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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0056
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50

Elisabeth Schmid

Kalkspatmagerung ist sicher bewußt erfolgt, doch scheint sie nicht ausschließlich für
gewisse Gefäße bevorzugt worden zu sein. Kalkspat war am Tuniberg überall leicht zu
gewinnen.
Unter den vor allem grob gemagerten Scherben war ein Teil auch mit scharfkantigem,
kristallinem Sand gemagert. Hierfür wurde offenbar künstliche Magerung geschaffen.
Einen Hinweis für das dazu genommene Rohmaterial bieten wohl die einzeln gefunde-
nen Granitgerölle (Grube 21, 35, 45, 50), von denen das in Grube 45 und die beiden in
Grube 50 sehr mürb sind und vielleicht schon dem Rösten und Abschrecken ausgesetzt
waren — ein Arbeitsgang, der das Zerkleinern erleichtert.
Auch ungeformter, gebrannter Töpferton wurde geborgen (Grube 6 und 13). Der etwas
größere Knollen aus Grube 6 ist unten und innen schwarz, oben rot. Er ist kräftig
gemagert. Einige Fingerspitzen-Abdrücke mit noch erkennbaren Papillen vermitteln
unmittelbar die formende Hand des Töpfers. Derartige Tonknollen werden immer
wieder gefunden.33) Ob sie eine Art Probebrand darstellen, also sozusagen einen Vor-
läufer der Segerkegel34), oder nur spielend — vielleicht von einem Kind — beim Bren-
nen beigefügt worden sind, läßt sich vorerst nicht entscheiden.
Nun müssen noch die viel diskutierten „Backteller“ besprochen werden. Sie sind in der
neuen Grabung in 36 Exemplaren ganz oder als Bruchstücke erhalten. Fast alle sind auf-
fallend stark mit Quarzsand gemagert, wobei oft auch reichlich Brauneisen-Konkretio-
nen beigemengt sind. Für die Anfertigung dieser Tonscheiben ist demnach sandreicher,
eisenoolithhaltiger Ton verwendet worden. Der hohe Eisengehalt wirkte sich auch auf
die Farbe aus: denn 30 dieser „Backteller“ waren durch und durch ziegelrot. Ihre gelb-
liche Aufhellung an der Oberfläche hängt mit der Einlagerung im Boden zusammen.
Einen Hinweis für die Verwendung dieser Scheiben mag sich aus der Frage nach der
Entstehung der ziegelroten Farbe ergeben: Sicher verursachte stark oxydierendes Feuer
die Rotfärbung des eisenreichen Tons.35) Wäre dies schon beim Brand während der
Herstellung der Platten angestrebt worden, dann müßten sämtliche Backteller diese
rote Farbe haben. Da aber 6 Stück von den 36 — ein Prozentsatz, der mögliche Fehl-
brände weit übersteigt — in ihrem Innern braungrau, hellbraun, braun oder dunkel-
braun sind, muß die Färbung zu dem meist leuchtenden Ziegelrot während der Ver-
wendung der Tonscheiben entstanden sein. Sind sie als „Backteller“ (im weitesten Sinn,
also auch für Röst- und Bratvorgänge) benützt worden, dann hat das oft wiederholte
Einlegen in die offene, glühende Asche die Durchglühung, die zur Rotfärbung führte,
bewirkt. Diese Verwendungsweise wird noch durch die auffallend reiche Magerung
unterstrichen; denn bekanntlich widersteht reich gemagerter Ton starker Hitze besser
als fetter Ton. Wäre bei der Erzeugung der Tonscheiben vor allem Druckfestigkeit an-
33) z. B. Philippe, Cinq annees de fouilles au Fort-Harrouard, 1921—1925. Soc. Norm. d’Etudes
prehist. Bull, hors S£rie — T. XXV bis, Rouen 1927. Taf. XII, 8 u. 9. — R. Stampfuß, Nor-
dische Siedlungskeramik am Niederrhein. Mannus, 32, 1940, 118—119, Abb. 3. — A. Dauber,
Der Michelsberg bei Untergrombach. Volk u. Vorzeit I, 1940. 42—54, Abb. S. 52. —
K. Tackenberg, Die Beusterburg. Ein Jungsteinzeitliches Erdwerk in Niedersachsen. Veröff.
d. Urgesch. Slg. d. Landes-Mus. zu Hannover, Bd. 13, 1951. S. 6 u. Taf. 5, 2.
34) Lais, R., 1958, a. a. O.
35) Lais, R., 1958, a. a. O.
 
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