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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0153

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Latenezeitliche Brandgräber von Bettingen, Ldkrs. Tauberbischofsheim

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schließlich die Beobachtung Krämers anbetrifft, daß gegen Ende der Mittellatenezeit
eine Verarmung der Friedhöfe eintritt31), so ist dieser Umstand einer schärferen Glie-
derung des Fundmateriales nicht gerade günstig. Insbesondere ist damit für Bettingen
nichts gewonnen, denn dieser Fundplatz gehört mit der Wetterau und Rheinhessen zu
einer Provinz,welche diese Entwicklung nicht mitgemacht hat.
Als Fazit dieses Exkurses bleibt die erstaunliche Feststellung, daß die innere Entwick-
lung des „Mittellatenehorizontes“ durch die großen historischen Vorgänge dieser Zeit
offenbar kaum beeinflußt worden ist. Weder die Inbesitznahme der Provence durch
die Römer 121 v. Chr., noch der viel beschworene Kimbernzug 113—101 v. Chr., aber
auch nicht der Einfall Ariovists mit seinen Sueben, der etwa in der Mitte der acht-
ziger Jahre begonnen haben wird, haben einen klar faßbaren Fundniederschlag inner-
halb unseres „Mittellatene“ hinterlassen32). Von der 2. Hälfte des 3. vorchristlichen
Jahrhunderts ab bis zur Unterwerfung Galliens durch Caesar kurz vor der Mitte des
letzten Jahrhunderts weist unser Fundstoff eine ungebrochene Entwicklung auf. Erst
in der 2. Hälfte dieses saeculums tritt uns dann jener materielle Horizont entgegen,
der in großer Einheitlichkeit von Frankreich bis hinüber nach Böhmen reicht und den
man als die „oppidum-Civilisation“ bezeichnen könnte33). Für das Gräberfeld von Bet-
tingen, von dem diese Erörterung ausging, ergibt sich somit, daß seine untere Bele-
gungsgrenze leidlich genau mit der letzten Jahrhundertmitte angegeben werden kann,
während nach „oben“ ein wesentlich größerer Spielraum — theoretisch bis ins aus-
gehende 3. Jahrhundert — zur Verfügung steht. Für die historische Auswertung wird
solcher Ansatz von einiger Bedeutung sein.
Fundvergleich
Als nächstes haben wir zu prüfen, ob sich der Bettinger Fundstoff räumlich und zeit-
lich schärfer einengen läßt. Die in drei Exemplaren vorliegenden Schwerter (Taf. 22,
1—2; 23, 1) verkörpern den klassischen Mittellatenetypus, so wie er etwa von Rein-
ecke, Jahn, Vouga, Bittel und Schönberger umschrieben worden ist34): zweischneidige
Eisenschwerter mit Längen über 80 cm, lang ausgezogene Griffangeln mit (abgebro-
chenen) Endköpfen, kräftig geschweifte Griffbügel, eiserne Scheiden mit Riemenschlau-
fen. Letztere besitzen ein breites kurzes Mittelstück, das von herzförmigen Nietplat-
ten gehalten wird. Die in Grab 3 erhaltene Scheidenspitze (Taf. 23, 3) zeigt, daß die
Scheide genau den Umrissen des Schwertes folgt. Ortbänder mit Querstegen bzw.
deren knopfartigen Andeutungen waren offenbar nicht vorhanden. Der Querschnitt
der Eisenklingen ist flach-gewölbt, die Breite geht nicht über 4 cm hinaus. Klingen-
31) Germania 30, 1952, 330 ff.
32) Vgl. zu diesen Fragen P. Reinecke in: Ber. RGK. 23, 1933, 147 ff. und G. v. Merhart in:
Wiener Präh. Zeitschr. 27, 1940, 98 f., ferner O. Klindt-Jensen, Foreign influences in Den-
marks early iron age in: Acta Archaeologica 1950, 13. — Vgl. auch die Zusammenfassung
am Schluß des Aufsatzes.
33) J. Werner in: Welt als Geschichte 4, 1939, 380 ff.
34) P. Reinecke in: Alt. heidn. Vorz. 5, 288 ff. mit Taf. 51. — M. Jahn, Bewaffnung der Germa-
nen in: Mannus-Bibl. 16, 1916, 24 ff. — P. Vouga, La Tene (1923) 31 ff. — K. Bittel, Kelten
in Württemberg in: Röm. Germ. Forsch. 18, 1934, 74. — H. Schönberger in: Saalburgjahr-
buch a. a. O. 38 f.

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