sein. Dies prägt sich auch, wie später dargelegt werden wird,
typologisch aus.
Aus der in Abb. 5 wiedergegebenen Zeichnung von Zotz weitergehende Schlüsse zu
ziehen, insbesondere über das Altersverhältnis der Brekzie B zum Löß C und roten
Lehm d, der für tertiär gehalten wurde, erscheint nicht angebracht.
 
Annotationen