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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0206
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200

Robert Lais f

Wie wir gesehen haben, fällt diese technische Änderung mit einer wesentlichen Ände-
rung der Formgestaltung zusammen, ohne daß für diese Gleichzeitigkeit ein innerer
Zusammenhang feststellbar wäre. Da die Art der Magerung für die Form völlig bedeu-
tungslos ist, könnte dieses Zusammentreffen nur rein zufällig sein. Und zur gleichen
Zeit müßte dann, ebenso zufällig, das Bedürfnis aufgetreten oder plötzlich erloschen
sein, die Gefäße durch Besenstrich, Kammstrich oder mit Wellenverzierungen zu
schmücken! An ein zufälliges Zusammentreffen dieser drei technisch voneinander unab-
hängigen Erscheinungen vermögen wir nicht zu glauben. Einfacher und natürlicher ist
die Annahme, daß die Gefäße der Formenreihe F und G in einer anderen Werkstatt
hergestellt worden sind.
Oben ist gezeigt worden, daß die kalkverarbeitendeWerkstatt zeitweise auch mit Quarz
gemagerte Gefäße hergestellt hat. Es können in der Hauptsache nur die Gefäße der
Reihe H mit teilweise gekehltem, aber auch abgeknicktem Hals und meist ebenflächig
abgestrichenem, „lippenähnlichem“ Rand gewesen sein.
Wir vermuten, daß, beeinflußt von der für die karolingische Zeit anderwärts nach-
gewiesenen Form der kurzhalsigen Gefäße mit lippenförmigem Rand, die Breisgauer
Werkstatt ähnliche Gefäße herstellte, in geringem Umfang mit Quarz, in größerer An-
zahl mit Kalkspat als Magerungsmittel. Schon hier offenbarte sich, zuerst allerdings nur
zögernd, eigener Gestaltungswillen in der Formung leicht abgeknickter Hälse und eben
abgestrichener Ränder, der schließlich in der Erzeugung von Gefäßen mit hart abge-
knickten, erhöhten Hälsen und verdickten, oft kantig ausladenden Rändern seine aus-
drucksvolle Prägung fand. Diese harten Formen sind nahezu ausschließlich mit Kalk
gemagert worden.
Noch ist die Frage zu erörtern, ob sich die Formenentwicklung nicht auch in entgegen-
gesetzter Richtung vollzogen haben könnte.
Dies würde bedeuten, daß ein bei der Spärlichkeit des vorliegenden Materials immerhin
erstaunlich großer Formenreichtum schließlich in eine gewisse Einfachheit und Ein-
tönigkeit gemündet hätte. Auch eine solche Entwicklung ist möglich und nachweisbar.
Sie ist jedoch an die Bedingung geknüpft, daß einem zunächst ungehinderten Gestal-
tungswillen schließlich Fesseln irgendwelcher, vor allem technischer Art angelegt
werden.
Jedesmal, wenn sich in das freigestaltende Handwerk die Maschine — hier die Dreh-
scheibe — einschaltete, können in der Töpferei derartige Lähmungserscheinungen beob-
achtet werden. Diese Bedingungen sind aber bei der Breisgauer Keramik von Merdingen
nicht erfüllt. Sie ist durchweg Drehscheibenarbeit, allerdings auf der langsam laufenden
Scheibe in der altertümlichen Arbeitsweise des Aufwulstens hergestellt, bei der sich die
Gestaltung noch in kaum gehemmter Freiheit vollziehen konnte.
Ein Teil der Gefäßränder der Reihen F und G und natürlich auch viele der übrigen mit
Quarz gemagerten Scherben unterscheiden sich von den anderen dadurch, daß der
magernde Sand sehr gleichmäßig fein ist. Bei künstlicher Herstellung ist das Magergut
nie derartig gleichmäßig im Korn. Wahrscheinlich sind die Gefäße dieser Art aus einem
Ton hergestellt, der bereits feinen Sand als natürliche Beimengung enthielt.
 
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