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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0059
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Die „Nebenfunde“ auf dem Munzinger Berg

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bung (Acker Luhr IV/l) lagen juvenile Schädelfragmente, 3 vollständige juvenile Unter-
kiefer und der oben genannte Hornzapfen einer Ziege, daneben aber auch Wirbel und
Extremitätenteile, diese in situ versintert. Auch hier ist an eine Vorratsgrube zu denken.
Der Hund ist mit 11 Resten vertreten. Seine Knochen liegen in Landsiedlungen meist
nur selten eingestreut, weil er nicht zur Nahrung diente. Während sie in der alten Gra-
bung völlig fehlten, kamen Hundeknochen in der neuen nur in der Grube 10 (2 juvenile
Knochen von einem Individuum) und in der Grube 21 (9 Knochen, wahrscheinlich von
einem einzigen, praeadulten Individuum) vor. Da kein Schädel gefunden wurde und
die Extremitätenknochen nur in Bruchstücken erhalten sind, kann eine bestimmte Rasse
nicht festgestellt werden.
Vom Hirsch fanden sich nur Stangenfragmente und — in der alten Grabung, wie oben
erwähnt — 2 Rosenstöcke. Also bestätigen die neuen Funde die zuvor schon festgestellte
Tatsache, daß der Hirsch nicht gegessen worden ist — und daher vermutlich auch nicht
gejagt wurde.
Die Bärenreste sind zwei Ulnae in zwei verschiedenen Gruben (6 und 21) und von zwei
verschiedenen Individuen stammend. Der fragliche, schlecht erhaltene Rehknochen und
das Unterkieferfragment vom Dachs (Grube 10 und 13) können durch die Hunde in die
Siedlung geschleppt worden sein.
Das Verhältnis Haustiere zu Wildtiere beträgt 548 : 14 Knochen, das macht 97,5 : 2,5%.
Ein derart geringer Anteil von Wildtieren ist von keiner neolithischen Siedlung be-
kannt geworden38), während die frühbronzezeitliche Station von Arbon-Bleiche mit
96 : 4 und auch die mittelbronzezeitliche Siedlung Crestaulta mit 97,3 : 2,7% den Mun-
zinger Werten entspricht.39) Die schon von R. A. Maier im Scherbenmaterial festgestellte
Beziehung zu Arbon40) und seine zeitliche Einordnung der Munzinger Siedlung in die
früheste Bronzezeit wird durch den Knocheninhalt der Gruben aufs nachdrücklichste
bestätigt.
Vogelreste fanden sich nur in der Grube 21, und zwar der Schädel und Unterkiefer einer
Rabenkrähe (Corvus corone).
An Resten von anderen Tieren wurden lediglich 12 Schalen der Flußmuschel (Unio
crassus batavus Maton & Rackett) und ein nicht näher bestimmbares Bruchstück einer
dickschaligen Wasserschnecke aufgesammelt. Die Muscheln wurden offenbar gegessen,
da die 7 Reste in der Grube 37 von 5 Individuen — zwei davon mit ihren beiden
Schalenhälften — stammen. Im Bach am Bergfuß oder in der etwas entfernteren Möhlin
konnte diese Delikatesse gesammelt werden. Treten auch Muschelschalen immer wieder
in den Siedlungen auf, so ist doch die Parallelität zu dem häufigen Vorkommen von
Unioschalen auf dem Michelsberg auffallend.41)

38) Hescheler, K. f, und E. Kuhn, a. a. O., S. 309. Bonnet, a. a. O., gibt keine Zahlenwerte.
30) Hescheler, K. f, und E. Kuhn, a. a. O., S. 330.
40) siehe R. A. Maier in der vorliegenden Arbeit, S.
41) Bonnet, A., a. a. O., Katalog. Leider läßt sich die Anzahl nicht genau ablesen, weil die
Zahlenangabe in manchen Gruben durch „einige“ ersetzt ist.
 
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