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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0129

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Das Dreigötterrelief von der Brigachquelle

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Das Dreigötterrelief von der Brigachquelle
Im Heimatmuseum von St. Georgen im Schwarzwald (Ldkrs. Villingen) befindet sich
seit 1932 ein 0,56 mal 0,17 m großes Sandsteinrelief gallo-römischen Ursprungs1). Es
wurde von dem einheimischen Geschichtsforscher Dr. Barthel Heinemann geborgen
und saß ehedem im Rauchkammergewölbe des Hirzbauernhofes im oberen Brigachtal.
Von den dortigen Höfen ist dies der oberste. Er liegt etwa anderthalb Wegstunden
von St. Georgen entfernt in einem das Tal amphitheatralisch abschließenden Halb-
rund, hat seinen Namen vom nahen Hirz- d. h. Hirschwald und mag gut 200 Jahre
alt sein. Es handelt sich um das gleiche Gebäude, in dessen Keller die Brigach ent-
springt. Und da die Brigach etwas länger ist als die Breg, konnte ihr Ursprung zu-
gleich als der der Donau gelten. Die Quelle ist zwar im Keller selbst, wo sie beim
Ausschachten wohl unvermutet zutage trat, zugemauert, doch haben rührige Mit-
glieder des Badischen Schwarzwaldvereins dafür gesorgt, daß sie einige Meter unterhalb
des Hauses im Rahmen einer kleinen Anlage in einen Granitblock gefaßt und durch
eine Aufschrift kenntlich gemacht wurde. Ansichtskarten taten das ihre, um den
„Ursprung der Donau“ für diesen Platz festzulegen.
Die Reliefplatte zeigt in gleicher Höhe drei menschliche Köpfe, von denen der dem
Betrachter zugewandte mittlere büstenartig auf einem zierlich gegliederten Kandelaber
steht, während die zur Mitte blickenden seitlichen von pfeilerartigen Unterbauten
getragen werden. Alle drei sind bartlos, im übrigen aber so beschädigt, daß sich männ-
lich und weiblich nicht sicher unterscheiden lassen. Zu den Köpfen gesellen sich drei
Tiere. In der linken Bildhälfte ein nach rechts schreitender Hirsch, in der rechten
unten ein auffallend großer, nach rechts springender Hase, über ihm ein nach links
blickender Vogel anscheinend friedlicher Art, am ehesten wohl eine Taube.
Büstenköpfe und Tiere in Dreizahl lassen vermuten, daß es sich — ich erinnere an
den Kessel von Gundestrup — um keltisches Glaubensgut handelt2). „Aufgeblasene
Backen“ glaubt Revellio an den Köpfen erkennen zu können und dachte an Wind-
götter3). Mir scheint das durch den Befund nicht genügend gestützt zu sein. Auch
wären damit die Tiere nicht recht in Einklang zu bringen, deren Dreizahl auch ge-
danklich der Zahl der Köpfe entsprechen wird. Ich glaube deshalb, daß Krüger
(a. a. O. 68) recht hatte, wenn er den Kopf zur Linken mitsamt dem ihm voraus-
') Hauptveröffentlichung: Bad. Fundber. 14, 1938, 65 ff. mit Taf. 8 (E. Krüger - P. Revellio),
im folgenden Krüger-Revellio zitiert. — Bad. Heimat 25, 1938 (Jahresband: Die Baar) 58 ff.
mit Abb. auf S. 62 (P. Revellio). — Der Schwarzwald 75, 1938, 175 ff. mit Abb. (B. Heine-
mann).
2) Archiv f. Religionswiss. 37, 1941, 111 (C. Clemen). — Ann. du Musee Guimet 1906, 177
(Ch. Renel). — Germania 23, 1939, 251 ff. (E. Krüger). — österr. Jahreshefte 26, 1930,
36 ff. (A. Schober).
3) Krüger-Revellio a. a. O. 71.
 
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