Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0023

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Gräber der Urnenfelderkultur von Hüfingen, Ldkrs. Donaueschingen

15

Wir sind bei unseren Vergleichen hier unbekümmert um chronologische Belange in recht
großen Sprüngen von der älteren über die frühe Urnenfelderzeit und die Terremare-
Kultur zum Neolithikum vom Lagozza-Typus zurückgegangen, haben dabei aber nur
eine Kultur, die von Polada übersprungen. Diese ist jedoch durch ihre Knopf- und Ascia-
Henkelkeramik so eng mit der — etwas später beginnenden (?) — Terremare-Kultur
verknüpft, daß das wohl statthaft ist. Was wir mit diesem Exkurs beabsichtigten, war,
eine neolithische Tradition des Kammes als Schmuck- und vielleicht Symbolform im
Nordwesten Italiens darzulegen, die sich nun auch auf das schweizerische Gebiet über-
tragen läßt. Die Übertragung während der Lagozza-Cortaillod-Kultur bereitete keine
Schwierigkeiten, wohl aber fehlen uns eindeutige Belege für die auf Cortaillod in der
Schweiz folgenden Perioden. Kämme sind freilich nicht unbekannt, sie treten in Holz
oder Knochen auf, doch ist ihre Datierung, da sie meist älteren Grabungen entstammen,
unsicher. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien hier aufgezählt: Nußdorf am Über-
linger See22), Wollishofen23), Moosseedorf24), Concise25), Chevroux26).
Es ist verführerisch, aufgrund solcher Beobachtungen und Überlegungen sich einen Be-
reich herauszuarbeiten, der die Gebiete südlich und nördlich der Westalpen umfaßt,
und in dem eine Tradition lebendig bleibt, die den Kamm als Schmuck- und vielleicht
Symbolform kennt und — verschieden gut nachweisbar — behält. Nehmen wir eine
solche Überlegung als Arbeitshypothese an, dann würde es leicht verständlich, wenn
beim Eindringen neuer Symbolideen und -formen aus dem Osten die Neuform, in
diesem Fall das Vogel-Motiv, auf eine bestehende Vorstellung übertragen und mit ihr
kombiniert wird. Die Umsetzung in Metall macht das Ergebnis dieser Übertragung
dann leichter nachweisbar, als es die Holz- und Beinformen zuließen, die nur unter den
günstigen Erhaltungsbedingungen der Ufersiedlungen und Terremaren und bei genügend
sorgfältiger Grabung Belege lieferten.
Die engen Beziehungen des hier wieder herausgestellten Gebietes sind ja auch während
der frühesten Urnenfelderzeit (Bz D) bekannt, da sie etwa durch die Verbreitung des
Rixheim-Monza-Schwertes zusammengefaßt werden. Wenn man in seinen Teilräumen
während der frühen und älteren Urnenfelderzeit getrennte Wege ging, so brauchte das
doch nicht die gemeinsame Tradition gleich völlig zu löschen, sondern nur zu Sonder-
bildungen zu führen, wie sie etwa der Kammanhänger für das nordwestlich der Alpen
gelegene Teilgebiet belegt.
Damit wäre für die Stufe Ha A 2 aber schon ein Ansatz für die von Kossack vermerkte
Erscheinung gegeben, daß ab Ha B gerade das Westschweizer Gebiet eine solche Eigen-
ständigkeit erreicht, daß es als einziges ein Gegengewicht gegen die östliche Entwicklung
darstellt27).
Nachdem wir uns mit der Möglichkeit einer im Symbolischen nachwirkenden Tradition
ausführlich befaßt haben, wird die Frage nach den chronologischen Folgerungen des
22) Pfahlbauten, 6. Bericht (1866) Taf. 7, 8.
23) Pfahlbauen, 9. Bericht (1888) Taf. 11, 4.
24) J. Heierli, Urgeschichte der Schweiz (1901) 121 Abb. 60.
25) Album Lausanne (1896) Taf. 11, 4.
26) Album Lausanne (1896) Taf. 30, 1.
27) G. Kossack a. a. O. 79 ff.
 
Annotationen