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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0024
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18

Rudolf Albert Maier

Jetzt wird auch der feine, hellrote Brand vieler Hagschutz-Scherben verständlich. Es
scheint sich beim oberen Hagschutz-Stratum demnach um eine älterbronzezeitliche
Siedlung mit einer Michelsberg-Komponente zu handeln — ähnlich wie auf dem Kirch-
berg bei Reusten (Tübingen), wo gleichfalls „Backteller“ und Randknubben in haupt-
sächlich frühbronzezeitlicher Umgebung auftreten.51) Wie die mit „Straubing-Gaimers-
heimer“ Doppel-Halbkreisstempeln verzierte Beikeramik des mit Hagschutz eng ver-
wandten Jechtinger „Rössen“52) nahelegt, mögen auf dem Hagschutz auch Rössener
Elemente älterbronzezeitlich nachgelebt haben. In diesem Betracht könnten u. U. die
oben ausgeschiedenen Rössener Scherben vom Munzinger Berg wieder an Wert ge-
winnen.
Nun lassen sich auch die „Michelsberger“ Funde aus dem Steinbruch Guth-Behrle in
Herbolzheim besser einordnen: Dort erinnert ein Randstück mit länglicher Griff-
leiste53) an die Ihringer Frühbronzezeitware, von welcher wir ausgingen. Der Knubben-
rand54) weist nach Hagschutz, Schönberg und Munzingen. Merkwürdig sind die beiden
rundbodigen Henkelkrügchen55), von denen das Miniaturkrügchen mit einem latene-
artig geschweiften, frühbronzezeitlichen Profil zusammenliegt (Grube l).56) Diese ge-
schweifte Scherbe kommt wiederum einem Munzinger Stück aus Grube 14 nahe (Taf.
12, 9). Die Herbolzheimer Krügchen sind weniger an Niedereggenen-„Hagschutz“ und
Arbon-„Bleiche“, sondern eher an einen Krug aus Frankfurt a. M.-Eckenheim anzu-
schließen, der von Sangmeister mit Vorbehalt zur Glockenbecher- bzw. Adlerbergkultur
gerechnet wird.57) Ähnliche Krüge gibt es ferner in jüngeren Cortaillod-Stationen der
Mittel- und Westschweiz.58) Vielleicht ist noch das kleine, fast schon tassenartige Henkel-
krügchen aus der Michelsberger Siedlung Altenburg-„Sinkelosebuck“ (Waldshut) hier-
herzustellen.59) Im Glockenbecher- und Frühbronzezeitbereich finden sich dann auch die

51) In der Inst.-Slg. Tübingen liegen vom Kirchberg vier offenbar von verschiedenen „Back-
tellern“ stammende Bruchstücke, ferner vier mit Knubben besetzte Randstücke: H. Stoll,
Urgesch. d. Oberen Gäues (1933) 36 ff. u. Abb. 18, 18 (Knubbenrand); 22, 15 („Backteller“).
Zur Kirchberg-Siedlung zuletzt Dehn, Bayer. Vorgeschichtsbl. 18—19, 1951—1952, 15 f. —
Auch aus der Aunjetitzer Siedlung von Groß-Mugl in Niederösterreich wird das „Bruch-
stück eines Backtellers mit aufgewulstetem Rand“ gemeldet: E. Beninger, Die frühbronze-
zeitl. Dorfanlage v. Groß-Mugl. Mitt. d. Prähist. Komm. IV 3—4 (1941) 87.
52) Kimmig, Rössen 45 u. Taf. 7, B 4. Dazu kommt noch ein kantig ausgezogenes, grob gema-
gertes Bodenstück. Dagegen gehören die drei späthallstatt- bis frühlatenezeitlichen Rand-
stücke Taf. 7, B 3 nicht in das Grubeninventar 44/20. — Zu den Stidhreihen Taf. 7, B 5 vgl.
Kimmig, Fundschau 1940—1943, 277 u. Taf. 65, C 6.
53) Kraft, Fundschau 1936, 9 Abb. 4 b. — Vgl. auch Keller-Tarnuzzer u. Reinerth, Urgesch. d.
Thurgaus (1925) 57 Abb. 10, 28; R. Wyss, Jahrb. d. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 44, 1954—1955,
198 u. Taf. 37, 7.
54) Kraft, Fundschau 1936 Abb. 4 d.
55) a. a. O. Abb. 4 a; Deecke, Bad. Fundber. I, 1925—1928, 331 u. Abb. 141 a.
50) Inst.-Slg. Freiburg (1009).
57) Sangmeister, Becherkulturen 14 u. Taf. 1, 14.
58) Aus Egolzwil 2 (Kt. Luzern) im Naturhist. Mus. d. Kt. Luzern, und aus Chavannes-le-Chene -
„Vallon des Veaux“ (Kt.Waadt) bei V. von Gonzenbach, Die Cortaillodkultur i. d. Schweiz.
Monogr. z. Ur- u. Frühgesch. d. Schweiz 7 (1949) 45 u. Taf. 4, 15.
50) Kraft, Prähist. Zeitschr. 20, 1929, 169 u. Abb. 1 b.
 
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