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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0165
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Neue Funde der Völkerwanderungszeit aus Baden (Gerlachsheim, Ilvesheim, Zeutern)

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Einen groben Anhaltspunkt für die Zeitstellung gibt zunächst die Nigraschale (Taf. 56,4).
Als „braune Nigra“ müßte sie nach Unverzagt105) der linksrheinischen, spätrömischen
Nigragattung zugerechnet werden, doch läßt das Profil dieser dünnwandigen Schale mit
drei flachen Riefen im Oberteil keine Ableitung von den drei bis jetzt einzig beschrie-
benen Typen Alzei 24—26 zu.106) Ja es läßt sich in dem ganzen Nigrabestand des rechts-
rheinischen Süddeutschland kein wirklich vergleichbares Stück nennen. Im Rhythmus
der Gliederung kommt ihr am nächsten die Schale von Wiesloch107), die ihr übrigens
auch räumlich am nächsten steht, aber die Wieslocher Schale ist bei etwa eineinhalbfacher
Größe in allen Dimensionen derber und wirkt mit den dicken Rippen an Stelle der
scharfen Grate des Zeuterner Stückes plumper, sie ist dickwandig und schwarzglänzend
und weicht damit auch in Machart und Farbe weit von der Zeuterner Schale ab. So bleibt
diese ein Sonderfall und muß bei den noch wenig geklärten Verhältnissen der ganzen
Gruppe als solcher hingenommen werden.
Geläufiger, allerdings nicht in Süddeutschland beheimatet, ist das Gefäß Taf. 56, 1. Es ist
der „spätrömische Topf“, der im ganzen Bereich der elbgermanischen Schalenurnenfelder
in mehreren Formen verbreitet ist.108) Die Zeuterner Form mit der breiten Standfläche
gehört offenbar zu den jüngeren. In Pritzier erreicht der spätrömische Topf seine zah-
lenmäßig größte Verbreitung im Horizont C, wo er in Abwandlungen bis 450 reicht.
Schuldts Beschreibung des Topfes als „braun bis schmutzigbraun“109) paßt auf den Zeu-
terner Topf genau.
Die beiden Töpfchen von Zeutern (Taf. 56, 2. 3) schließen sich nach Machart und Stil
dem spätrömischen Topf durchaus an. Vergleichsfunde konnten indes nicht ausfindig
gemacht werden. Die elbgermanischen Urnenfriedhöfe enthalten mit wenigen Ausnah-
men110) keine Beigefäße. Als Hinweis auf ihre Herkunft aus diesem Raum könnten
allenfalls die drei Knubben gewertet werden, die beide Töpfchen auf der Schulter
tragen. Sie kommen auf Schalenurnen — gerade in der Dreizahl — nicht selten vor111)
und treten gelegentlich auch am spätrömischen Topf auf. Matthes nennt einen solchen
aus Kuhbier, Grab 40112), und im Horizont C von Pritzier sind sie offenbar nicht selten.
Die Knochenspindel und der Spinnwirtel scheiden für chronologische Fragen aus. Sie
geben lediglich einen Hinweis, daß unter den Bestatteten sich eine Frau befunden haben
muß, was die anthropologische Untersuchung der Skelettreste durch K. Gerhardt be-
stätigt (vgl. Anhang I). Der Grabungsbefund, der die menschlichen Reste und die Reste
der Beigaben in einheitlicher Tiefe von 1,08—1,15 m unter Oberfläche und ihre Streu-
ung auf einer Fläche von 2 X 2,20 m ergab, läßt nur die Annahme eines einzigen großen
Grabes für die drei Bestatteten zu. Die Bindung der Funde an einen scharfbegrenzten

105) Alzei 26.
106) Alzei Taf. 2.
107) Bad. Fundber. I, 1925—1927, 282 f.
108) Matthes, Elbgermanen 7. — Matthes, Prignitz 51 u. 105.
109) Schuldt, Pritzier 28 ff.
110) Matthes, Prignitz 52.
m) Vgl. Matthes, Elbgermanen u. Prignitz, Schuldt, Pritzier. Ein schönes Beispiel aus nächster
Nähe: Heidelberg-Rohrbach, Bad. Fundberichte III, 1933—1936, 392, Abb. 170a.
112) Matthes, Prignitz 106.
 
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