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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0088

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Herbert Nesselhauf

Leugenstein, der zweifellos von derselben Straßenstrecke stammt, einen Hinweis gäbe.
Dieser zweite Stein, für Elagabal errichtet, war in der Kirche des etwa 4 km nordost-
wärts von Illingen gelegenen Dorfes Au verbaut (CIL XIII 9115). Auch er ist also nickt
in situ gefunden und gibt deshalb ebenfalls nur einen ungefähren Anhaltspunkt. Stellt
man dies in Rechnung, so kommt man auf einen Straßenverlauf in allgemeiner Richtung
von Süden nach Norden oder von Südwesten noch Nordosten. Nun zog zwar eine
römische Straße von Kehl den Rhein entlang über Rastatt — Karlsruhe — Graben nach
Norden, die der Bergstraße parallel laufende Rheinstraße, aber an ihr standen schwer-
lich die beiden Leugensteine, denn man müßte in diesem Falle annehmen, daß diese
Straße ohne ersichtlichen Grund in der Rheinniederung angelegt war anstatt auf der nur
wenige Kilometer ostwärts sich erhebenden Niederterrasse, wo man sie bisher auch
immer gesucht und vielleicht sogar gefunden hat1). Wenn die Römer eine Straße, wie
dies die beiden Leugensteine erweisen, in die von Rheinarmen durchzogene und der
Überschwemmung ausgesetzte Niederung geführt haben, so kann das nur heißen, daß
sie die Verbindung zu einem Rheinübergang herstellen wollten. Vermutet hatte man
dies schon auf Grund des Leugensteins von Au2). Diese Vermutung wird jetzt durch den
Neufund bekräftigt und zugleich präzisiert, denn die Fundstelle des Illinger Steins
liegt soweit westlich, daß der Übergang — sei es mit, sei es ohne Brücke — in ihrer
unmittelbaren Nähe gesucht werden muß. Ein Blick auf die Karte läßt die Bedeutung
dieses Rheinüberganges und der zu ihr hinführenden Straße erkennen. Auf dem gegen-
überliegenden linken Rheinufer trifft unweit südlich, bei Selz, die aus dem Innern
Galliens über Zabern und Brumath kommende Straße auf die Rheinstraße Straßburg —
Speyer — Mainz, in der rechtsrheinischen Ebene zweigt bei Ettlingen die über Pforzheim
und Cannstatt an die Donau führende Straße von der Bergstraße Offenburg — Stett-
feld — Heidelberg ab. Zwischen Straßburg und Mainz bildete dieser Rheinübergang
mit der Querstraße Selz — Ettlingen die wichtigste Kommunikation Galliens mit dem
Dekumatland. Man versteht, daß die Römer nach dem Verlust des Limes und beim
Aufbau eines linksrheinischen Verteidigungssystems dieser Stelle besondere Beachtung
schenkten. Im 4. Jahrhundert war Selz befestigt und mit Truppen belegt3). Die militä-
rische Sicherung dieses wichtigen Platzes ist aber vermutlich älteren Datums und geht
wohl noch in vordiokletianische Zeit zurück.

*) Auf der Niederterrasse, zwischen Rheinniederung und Kinzig-Murgrinne, ist die Straße
eingezeichnet in der Straßenkarte von K. Schumacher, Siedlungs- und Kulturgeschichte der
Rheinlande II (1923) Taf. 19 (dazu Text S. 235f.). Leider gibt Schumacher keine Belege.
Handschriftliche Notizen über Straßenbeobachtungen von O. Ammon und K. Miller, ver-
mutlich die Grundlage für die Angaben Schumachers, waren in Karlsruhe vorhanden, sind
aber anscheinend während des Zweiten Weltkrieges verlorengegangen. Für Nachforschungen
nach ihrem Verbleib und für Auskünfte bin ich A. Dauber und F. Garscha zu Dank ver-
pflichtet. Desgleichen habe ich R. Metz zu danken für geologische Beratung und Literatur-
hinweise.
2) K. Schumacher, Veröffentl. der großherzogl. badischen Sammlungen und des Karlsruher
Altertumsvereins 3, 1902, 40 und E. Wagner, Funde und Fundstätten im Großherzogtum
Baden II (1911) 49.
3) Notitia dignit. occ. XLI 15: praefectus militum Pacensium Saletione. Die Bedeutung des
Ortes wird auch aus Ammianus Marc. 16, 2, 12 ersichtlich.
 
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